der
Drei-König-Schule
(Realgymnasium)
ZU
als
Einladungsschrift
zu der feierlichen Entlassung der Abiturienten
am 22. März
und
zu den öffentlichen Prüfungen
am 5., 6. und 7. April
1897 .
Inhalt:
Schulnaehriehten. Von Rektor Prof. Dr. Theodor Vogel.
Dis Abhandlung des Herrn Oberlehrers Dr. Ness i g „Geologische Exkursionen in der Umgegend von Dresden“ wird Michaelis 1897
gesondert ausgegeben werden.
1897. Progr. Nr. 574.
r-
Dresden,
Druck von C. Heinrich.
Geologische Exkursionen in der Umgegend
von Dresden.
I. Teil.
Von
Oberlehrer Dr. Wilhelm Robert Nessig.
Beilage zum Jahresbericht
der
Dreikönigschule
(Realgymnasium Dresden -Neustadt)
Ostern 1897.
Dresden,
Druck von B. G. Teubner.
1897.
97. Jahresber. Nr..ö74.
Sachsen ist die Geburtsstätte der Geologie, einer Disciplin, welche zwar zu den
jüngsten Zweigen der Naturwissenschaft zählt, welche aber, in einem günstigen Zeitalter
geboren,, eine ungeahnte Entwicklung genommen hat, sodaß wir heute, 117 Jahre nach
A. Werners erstem Auftreten in Freiberg 1 ) die hochwichtigen Resultate bereits einer zweiten,
mustergiltigen geologischen Durchforschung des ganzen Königreichs als abgeschlossenes Ganzes
vor uns haben. Wenn in Freiberg, der alten Bergstadt, die Geologie das Licht der Welt
erblickte, so hat sie in unserem Dresden einen Teil ihrer Ausbildung erfahren durch eine
Anzahl begeisterter Jünger, insonderheit durch das rastlose Schaffen eines hochverdienten
Gelehrten, der noch heute zu den Veteranen der. geologischen Wissenschaft zählt, des Vor-
standes unseres geologischen Museums, Geheimrat Professor Dr. H. B. Geinitz.
Dresden! Der Name hat einen magischen Klang für den Kunstfreund, aber nicht
minder für den Geologen, denn die herrliche Umgebung ist ein Museum im großen, ein
Studienfeld, wie es nicht so leicht wieder gefunden wird. Unter der großen Zahl der
Reisenden, die hierher kommen, oft aus weiter Feme, sind nicht wenige, welche mit Hammer
und Tasche abseits von der großen Heerstraße der Vergnügungsreisenden in einsamen
Thälem und Schluchten ihre Studien machen. Wir wollen uns ihnen anschließen Es soll
im folgenden der Versuch gemacht werden, nach einem historischen Überblick über den
geologischen Bau der Dresdner Umgebung, durch Schilderung besonderer Exkursionen dazu
beizutragen, daß die Resultate der geologischen Arbeiten immer mehr Gemeingut werden
und daß die Freude über die herrliche Natur noch erhöht wird durch das Verständnis ihrer
Bildungen.
Als Grundlage für die zahlreichen und oft wiederholten Ausflüge und Untersuchungen
dienten mir die so trefflich gearbeiteten Sektionen der geologischen Spezialkarte des König-
reichs Sachsen nebst deren Erläuterungen. Ihnen fügen sich vielfach eigene Beobachtungen
und Studien an, die ich gern auf die mikroskopische Bearbeitung mancher Objekte ausgedehnt
hätte, wenn mir ein für solche Zwecke brauchbares Instrument rechtzeitig zur Verfügung
gestanden hätte.
I. Geologischer Bau der Dresdner Gegend.
Wie der Elbstrom es ist, welcher die vielgepriesene landschaftliche Schönheit der
sächsischen Residenz und ihrer reizvollen Umgebung in der Hauptsache bedingt, so hat er
auch an der Herausbildung der Oberflächenverhältnisse, an der Formung der steilen Hänge
und der sanften Böschungen in geologischer Vergangenheit einen wesentlichen Anteil gehabt.
1) 1780 hielt A. Werner die ersten geologischen Vorträge,
1 *
4
Ja noch heute ist der von Menschenhand teilweise zwischen kunstvollen Uferdämmen ein-
geengte Strom ein geologisches Werkzeug, welches nicht nur im Grunde der Wasser unab-
lässig arbeitet, sondern auch bei Hochfluten eine gewaltige Wirksamkeit entfaltet. Und wie
der Elbstrom mit seinem lebhaften Schiffsverkehr die Blicke der Reisenden auf sich zieht
und zum Verweilen auf den ihn liberspannenden Brücken nötigt, so hat er auch einst die
alten germanischen Hermunduren und, als diese, vom Strome der Völkerwanderung fort-
gerissen, seine Ufer verließen, die nachfolgenden Sorben veranlaßt, sich an ihm anzusiedeln.
„Ihnen sind die günstigen Verhältnisse nicht entgangen, welche die Stätte, die heute eine
der schönsten Städte Deutschlands trägt, schon damals zur Anlegung eines Wohnsitzes em-
pfehlen mochten.“ 1 ) Die historische und die prähistorische Wissenschaft haben uns diese
Kunde übermittelt, aber der Geolog schaut noch weiter zurück, zurück in eine Zeit, wo es
noch keine Chroniken und Urkunden gab, wo noch keine Menschen die Ufer des Stromes
bewohnten.
Das Grundgebirge des heutigen Sachsen sowohl, wie der angrenzenden Länder bilden
die Gesteine der archäischen oder Urformationen, Gneise, Glimmerschiefer und Phyllite, mit
ihren vielfachen Varietäten und Einlagerungen, die allesamt wegen des Fehlens von irgend
welchen, sicher erkennbaren organischen Resten und wegen ihrer krystaHinischen Struktur
als Erstarrungskruste des einst glutflüssigen Erdballes angesehen werden. Diese uralten Fels-
arten, an deren Bildung das Wasser vermutlich keinen oder doch nur sekundären Anteil ge-
habt hat, sind Lageänderungen ausgesetzt gewesen, die ihre Ursache in der fortschreitenden
Erkaltung des Erdsphäroids und der damit in genetischem Zusammenhänge stehenden Zu-
sammenziehung des plastischen Erdkernes gehabt haben. Wiederholt mag die starre Decke
unter dem Drucke der unter ihr angespannten Gase und Dämpfe in ein Schollenineer zer-
trümmert worden sein, welches durch das in die Klüfte und Spalten eindringende glut-
flüssige Magma wieder verbunden und gefestigt wurde. Die auf der Feste aus der wasser-
dampfschwaügeren Atmosphäre später niedergeschlagenen Wasser begannen ihr Zerstörungs-
werk an dem Urgestein und schufen jene ersten Meeressedimente des Cambrium, des Silur und
Devon, in denen das organische Leben des nur von vereinzelten Inseln und Klippen durch-
ragten Urmeeres zum ersten Male sicher in die Erscheinung tritt. Diese ältesten, echten
Schichtgesteine der paläozoischen Formationsgruppe sind in unserem Gebiet sicher in weiter
Ausdehnung zur Ausbildung gelangt, doch hat die eben beginnende Aufsattelung der starren
Schieferhülle, welche für den sich kontrahierenden Erdkern zu weit wurde, dieselben teilweise
in die Tiefe gerückt, sie dort vor einer intensiven Zerstörung durch das Wasser bewahrt und
zugleich nach dem Absatz weiterer Sedimente unseren Blicken entzogen, sodaß meist nur der
Bergbau sie uns erschließen konnte. 2 ) ' ■ - ■
Mit der Auftreibung der Urfalten des heutigen Sachsen, 3 ) die in der Emporpressung
des sogenannten erzgebirgischen Faltensystems ihren späteren Abschluß fand, sodaß dieses
heute in drei Faltenzügen mit im allgemeinen SW— NO -Streichen Sachsen durchzieht, war eine
Reihe geodynamischer Prozesse eingeleitet, die den Grundriß für die landschaftliche Kon-
1) Lindau: Geschichte der Haupt-und Residenzstadt .Dresden. 1869. Band I, S. 6.
2) R. Hausse: Profile durch das Steinkohlenbecken des Plauenschen Grundes bei Dresden (Er-
läuterungen zur geologischen Spezialkarte), S. 12, 13, 24. — Sektion Wilsdruff. S. 11.
3) G, C. Laube: Geologische Exkursionen im Thermalgebiet des nordwestlichen Böhmens. 1884, S. 7.
5
figuration unseres Gebietes schufen. Die drei damals noch unbedeutend in die Höhe ge-
rückten Gesteinswellen wurden in der Folge mehr und mehr durch Horizontalschub gehoben,
waren aber auch einer fortschreitenden Zerstörung durch die sie bedeckenden und benagenden
Fluten ausgesetzt, welche den Raub am Urgestein in den zwischen den Falten liegenden
Mulden zum Absatz brächten. Bevor aber die Sedimentation der paläozoischen Formationen
des Carbon und der Dyas in den Mulden begann, erfuhr das ganze System eine tiefgreifende
Umgestaltung und teilweise Zerrüttung durch breite Eruptivmassen, welche aus der Tiefe
gegen den starren Schiefermantel drängten, schließlich die archäischen und silurisch- devonischen
Schichten durchbrachen und als zusa mm enhängende Massive zwischen den zerrissenen Schiefern
austraten. Im südwestlichen Sachsen waren dies die Granitinseln des Eibenstocker und Kirch-
berger Massivs mit ihren Kontakthöfen, in unserer Gegend wurde besonders das Empor-
quellen von zwei solchen breiten Feldern krystallinischer Massengesteine von wesentlichem
Einfluß auf die Gestaltung des geologischen Aufbaues. 1 ) Das erste und größte Massiv ist
die ausgedehnte Granitplatte, die heute den Untergrund der sächsischen Lausitz bildet und
sich bis zum Iser- und Riesengebirge fortsetzt, 2 ) gewöhnlich das Lausitzer Massiv genannt,
das andere wird gebildet vom Meißner Hochland, einem Plateau, welches jetzt rechts- und
linkselbiseh zwischen Großenhain, Lommatzsch, Plauen bei Dresden und Klotzsche sich aus-
dehnt und aus Granit und Syenit besteht, welche beiden Gesteine durch Übergänge mitein-
ander verbunden erscheinen. Jedes dieser Massive hat peripherische Umwandlungsprodukte 3 )
aus den sibirischen Schiefern und Grauwacken sowohl, wie aus gneisigen Felsarten erzeugt
in Gestalt von Fleck-, Frucht- und Knotenschiefem und Andalusitglimmerfelsen.
Der Einbruch der beiden Massive in die Gneis- und Schieferhülle hat aber nicht
nur ansehnliche Massen derselben zertrümmert, sondern auch Schollen mit emporgehoben
und eingehüllt. Bereits- Cotta erwähnt Gneis- und Glimmerschieferfragmente im Granit
von Langebrück. 4 5 ) Auch findet sich in der als älteste Verwerfung im Lausitzer Massiv
geltenden Trennungskluft der beiden gewaltigen Gesteinsinseln zwischen Berbisdorf und
Klotzsche eine Scholle archäischen Gneises eingeklemmt neben vierzig kleineren Schollen
in dem an Depressionen reichen und mit zahlreichen Seen bedeckten Syenit der Sektion
Moritzburg. 6 ) Ebenso lagert linkselbisch zwischen Cossebaude und Gauernitz ein Gneis-
streifen, der bei dem scharfen Absetzen gegen den Syenit nur als Scholle gedeutet werden
kann. Die Trümmer der nordsächsischen Silurfalte, welche sich von Lauban in Schlesien
durch die Nordlausitz nach Oschatz (Colmberg) und Otterwisch -Leipzig verfolgen läßt, 6 )
wurden massenhaft als größere und kleinere bis kleinste Fragmente in den Lausitzer Granit
1) 0. Hermann: Die wichtigsten Resultate der neueren geologischen Spezialaufnahmen in der
Oberlausitz. Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz. Bd. XXI, S. 6.
2) 0. Hermann: Die technische Verwendung der Lausitzer Granite. Zeitschrift für praktische
Geologie. 1895, Heft 11.
3) R. Beck: Die Eontakthöfe der Granite und Syenite des Elbthalgebirges. Tschermaks Mitteil. XIH.
1892, S.290flg. Sekt. Moritzburg, S. 81, 22, 28 — 31; Sekt. Meißen , S. 40 — 69 ; Sekt. Königsbrück, S. 20 — 26;
Sekt. Bischofswerda, S. 17 — 19; Sekt. Pulsnitz, S. 18 — 31 ; Sekt. Winterberg -Tetschen , S. 20 — 22; Sekt. Czorne-
boh, S. 12, 13; Sekt. Ostritz-Bernstadt, S. 7. — Hausse: Profile u. s.w., S. 12.
4) Neues Jahrbuch f. Min. n. s. w. 1848, S. 130.
5) Sekt. Moritzburg, S. 5.
6) Sekt. Eönigsbriick, S. 4.
6
aufgenommen und kontaktmetamorphisch 1 ) verändert, sodaß sie heute als Quarzbiotitfels-,
Hornfels- und Epidothornfelsemschlüsse im Granit erscheinen.
Das breite, zwischen dem erzgebirgischen Walle und der nordsächsischen Grauwacken-
falte liegende Becken, welches durch das Aufquellen des Lausitzer Massivs wesentlich ver-
schmälert ward, erfuhr durch den keilförmig nach Südosten vordringenden Ausstrich des
Meißner Syenitrückens eine Teilung in zwei Becken, das spätere Döhlener Becken und das
Elbbassin, in denen die mächtigen Sedimente des Kotliegenden später getrennt zum Absatz
gelangten. Wenn jetzt im allgemeinen für unser Gebiet die charakteristischen Grundlinien
des Aufbaues gezeichnet sind, so sei hier noch bemerkt, daß im westlichen Sachsen zwischen
der erzgebirgischen und der mittelgebirgischen Falte, im sogenannten erzgebirgischen Becken,
das Carbon und die Dyas, besonders das Rötliegende, zur Ausbildung kamen und das
ertragreiche Lugau-Zwickauer Kohlenrevier aus der im durchwärmten, schlammigen Grunde
üppig wuchernden Flora von Bärlappen, Schachtelhalmen und Famen sich gebildet hat.
Wir werden im weiteren Verlaufe unserer Darstellungen die Verhältnisse im westlichen
Sachsen nur gelegentlieh berühren und uns in der Hauptsache auf die Dresdner Umgebung
beschränken.
Nachdem das erzgebirgische Faltensystem nach dem Durchbruch der großen Massive
einige Zeit zur Ruhe gekommen war, während welcher, um mit Naumann 2 ) zu reden, als
Nachgeburten der großartigen Granit- Syeniteruption, Gänge von feinkörnigem Granit (Aplit)
oder von pegmatitischem Gestein in die durch die Abkühlung der Felsmassen entstandenen
Schwund- und Kontraktionsklüfte injiziert worden waren, begann in der Tiefe abermals ein
Drängen gegen die starre Hülle, und eine Reihe von Durchbrüchen älterer Eruptivgesteine
erfolgte; namentlich drangen die zahlreichen Diabas- und Dioritgänge des Lausitzer Hoch-
landes in Klüften und Spalten des Granites empor. Der Gebirgsdruck, welcher im erz-
gebirgischen Schieferwall mechanische Veränderungen der Gneise in Gestalt von Streifung,
Streckung und Transversalschieferung 3 ) geschaffen hatte, hatte im Granit Pressungsklüfte er-
zeugt, die alsbald von den empordringenden Grünsteinen ausgefüllt wurden. Diese Schar von
Gesteinsgängen, deren Verbreitungsgebiet namentlich an der Grenze gegen die nordsächsische
Grauwackenformation zwischen Ortrand, Radeburg, Stölpen, Schirgiswalde, Bautzen, Königs-
wartha liegt, halt in ihrem Verlauf zumeist Lausitzer Richtung, streicht also von OSO nach
WNW. Seltener sind Gänge mit NS- Streichen. 4 5 ) Da diese Gänge von Grünsteinen auch
vielfach mechanisch verändert und zu schieferähnlichen Felsarten zerquetscht worden sind, 6 )
müssen wir eine weitere Bethätigung des Gebirgsdruckes im Lausitzer Massiv annehmen, die
sich schließlich auch auf das Meißner Hochland übertrug, neue Risse und Spalten in den alten
Massengesteinen öffnete,’ auf welchen vor und zur Zeit des Rotliegenden die Porphyre und
Porphyrite eruptiv wurden. Diese Porphyrgesteine bildeten teils Gänge, teils breiteten sie
1) Sekt. Bautzen, S. 7; Sekt. Radeberg, S. 8; Sekt. Pillnitz, S. 13; Sekt. Pulsnitz, S. 27; Sekt.
Königsbriick, S. 11.
2) Naumann: Geognosie II, 1862, S. 232.
3) Sekt. Tharandt, S. 8, 9.
4) 0. Hermann: Diabasgänge auf Klüften des Lausitzer Granites, Berichte der naturforschenden
Gesellschaft zu Leipzig. 1890, S. 91. Die Sektionen : Moritzburg, S. 44; Pulsnitz, S. 33; Bautzen, S, 12, 17;
KönigBbrück, S. 27; Bischofswerda, S. 14.
5) Sektionen: Hirschfelde -Reichenau, S. 13; Löbau-Herrnhut, S. 9.
7
sich deckenartig auf dem Untergründe aus, wie dies bei den Gneiseinsehlüsse führenden
Porphyren des Tharandter Waldes 1 ) und namentlich beim Ausbruch des Wilsdruffer Por-
phyrites der Fall war, jenes yarietätenreichen Gesteines, welches im Döhlener Becken teil-
weise die Basis und auch ferner neben erzgebirgischen Gneisen, Tharandter Porphyren u. s.w.
viel Material zur Bildung der grobstückigen Konglomerate, wie der feinsandigen Schicht-
gesteine des Rotliegenden geliefert hat. Die Eruptionsspalte dieses Porphyrgesteines, welche
vom tiefen Elbstollen .überfahren wurde, befindet sieh in der Nähe der Syenitgrenze zwischen
dem achten und neunten Lichtloche dieses Stollens. 2 3 ) Die Wilsdruff-Potschappler Porphyrit-
decbe ist ein ausgedehntes Gesteinsfeld, welches zwei Züge erkennen läßt, die bestimmend
eingewirkt haben auf den Absatz des Rotliegenden und die Gliederung des Döhlener Bassins.
Der im nördlichen Teile des elliptischen Beckens zwischen Porphyrit und Syenit eingeschaltete
Thonstein ist keine Tuffbildung, sondern fein geriebener und erhärteter Porphyritschlamm. 6 )
Das auf der Lausitzer Hochfläche entwickelte Becken von Weißig unterscheidet sich insofern
vom Döhlener Becken, als dort der Porphyrit die Bildung des Rotliegenden nicht einleitete,
sondern vielmehr mit einer Ascheneruption und einem Deckenerguß zum Abschluß brachte.
Die vulkanische Asche erhärtete zu einem Tuffgestein.
Wenn schon in der Steirikohlenzeit, aus welcher Ablagerungen im Gebiet fehlen,
die Trennung zwischen Land und Wasser eine vollständigere wurde und zur Bildung einer
Anzahl flachsumpfiger Bassins mit einer üppigen Kryptogamenflora führte, so gewinnt zur
Zeit des Rotliegenden diese Scheidung noch an Bedeutung. Wir haben es, wie im all-
gemeinen, so auch hier im Dresdner Gebiet in dem Rotliegenden mit litoralen und terrestrischen
Bildungen zu thun, und zwar zunächst, da das untere Rotliegende, welches auf dem Por-
phyrit und dem silurischen. Schiefergebirge auflagert, in der Hauptsache aus Sandsteinen und
Konglomeraten, oft von breccienartigem Charakter, besteht, mit einer Strandbildung. Diese
basalen Sedimente, besonders die Konglomerate, verraten die Anteilnahme der erzgebirgischen
Gneise, der Tharandter Porphyre, wie des Wilsdruffer Porphyrites und des Syenites an der
Zusammensetzung der durch mächtige Rollstücke charakterisierten Schichtgesteine. 4 * ) Die
untersten Schichten im Elbbassin sind gleichfalls, wie die Aufschlüsse im Zschonergrund ver-
raten, 6 ) grobstüekige, meist aus Syenitgeröllen bestehende Konglomerate. Auch die Bohrung
des artesischen Brunnens auf dem Antonsplatze in Dresden -Altstadt führte durch rotliegenden
Sandstein ca. 47 m tief in die Grundkonglomerate 6 ) hinab, während das Bohrloch auf der
Antonstrasse die wasserführenden, nach Nordost einfallenden, cretaceischen Schichten nicht
durchsank und infolgedessen anhaltend Wasser spendet.
Nach, dem Absatz dieser untersten Glieder des Rotliegenden wurden die Sedimente
dem Wasser entzogen, und es entstand auf den schlammbedeckten, sumpfigen Niederungen
wie dereinst in der Oarbonzeit, ' eine üppige Pflanzenwelt von vorzugsweise kryptogamischer
Herkunft, die, dem Untergang verfallen, zur Bildung der Kohlenflöze das Material lieferte.
Es mag hier eingefügt werden, daß die Steinkohlenbildung des Döhlener Beckens nicht zum
1) Sekt. Tharandt, S. 37.
2) Naumann -Cotta: Geognostische Beschreibung des Königreichs. Sachsen, V. Heft, S. 206, 206.
3) B. Geinitz: Geognostische Darstellung der Steinkohlenformation in Sachsen. Leipzig, 1856. S.66, 66.
4) Sekt. Kreischa, S.23, 24 ; Sekt . Tharandt, S. 49; Sekt. Wilsdruff, S. 33,34. Hausse :Profile u. s.w., S.26.
6) Sekt. Wilsdruff, S. 45, 46.
6) Sekt. Dresden, S. 95. Vgl. auch „Leipz. Ztg.“, 1836, S. 3473, 3932; „Dresdn. Anz.“ vom 30. Dez. 1806.
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Carbon, sondern zum Rotliegenden gehört und zwar aus paläontologischen Gründen. Die
Schlammdecke des sumpfigen Waldbodens finden wir erhärtet als graue, oft sandige Schiefer-
thone und graue Sandsteine wieder, in denen die uhtergegängene Pflanzenwelt als Kohlenflöz
eingebettet liegt. Die baumartigen Kryptogamen, welche vorzugsweise die Flöze zusammen-
setzen, sind Calamiten und Farne. Diese Flora war anfangs dürftig, lieferte daher unabbau-
würdige Flöze, erst später, nachdem der Boden durch Zersetzung des schlammigen Gesteins-
detritus besser bereitet war, gedieh sie üppiger uud lieferte das Hauptflöz. 1 ) Da nun
Schieferthone und graue Sandsteine mit stärkeren oder schwächeren Kohlenflözen wechsel-
lagern, wird man Hebungen und Senkungen des Grundes in mehrfachem Wechsel, ent-
sprechend der Zahl der Kohlenflöze und Zwischenmittel, annehmen müssen, um diese Ver-
hältnisse zu erklären.
Auf diesem Schichtenkomplex des unteren Rotliegenden, wie er sich im Döhlener
Becken und mit Fehlen der flözführenden Schichten auch im Elbbassin gebildet hat, ruht
das Mittelrotliegende konkordant auf, welches zunächst mit Schieferletten von bunter Färbung
beginnt. Diesen Letten sind mehrere Kalksteinflöze zwischengelagert, welche die bekannten
Saurierreste von Niederhäßlich 2 ) geliefert haben. Dann folgen in mehrfacher Wechsellagerung
Breccientuffe und Sandsteine und zu oberst abermals grobe Konglomerate, zusammengesetzt
aus Rollstücken von Wilsdruffer Porphyrit, aus Porphyren und gestreckten erzgebirgischen
Gneisen. 3 ) Diese oberen Konglomerate sind am Baekofenfelsen in der Nähe des Hainsberger
Bahnhofes sehr schön aufgeschlossen. Es hat sich demnach das Wasser, welches die Schiefer-
letten als Schlamm in der Tiefe absetzte, wieder zurückgezogen und in den groben Kon-
glomeraten die Strandbildungen seiner Flutungen zurückgelassen.
Es mag nunmehr erwähnt werden, daß das sogenannte Döhlener Becken, welches
sieh als elliptisch umgrenztes Gebiet zwischen Wilsdruff und Lungwitz in SO — NW-
Richtung ausdehnt, durch einen unterirdischen Schieferrücken, der im Spitzberg bei Possen-
dorf zu Tage tritt, und einen von Maxen her eindringenden Gneiskeil in das eigentliche
Döhlener Becken und die flözleere Hainsberg- Quohrener Nebenmulde geschieden ist. Ob
sich diese Aufsattelurig des Grundgebirges schon vorfarid zur Zeit des Absatzes des Rot-
liegenden, oder sich erst herausbildete im Zusammenhänge mit dein später zu erwähnenden
Verwerfungen im Rotliegenden, diese Frage läßt sich jedenfalls in letzterem Sinne bejahen,
da die Muldenflügel der beiden parallelen Sekundärmulden vom Thorischieferrücken nach Nord
und Süd abfallen. 4 * ) Ältere Forscher, wie Geinitz, nehmen an, daß dieser Rücken schon vor
der Sedimentation des Rotliegenden bestand und vom Porphyr emporgetrieben worden ist. 6 )
Was das Weißiger Becken anbetrifft, so ist diese Schichtengruppe dem Mittel-
rotliegenden zuzureehnen, nach Ausweis der organischen Reste. 6 ) Diese Sedimente kamen in
einem Wasserbecken zum Absatz und beginnen zu unterst mit Konglomeraten und schwarzen,
bituminösen Brandsehiefern, in denen eine reiche Flora von Landpflanzen von E. Geinitz nach-
1) B. Geinitz-. Geognostische Darstellung der Steinkohlenformation in Sachsen 1895, S. 63, 64.
2) Sekt. Tharandt, S. 53.
3) Sekt. Tharandt, S. 59.
4) Siehe Randprofil der Sekt. Kreischa.
6). B. Geinitz : Geognostische Darstellung der. Steinkohlenformation u. s. w., S. 53. Ebenso Sekt.
Tharandt, S.48, 63.
6) Sekt. Pillnitz , S. 20.
9
gewiesen wurde. Darauf folgen Arkosen, Sandsteine und Tuffe, welche schließlich von der
Porphyritdecke überlagert werden.
Nachdem in unserem Gebiet die gröbsten Unebenheiten der Oberfläche durch die
Absatzgesteine des Rotliegenden ausgeglichen waren, verschoben sich abermals die Grenzen
zwischen Land und Wasser, und das Meer einer neuen geologischen Epoche, das der Kreide-
zeit, überflutete weite Flächen des damaligen Festlandes und bedeckte auch Dresdens Um-
gebung bis hinauf zum erzgebirgischen Schieferwall. Es war, wie dies bei der Beschaffenheit
des Untergrundes nicht anders sein konnte, von -wechselnder Tiefe, auch von einzelnen Klippen
inselartig durchragt, an denen sich die Wogen brachen und die Spuren der Brandung zurück-
geblieben sind. Eine solche Klippe bildete z.B. der Kahlebusch bei Dohna. 1 2 ) Ferner wimmelte
es in diesem Meere von mächtigen Haifischen, riesigen Ammonshörnem, Muschel- und
Schneckentieren, die in dem weichen Schlamme der Tiefsee oder in dem sandigen Gestade
ihr Grab gefunden haben und uns mehr oder minder vollkommen erhalten sind. Die Ab-
sätze des Kreidemeeres waren außerordentlich mächtig und reichen bis hinauf auf den erz-
gebirgischen Hang. 8 ) Sie sind nur erklärlich, wenn die Flüsse der damaligen Periode dem
Meere reiche Zufuhr von Gesteinsschutt lieferten. Bei der weiten Ausdehnung des Kreide-
meeres müssen wir annehmen, daß das Material für die Sedimente aus den Sudeten und den
Granitgebieten der Lausitz bezogen wurde. Auch ausgedehnte Ablagerungen des Rotliegenden
scheinen zerstört worden zu sein, denn der Sandstein, das Hauptabsatzgestein der damaligen
Zeit, enthält die charakteristischen rosaroten und gelblichen Quarze. 3 )
Die Kreidebildungen waren in der Hauptsache von zweierlei Art. In der Tiefsee
schlug sich der feinere Detritus und Schlick des eingeschwemmten Gesteinsgetrümmers nieder
als weicher, plastischer Schla mm von hohem Kalkgehalt und erhärtete schließlich im Laufe
der Zeit zu dem als Pläner bekannten Gesteine. In der Flachsee, in der Nähe der Küste, wo
das sandige Material der Urflüsse zu Boden sank, wühlten die Wogen die Sedimente wieder-
holt auf, rollten die Sandkörner hin und her und rundeten so die Kanten der grusigen Ge-
steinstrümmer. Wo sich die Sandablagerungen etwas gefestigt hatten, drückte das flutende
Meer in den plastischen Grund seine Signatur in Form von Wellenfurchen, 4 * ) die uns auf den
Schichtungsfläehen mancher Sandsteine schön erhalten sind. An der Küste endlich kam das
grobe Getrümmer zum Absatz, da lagerten die großen Rollstücke im Sande eingebettet, bei
jedem Wellenschlag von unzähligen Sandkörnern bearbeitet und so mit der Zeit gerundet und
geglättet. Später hat sich dieses Gemisch von grobem Geröll und Meeressand verfestigt zu
den Konglomeraten, die wir sehr gewöhnlich als Basisschichten der cretaceisehen Sedimente
antreffen. Die Verfestigung aller dieser Meeresabsätze wurde bewirkt einmal durch den
Druck der immer neu aufgelagerten Massen und ferner mit Hilfe eines kalkigen oder thönigen
Cementes, zum Teil herstammend von zerriebenen Muschelschalen.
Wo die den Meeresgrund bildenden Gesteine Spalten und Vertiefungen aufwiesen,
hat sieh das Tierleben, vielleicht zum Schutze gegen die Brandung, zurückgezogen, und
diese Schlupfwinkel sind zu einem Massengrabe für die Einsiedlerfauna geworden. Als schöne
1) Sekt. Pirna, S. 55; Sekt. Dresden, S. 50.
2) Sekt. Preiberg, S. 3, 31 — 50; Sekt. Tharandt, S.2,64; Sekt. Berggießhübel , S. 76. — A.Hettner:
Gebirgsbau n. s.w. der sächsischen Schweiz, S. 259.
3) Isisberichte 1896, S. 78.
4) Sekt. Großer Winterberg-Tetschen, S. 29.
1897. Jahreaber. Nr. 674.
2
10
Beispiele sind hier zu nennen die Musehelbreccien und Muschelfelsen 1 ) am rechten Gehänge
des Plauenschen Grundes, ebenso die Descensionsgänge von Pläner im Syenit des linken
Gehänges dieses hochinteressanten Thalgrundes. An den Küsten oder in deren Nähe ge-
langten auch Blätter und Treibholzreste 2 ) in den sandigen Grund und lieferten so die an
Pflanzenresten so reichen Niederschönaer Schichten oder die Stufe der Crednerien.
Ehe wir weiter auf die Gliederung der cretaceischen Sedimente eingehen, sei noch-
mals betont, daß die feinkörnigen Pläner, die ihren Namen vom Dorfe Plauen haben, sich
nur in der Tiefsee gebildet haben können, sodaß also unsere nähere Dresdner Umgebung, wo
der Pläner das vorherrschende Sediment jener Periode ist, einst von dem tiefen Meere der
Kreidezeit bedeckt war. Nach dem Erzgebirge zu gehen die Pläner in Plänersandstein und
endlich in echten Sandstein über, da das Meer nach dieser Richtung hin flacher wurde.' In
der weiteren Dresdner Umgebung lag nach der heutigen sächsischen Schweiz zu Flachsee.
Es kam hier vornehmlich zur Sandsteinbildung, und die für die Wasserführung des Sand-
steines so wichtigen Pläner spielen nur eine untergeordnete Rolle. Zwischengeschaltet den
mächtigen Sandsteinsedimenten markieren sie Ruhepausen im Absatz, während welcher die
feine Trübe des Wassers auf dem sandigen Grunde sieh als Schlammschicht niederschlug, die
sich später zu Pläner oder Mergel umbildete. Diese Pläner- und Mergelschichten sind nicht nur
als Zwischenmittel von Bedeutung, sondern erleichtern namentlich die Gliederung des Quaders
und bieten schließlich ein bequemes Mittel zur Erkennung gleicher Horizonte weit von-
einander liegender Ablagerungen, in Gemeinschaft mit den Spuren des Tierlebens, die uns
im starren Gestein entgegentreten.
Was nun die Gliederung der sächsischen Kreideformation, oder, wie sie nach dem
Hauptgestein gewöhnlich genannt wird, der Quadersandsteinformation anbetrifft, so finden
wir als cenomane Ablagerungen die sogenannten Grundkonglomerate und die Crednerien-
schichten und darüber den Unterquader, beziehentlich Unterpläner, nach dem Leitfossil
(Ostrea carinata Lam.) Carinatensandstein oder Carinatenpläner genannt. Diese Carinatenstufe
wird von dem sie überlagernden, zum Turon gehörigen Mittelquader (Mittelpläner) sehr ge-
wöhnlich durch eine Mergel- oder Thonschicht getrennt, welche als Leitschicht bei der Identi-
fizierung gleicher Horizonte von großer Wichtigkeit ist. Das über dieser Leitschicht lagernde
Gestein wird nach der Leitmuschel Inoceramus labiatus Sehloth. Labiatusquader oder -Pläner
benannt. In Dresdens näherer Umgebung folgt auf den Labiatuspläner ein Mergel mit zum
Teil abgebauten Kalksteineinlagerungen, charakterisiert durch Inoceramus Bröngniarti Sow.,
der Brongniartimergel (Strehlener Schichten), während in der sächsischen Schweiz im all-
gemeinen eine Mergelschicht den Labiatusquader von dem ihn überlagernden und das Haupt-
gestein der wilden Felslandschaft bildenden Oberquader oder Brongniartiquader scheidet. In
der Nachbarschaft von Pirna endlich folgt auf den Oberquader noch die Mergelsehicht der
Scaphiten 3 4 ) und darüber der oberste Quader, der aber wegen zu geringer Verbreitung und
wegen des Fehlens charakteristischer Fossilien nicht als selbständiges Glied aufgefaßt wird.
In der Umgebung von Tetschen 1 ) folgt auf den Scaphitenmergel der Cuvierimergel mit Inoce-
ramus Cuvieri Sow. Die oberste Kreide, das Senon, wie wir solches als Schreibkreide auf
1) B. Geinitz: Elbthalgebirge I, S. 10 — 13; Sekt. Dresden, S. 47 — 50.
2) B. Geinitz: Geognostisehe Darstellung der Steinkohlenformation in Sachsen, S. 3,
3) Sekt. Pirna, S. 73, 74; Sekt. Königstein, S. 15.
4) Sekt. Tetsohen, S. 23, 38,
11
Rügen finden, ist in Sachsen nicht zum Absatz gelangt, ein Beweis dafür, daß das Kreide-
meer sich wieder zurückgezogen und den mächtigen Schichtenkomplex seiner Sedimente als
jungfräuliches Festland zurückgelassen hat. ' Als weit ausgedehnte, fast vollkommen hori-
zontale oder nur flach muldenförmig vertiefte Hochfläche entstieg dieses den Fluten, um als-
bald tiefgreifende Veränderungen durch die nie ruhenden schöpferischen Kräfte in der Tiefe
sowohl, wie durch die erodierend einsetzenden fließenden Gewässer zu erfahren.
Noch immer nicht war das erzgebirgische Faltensystem zur Ruhe gekommen. Die
Spannungen im Grundgebirge, vermehrt durch den Druck der auflastenden Gesteinsmassen,
fanden ihre Auslösung in Rückungen und Zuckungen im Schieferwall, der langsam aber
stetig weiter in die Höhe getrieben wurde. Die auf dem Nordostflügel der erzgebirgisehen
Hauptfalte aufgelagerten Kreidesedimente wurden an ihrer randlichen Zone langsam mit
emporgehoben, und .es entstanden durch diesen Hub Risse und Sprünge in der Quaderplatte
als erste Anlage der Gesteinsklüfte oder Lose, die heute den Steinbruchsbetrieb in der säch-
sischen Schweiz so wesentlich erleichtern. Auch auf das in das Schiefergebirge eingefügte
Granitmassiv der Lausitz übertrugen sich diese lang andauernden und als Gebirgsdruek sich
äußernden Spannungen und führten zu Veränderungen des Granits in der Umgebung der
Klüfte und Spalten der Felsart. Diese Alterationen des Granites sollen später besprochen
werden, wenn sie eine größere Bedeutung gewinnen als jetzt, wo dieselben erst einsetzen.
Die Wasser, welche auf der Sandsteinhochfläche sich sammelten, erhielten durch die leichte
Aufbiegung des Südstückes vom Quadergebirge einmal und durch die nördlich gelegene
Lausitzer Hochfläche zum andern eine nordwestliche Abflußrichtung angewiesen nach dem
weiter und weiter nordwärts zurückweichenden Kreidemeere zu. Schon jetzt mag dieser
Wasserabfluß unbedenklich Urelbe genannt werden.
Zeiten der Ruhe wechselten mit Perioden stärkerer Bewegung im Schieferwall.
Immer kräftiger wurde der von Süden kommende Horizontalschub, der die Hauptfalte mehr
und mehr in die Höhe preßte und die Zahl der Klüfte und Risse im Quadergebirge ver-
mehrte, bis endlich mit einem letzten, nachhaltigen Ruck die Falte energisch aufgetrieben
wurde und an der Stelle der stärksten Spannung nordwärts vom Faltenrücken ein klaffender
Riß entstand, der dem jetzigen Südrande des Lausitzer Plateaus etwa parallel das ganze
Sandsteingebiet von- SO nach NW durchzog. Mit dieser Längsspalte war das spätere Elb-
thal vorgezeichnet. 1 ) Aber auch auf die Lausitzer Granitmasse wirkte diese letzte Auf-
treibung des Erzgebirges. In unserem Gebiete erfolgte ein Bruch derselben ebenfalls in der
Richtung des späteren Elbthales, die nördliche Scholle hob sich ein wenig, während das
südliche Bruchstück mit den auflagernden paläozoischen und cretaceischen Schichten in die
Tiefe ging und so den elbthalgebirgi sehen Hang mit seinen jetzt flach nach Nordost ein-
fallenden Pläner- und Sandsteinschiehten bildete. Damit war der Dresdner Elbthalkessel ge-
schaffen, in dem die Elbe später ihre gewaltigen Schottermassen zum Absatz brachte. Diese,
das Granitgebirge der Lausitz gegen den Quader absetzende Spalte ist aber nicht nur im
Dresdner Elbthal, wo sie den Steilrand des Lausitzer Plateaus schuf, vorhanden, sie setzt sich
vielmehr unter dem Namen der großen Lausitzer Hauptverwerfung 2 ) fort von Oberau
bei Meißen über Hohnstein, Khaa bis zum Jeschkengebirge, mit zweimaliger Einwinkelung
bez. Hakenbildung bei Klotzsche und bei Dittersbach.
1) Sekt. Meißen, S. 3. 2) Sekt. Dresden, S. 3 ; v. Gutbier: Skizzen aus der sächsischen Schweiz, S. 64.
2 * ’
12
Der die Basis des Quadergebirges sowohl, wie des sogenannten 'Elbthalgebirges
bildende Granit, der durch die Lausitzer Dislokation in die Tiefe gezogen wurde, stößt an
verschiedenen Stellen hervor oder kündet sein ‘Vorhandensein im Untergründe durch Frag-
mente in solchen Eruptivgesteinen an, die ihn durchbrochen haben. So kommt er an die
Oberfläche im Gamighübel bei' Torna, 1 ) ferner' in einer Reihe von Aufbrüchen bei Kauscha,
Söbrigen, Bosenitz, Gorknitz, im Müglitzthal und zwischen Neuseidewitz und Dohna. Auf
Sektion Tetschen steht das Granitgestein wieder an im Adalbertfelsen bei Niedergrund, 2 ) wo
es sogar infolge des Gebirgsdruckes gneisige Struktur angenommen hat und von einem
Schieferkontakthof umgeben ist. Die Grenzlinie dieses linkselbischen Lausitzer Granites gegen
den erzgebirgischen Schiefer scheint annähernd geradlinig von Weesenstein nach Obergrund
zu verlaufen, während ihn mit dein Syenit des Meißner Massivs, der bei Burgstädtel und
Tronitz 3 ) seine östlichsten. Vorposten zeigt, Gesteiüsubergänge verbinden. In Form von Ein-
schlüssen findet sich der Lausitzer Granit im Basalte des großen 4 ) und kleinen Winterberges
und in dem des Pinzenberges. 6 ) Eine Folge des Absinkens des südlichen Bruchstückes der
Lausitzer Granitplatte ist das flache Einfallen der Quaderschichten nach NO linkselbisch,
wie solches auf Sektion Rosenthal und Tetschen zum Ausdruck kommt und besonders augen-
fällig im Hirschgrund bei Schöna in die Erscheinung tritt. Rechtselbiseh lagern die Quader-
schichten, abgesehen von kleinen lokalen Störungen, 6 ) völlig horizontal.
Es sind jedoch die Lagerungsstörungen, welche die Lausitzer Verwerfung mit sich
brachte, noch nicht erschöpft. Es wurde vielmehr weiter der Bruchrand des nördlichen
Schollenstückes, bei dieser intensiven Verschiebung der Bruchstücke in der Vertikalrichtung,
mehrfach über die angrenzenden cretaceischen Schichten hinübergeschoben, diese selbst
wurden stellenweise zerquetscht und zerdrückt 7 ) und sogar die Eingeweide der Erde in Ge-
stalt der tiefer liegenden Jurasedimente mit emporgezogen, sodaß an solchen Stellen der
ältere Granit oder Syenit über die jüngeren Schichten zu liegen kam. Klassische Stellen, an
denen sich diese Störungen studieren ließen oder noch sichtbar sind, sind Saupsdorf, 8 )
Hohnstein, 9 ) Weinböhla 10 ) und bis zu gewissem Grade Kleingraupe. 11 ) Im Meißner Massiv
äußerten sich diese Bewegungen in dem lokalen Empordrängen des syenitischen Grund-
gebirges samt dem Gneisschollenrest links vom heutigen Elbthäl, sodaß die Plänerbedeckung,
welche auf den Syenit früher Übergriff, von dem aufsteigenden Gesteinsrücken abglitt und
niedersank, die Grabensenkung zwischen Cossebaude und Weinböhla und. die Plänerterrasse
zwischen Kemnitz und Gauernitz schaffend. 12 )
In ähnlicher Weise glitt, infolge einer das erzgebirgische Gneisterrain durchsetzenden
Verwerfung, die als Wendischcar sdorfer Dislokation 18 ) von Groß-Ölsa über Wendischcarsdorf
nach Hermsdorf am Südrande des Döhlener Bassins entlang streicht, der Gneisuntergrund
mit seiner Cenomanbedeckung in die Tiefe, sodaß die auf dem nunmehr wallartig auf-
steigenden Rotliegenden verstreuten Residua der denudierten Quaderdecke jetzt höher liegen
als das erzgebirgische Gneis- Quaderareal.
1) Sekt. Dresden, S. 24; Sekt. Kreischa, S.47, 48. Sekt. Pirna, S. 14. 2) Sekt. Tetschen, S. 3, 16;
v. Gutbier: Skizzen u. s. w., S. 76, 77. 3) Sekt. Kreischa, S. 49. 4) Sekt. Sebnitz, S. 1, 34; v. Gutbier:
Skizzen, S. 40. 6) v. Gutbier: Skizzen, S.43. 6) Sekt. Königstein, S. 16. 7) Sekt. Pillnitz, S. 41.
8) Sekt. Sebnitz, S. 2, 29 — 33. 9) Sekt. Königstein, S. 25 — 35. 10) Sekt. Kötzschenbroda, S. 44, 45.
11) Sekt. Pillnitz, S. 40 — 42. 12) A, Hettner: Gebirgsbau und Oberflächengestaltung der sächsischen
Schweiz, S. 280; Sekt. Wilsdruff, S. 54, 55; v. Gutbier: Skizzen, S. 64. 13) Sekt. Kreischa, S. 79, 80.
13
Im Becken von Döhlen selbst -wurden , da das muldenförmig eingesenkte Grund-
gebirge in der randlichen Zone an den Bewegungen des Sehieferwalles teilnahm, Ver-
werfungen erzeugt, die in der Richtung der Längserstreckung des Beckens als Spaltenzüge
mit samt und sonders nordöstwärts gerichtetem Einfallen sich offenbarten und heute als die
Verwerfung des „roten Ochsen“, als Carolasehachter- und Beekerschachter -Verwerfung 1 ) dem
Kohlenbergbau manche Schwierigkeiten bereiten. Da gleichzeitig der sibirische Schiefer-
rücken in der Medianlinie des Beckens etwas aufwärts rüekte 2 ) und ebenso der Porphyritzug
von Wilsdruff aufgetrieben wurde, so wurde das ganze Bassin nunmehr schärfer in die
Hainsberg -Quohrener Nebenmulde, das eigentliche Döhlener Becken und die Pesterwitzer
Nebenmulde zerlegt. Beim Absinken der durch den roten Ochsen abgeschnittenen Pester-
witzer Sekundärmulde erzeugte der Porphyrit an der Syenitgrenze eine Reibungsbreccie.
Gleichfalls in diese Zeit ausgiebiger Bewegungen im Grundgebirge fiel vermutlich
die Aufreißung der klaffenden Spalte des heutigen Plauenschen Grundes, der den Meißner
Syenitkeil quer nordwärts durchzieht. Geinitz 8 ) macht für die Entstehung dieses charakte-
ristischen Spaltenthaies die aufdringenden Basalt- und Melaphyrgänge verantwortlich, während
doch wohl die gewaltigen Pressungen und Zerrungen, welche mit der Aufklappung des Erz-
gebirges verbünden waren, viel eher geeignet erscheinen, die so interessante Thalbildung zu
erklären. Nachdem der tiefe Riß im Syenitgebirge entstanden war, konnten die vom Erz-
gebirge nordwärts abfließenden Wasser das Rotliegende erodieren und das Urweißeritzthal
herausbilden.
Am ausgiebigsten aber waren alle diese Wirkungen der gebirgsbildenden Kräfte im
erzgebirgischen Schieferwall selbst. Die hoch aufgewölbte Palte barst auf der Kammhöhe,
und. der Südflügel glitt in Staffelbrüchen mit einem Teile der nordböhmischen Kreide-
ablagerüngen und den daselbst bereits gebildeten Tertiärschichten in die Tiefe. So entstand
einmal der Steilabfall des Erzgebirges gegen Süd und zugleich der böhmische Kessel und
die böhmische Thermalspalte, 4 ) die heute noch mit ihren heißen Quellen den tief in die Erd-
kruste hinabreichenden Riß markiert. Die Kreideablagerungen des erzgebirgischen Hanges,
die nicht mit absanken, gerieten aber in eine nach Süd geneigte Lage, wie dies bei Tetschen
und Bodenbach in der Nähe der Bruchlinie wiederholt, besonders schön aber an der Schäfer-
wand zu beobachten ist. 6 )
Die Haupterhebung des erzgebirgischen Walles, welche zum Faltenbruch führte,
fallt, wie aus der Beteiligung bez. Nichtbeteiligung der nordböhmischen Tertiärschichten her-
vorgeht, ohne Zweifel in den Beginn der Tertiärzeit, nach Hettner ins Eocän.
Am Lausitzer Massiv, welches von den mit der Erhebung des Erzgebirges im Zu-
sammenhänge stehenden Bewegungen wiederholt in Mitleidenschaft gezogen worden ist, ging
auch diese erneute, energische Bethätigung der gebirgsbildenden Kräfte nicht spurlos vor-
über, sondern bewirkte einmal vielfache Aufreißungen der Granitmasse und ferner gewaltige
Pressungen, Quetschungen und Zermalmungen des von Spalten durchsetzten Gesteines.
Spiegelnde Gleitflächen und Harnische verraten noch heute die ausgiebigen Verschiebungen
der Bergstücke, und die dadurch deformierten Granitmassen, von der Landesuntersuchung
treffend als Zermalmungsprodukte 6 ) bezeichnet, reden dieselbe Sprache. Die Klüfte und
1 ) Hausse: Profile, S. 64, 55. 2) Sekt. Tharandt, S. 63. 3) B. Geinitz: Geognostische Darstellung
der Steinkohlenformation in Sachsen, S. 72; Elbthalgehirge I, S. 7, 8. 4) G. C. Laube: Exkursionen u.s.w.,
S. 4. 5) Sekt. Tetschen, S. 63, 54. , 6) Sekt. Moritzburg, S. 43.
14
Spalten, welche das Granitmassiv nicht nur in der randliehen Zone, sondern auch vielfach
im Innern durchsetzten, wurden in der Folge zumeist von Quarzgängen, zuweilen durchsetzt
von Erzimprägnationen 1 * ), ausgefällt und treten bei einer Mächtigkeit von oft mehr als 100 m
nicht selten riffartig im Terrain' hervor. Ihr Streichen ist meist ein solches in Lausitzer
Richtung 5 ) von WNW nach OSO, wie dies bei den Griinsteingängen schon der Fall war.
(Siehe Tafel I.) '
Im Gefolge des erzgebirgischen Fältenbruches' erschienen auch im nördlichen Böhmen
die Basalt- und Phonolitheruptionen, die das böhmische Mittelgebirge aufhauten und den mit
Wasser angefüllten böhmischen Kessel zum Überlaufen brachten, sodaß die Fluten nordwärts
über den Bruchrand der Quaderplatte abflossen. Damit begann die eigentliche Erosion des
Quadergebirges-, welches in langen Zeiträumen in isolierte Felskegel, geschieden durch breite
Ebenheiten, zerlegt wurde. Ehe wir jedoch auf diesen langdauernden und noch heute fort-
gesetzten Prozeß näher eingehen, sei daran erinnert, daß infolge der Aufrichtung des Erz-
gebirges, welche in den verschiedenen Phasen ihres Fortschrittes durch alle Formationen hin-
durch Spuren hinterlassen hat, das Quadergebirge von zahllosen Klüften durchsetzt wurde,
welche von der Urelbe und ihren seitlichen Zuflüssen benutzt und zu den zahlreichen Gründen
und schluehtenartigen Thälern erweitert wurden, welche der zerrissenen Felslandschaft der
sächsischen Schweiz ihren wildromantischen Charakter verleihen. Die Klüfte sind keine
Kontraktiönserseheinungen, als welche sie noch v. Gutbier 3 ) ansah, sie entstanden mit der
Lausitzer Dislokation und der Auffaltung des erzgebirgischen Schieferwalles. Die breiteren
dieser Risse und Spalten wurden vom Wasser erweitert, die feineren Risse und Haarspalten
bildeten sich jedoch mehr und mehr zu den sogenannten Losen heraus und erzeugten im
Verein mit den horizontalen Schichtenfugen die „geognostischen Würfel“ v. Gutbiers. 4 ) Durch
die gründlichen Arbeiten der geologischen Landesuntersuchung, insonderheit durch die plan-
mäßig durchgeführten Kompaßmessungen von R. Beek, wurde weiter nachgewiesen, daß die
Lose sowohl wie die zahlreichen Schluchten und Thalgründe meist nach zwei Himmels-
richtungen orientiert sind, nämlich entweder in Lausitzer Richtung oder etwa senkreeht dazu
in erzgebirgischer Direktion. 6 ) (Siehe Tafel I.) Ein schönes Beispiel, an dem der Verlauf dieser
zu Klüften erweiterten Urspalten in beiderlei Richtung zu beobachten ist, bietet der schon
von v. Gutbier zu diesem Zwecke untersuchte Gohrischstein. G j Ebenso zeigt das Schluchten-
system des Uttewalder Grundes die zwei Hauptkluftrichtungen, und zwar der Uttewalder
Grund selbst die erzgebirgische, die in ihn einmündenden Seitenschluchten die Lausitzer
Richtung. Die Thatsache, daß neben den Hauptkluftriehtungen sich bisweilen im Quader
anders orientierte Spaltenzüge einstellen 7 ), vermag die Ansicht von der Entstehung dieser
Klüfte ebensowenig zu beeinflussen, wie der Umstand, daß auch ganz abnorme Zerklüftungen
Vorkommen, namentlich im Gebiet der erzgebirgischen Bruchzone. Auch im Erzgebirge selbst
herrschen zwei Kluftsysteme von gleicher Orientierung wie im Quadergebirge, und zwar sind
es daselbst meist Quarzporphyrgänge, 8 ) welche dieselben wieder geschlossen haben.
1) Sekt. Bautzen, S. 20; Sekt. Radeberg, S. 26. 2) Sektionen Bischofswerda, S. ,14, 17; Czomeboh,
S. 11; Pulsnitz, S: 13, 16; Radeberg, S. 26 — 27 ; Rumburg- Seifhennersdorf, S. 7; Löbau, S.8; Bautzen, S. 18, 20;
Moritzburg, S. 36— 44 und andere. 3) v. Gutbier: Skizzen, S. 27; Sekt. Pirna, S. 76. 4) v. Gutbier:
Skizzen, S. 29. 6) Sektionen Dresden, S. 62; Pirna, S. 76; Kömgstein, S. 16 — 19; Rosenthal, S. 41; Berg-
gießhübel, S.78; Tetschen, S. 41, 45; Tharandt, S. 74; Kreischa, S. 82. 6) v. Gutbier: Skizzen, S. 31;
Sekt. Königstein, S. 19. 7) Sekt. Sebnitz, .S. 20 — 24. 8) Sekt. Berggießhübel, S. : 40, 78. "
15
Alle diese ausgiebigen Bewegungen und Veränderungen in der erzgebirgischen
Provinz fallen in die Tertiärzeit , in eine Entwickelungsepoche unseres Planeten, in welcher
die Herausbildung der heutigen Kontinente ihren leisen Anfang nahm. Das Meer bedeckte
zunächst noch weite Flächen des Bodens, aber durch Hebung desselben entstand Flachsee,
und weiter eine Reihe von Binnenseen und Lagunen, in denen und an denen alsbald eine
subtropische Vegetation Posto faßte, nachdem sandige Meeressedimente den Boden bereitet
und die Flüsse der Festländer reiche Massen von Schlamm zum Absatz gebracht hatten.
Das Tertiärmeer , welches sich quer durch Norddeutschland von Belgien bis weit hinaus nach
dem heutigen Rußland erstreckte, drang in zwei Buchten weit südlich vor, in der säehsisch-
thüringischen und in der schlesischen Bücht. Hier kam es zunächst zum Absatz mariner
Schichten, bis endlich breite Gebiete des Untergrundes dem Meere entzogen wurden und die
weitere Sedimentation in den Süßwasserlagunen des Festlandes erfolgte. Die Süßwasser-
bildung jener Zeit fassen die Geologen zusammen mit dem Namen Braunköhlenformation.
Während in der sächsisch -thüringischen Bucht in Sachsen, z. B. bei Leipzig, die marinen
Schichten des Mitteloligocän 1 ) den lakustrischen Schichten als Meeressande und Septarien-
thone zwischengeschältet sind, hat in unserem Gebiet sich nur die Süßwasserbildung des
Oligocän vollzogen. Es läßt sich annehmen, daß diese Schichtengruppe und speziell die als
Oligocän und Miocän bezeichneten Stufen des Tertiär das Lausitzer Plateau und auch das
Meißner Hochland als ausgedehnte Ablagerungen bedeckt haben, doch sind dieselben durch
die diluvialen Gewässer zumeist stark denudiert worden. Im Gebiet der Sektion Meißen,
zwischen Kasehke Und Löthain, 2 ) ist die Formation in einer Mächtigkeit von 56 m erhalten
geblieben. Die hochentwickelte keramische Industrie von Meißen 3 ) verwertet neben der als
Verwitterungsprodukt des Dobritzer Porphyres auftretenden Porzellanerde namentlich die z.T.
hochfeuerfesten, durch speckige Beschaffenheit und große Reinheit sich auszeichnenden Glas-
hafenthone der Löthainer Thonwerke von Rühle. Auch die im Hangenden dieses wertvollen
Materials auftretenden bituminösen, von Kohlenteilchen schwarz gefärbten Thone, welche
fast weiß brennen, finden zweckentsprechende Verwendung. Im Liegenden der abbauwürdigen
Thone durchteufte der etwa 55 m tiefe Brunnen des Rittergutes Löthain ein Braunkohlenflöz. 4 )
Die übrigen Reste der Braunköhlenformation verteilen sich auf die Sektionen der
Lausitzer Hochfläche 5 ) und gehören zumeist ebenfalls zum Oligocän. Sie bestehen aus Sanden
und Thonen mit den charakteristischen Knollensteinen, die z. B. die letzten Überbleibsel der
ganzen Bildung mehrfach darstellen. Wo es zur Flözbildung gekommen ist, haben Nadelhölzer
das Material geliefert, in der Umgebung von Dresden ausnahmslos Cupressoxylon protolarix
Göpp. 6 ) In den die Ablagerung begleitenden Thonen stellen sich Blattabdrücke von Laub-
hölzern ein. Erwähnt sei noch, daß das böhmische Tertiärbecken als Basis die Pläner- und
Sandsteinschichten der Kreidezeit besitzt 7 ) und daß durch die basaltischen Eruptionen mehrere
isolierte Becken geschaffen worden sind. : Die Basalte haben die älteren Tertiärschichten,
besonders den Braunkohlensandstein durchbrochen und überlagern ihn. Darüber folgen Thone,
dann das Flöz, schließlich Letten, Komgloinerate und der gefährliche Schwimmsand. Die
1) Sekt. Leipzig,. S. 9 u. 10. Vergl. auch die Profile durch den Boden Leipzigs, 2) Sekt. Meißen,
S. 113. 3) Führer durch Meißen und seine Umgehung, herausgegeben vom Verein zur Hebung deB
Fremdenverkehrs, S. 61 u. 67. 4) Sekt. Meißen, S. 113. 6) Sekt. Kötzschenbroda, S. 46, 47; Moritzburg,
S. 46 — 49; Königabrück, S. 28, 29; Bautzen, S. 20 — 23; Czorneboh, S. 18; Bischofswerda, S. 27; Zittan,
S. 2, 29. 6) Sekt. Moritzburg, 47; Sekt. Zittau, S. 29. 7) Laube, Exkursionen, S, 20, .39.
16
Eruption der im Quadersandstein auch der sächsischen .--Schweiz 'aufsetzenden Basalte fällt
ebenfalls in die Tertiärzeit, vermutlich in eine Periode, während welcher die Sedimentation
der SüßwaBsergebilde auf dem von Binnenseen. ; und .Lagunen durchzogenen Küstengebiete des
dem Meere entstiegenen Festlandes bereits im Crange war. '
Gagen Ende der Terti'ärzeit änderten sich die klimatischen. Verhältnisse des europä-
ischen Festlandes allmählich derart, daß das arktische Eis als . gewaltige Inlandeismasse sich
weiter und weiter nach Süden vorschob, die mächtigen Ereidebildungen der Ostsee bis auf
dürftige Reste (Rügen, Möen u.s.w.) rasierte, Feuersteine und Gesteinsfragmente des Unter-
grundes mit südwärts schleppend, während auf dem Rücken der vörsehreitenden Eisfelder
das nordische Felsgetrümmer der Moränen verfrachtet: Wurde. Bis heran an den Fuß
des Erzgebirges schob sich, tierisches und pflanzliches Leben verdrängend, die starre Eis-
decke der sogenannten Diluvialzeit. Schon vor der Vereisung hatten sich auf den Hoch-
flächen zu beiden Seiten der Urelbe die präglacialen Schotter gebildet, die nur einheimisches
Material enthalten, z.' B. auf Sektion Moritzburg 1 ) massenhaft weiße Quarze und Gerolle
von Braunkohlenquarzit. Von der eisigen Last wurden die Schotterbänke teilweise zerstört, aber
auch , das Gestein im Untergründe öfter zerdrückt und die Fragmente vom Eise mitgeschleppt.
Wo der felsige Boden widerstandsfähiger war, wurden die; Unebenheiten abgesehliffen, und
es kam zur Bildung der Rundhöcker. Auf glattgeschliffenen Gesteinsflächen ritzten im Eise
eingefrorene Felstrümmer Striemen und Schrammen ' ein, . die man : allerwärts im nord-
deutschen Tieflande bis herein nach Sachsen auf anstehendem Gestein hat nachweisen
können. Im Untergründe der Eismasse bildete sich aus dem -schlammigen Detritus zer-
riebener und verwitterter Felsarten und den verschleppten Gesteinsfragmenten die sogenannte
Grundmoräne, die nach dem Abschmelzen des Eises von' den Schmelzwassem entweder
zu Schotter und Kies aufgearbeitet oder als Geschiebelehm mehr oder minder unverändert
zurückgelassen wurde. Die von der Erosion später stark mitgenommene Geschiebelehm-
bedeckung, aus einem kratzigen, mehr oder minder kalkr eichen, zähen Lehm mit einem
reichen Gehalt nordischer, z. T. baltischer Gesteine bestehend, lagert jetzt linkselbisch
in isolierten Fetzen auf dem Pläner des elbthalgebirgischen Hanges, ist aber, nach oben
zu meist durch die Wasser in Gehängelehm, z. T. : von . lößartigem Charakter, umgebildet
worden. Das grobe Bloekwerk der Eisdecke finden wir als erratische Blöcke im Gebiet
verstreut. ' ’ ’ . „
Der Urelbe und ihren Nebenflüssen fiel neben dem. Einsägen ihres Bettes m das
Quadergebirge auch noch der Transport der Verwitterungs-; und Zerstörungsprodukte der
Diluvialbedeekung zu,, sodass es in dieser Zeit zu mächtigen Flußschptterabsätzen kam-.
Diese altdiluvialen Schotter lagern in der Nähe: des Randes der Hochflächen des Quader-
gebirges als Zeugen dafür, daß die Elbe einst .thatsächlich in diesem höheren Niveau geflossen
ist. Das Material dieser Schotter ist meist ein gemischtes, setzt sich also zusammen aus
den vom Wasserlauf oder dessen Nebenflüssen eingeschwemmten, elbfhalgebirgischen oder
böhmischen Flußgeschieben und den aus den erodierten Diluvialablagerungen stammenden,
nordischen Gesteinsfragmenten. Auch die in den Hauptstrom einmündenden Seitenzuflüsse
haben auf den Hochflächen ihrer Thalränder Schotterterrassen gebildet, deren Niveau dem
der Schotterbänke des Hauptstromes entspricht. . ’ , '
1) Sekt. Moritzburg, S. 50.
17
Die altdiluvialen Schotter des Elbstromes erscheinen in der Nähe des Belvedere bei
Elbleiten 1 ) 150 — 170 m, im Gebiete der Sektion Sebnitz 2 ) 115 m über dem heutigen Elb-
Spiegel. Auf Sektion Pirna 8 ) befinden sich diese Schotter noch 130 m über der heutigen Elbe,
und Sektion Dresden 1 ) weist solche auf den Hochflächen westlich vom Elbthal auf in einer
Höhe von 45 — •195 m. Bei Cunnersdorf 5 ) haben diese altdiluvialen Geschiebebänke südlich
von dem heutigen Elblauf eine so eigenartige Verbreitung, daß man auf die Existenz eines
alten, diluvialen Elbarmes schließen mußte, der vermutlich in westnordwestlicher Richtung
dieses Gebiet durchströmte. Ebenso hat man Grund, zu vermuten, daß die Urelbe einmal
nördlich vom Lilienstein'in einer bei Prossen beginnenden, durch alte Schotterreste angedeuteten
und schon von v. Gutbier 8 ) erwähnten Rinne nach Weißig und Pötzscha zu geflossen ist, um
dort in der Richtung des Thaies der alten Poste über die Copitzer, von mächtigen altdiluvialen
Schottern bedeckte Ebenheit in die heutige Laufrichtung einzulenken. Mit der Austiefung
des Strombettes ging aber eine Verschmälerung des Wasserlaufes vor sich, und die. Schotter-
bänke rückten als Thalstufen immer weiter dem Strome zu, indem die Neubildungen zugleich
in ein tieferes Niveau gelangten, sodaß wir heute, wo das Strombett canonartig im Quader
eingeschnitten ist, verschiedenaltrige Schotterterrassen in verschiedener Höhe über dem Elb-
spiegel finden.
Ehe wir nun auf die Bildung des Thaldiluviums eingehen, sei zunächst noch darauf
hingewiesen, daß die Ebenheiten und Hochflächen der denudierten Quaderplatte von dem
breitfließenden Urstrome mit eigentümlich sandigen, bisweilen an der Basis thonigen Lehmen
überzogen wurden, die in landwirtschaftlicher Hinsicht für das sonst sterile. Sandsteinplateau
von Bedeutung sind. Lokal hat die Urelbe mit dieser lehmigen Flußtrübe selbst ihre alt-
diluvialen Schotter' überdeckt. 7 )' Diese ebenfalls altdiluvialen Lehme, in denen v. Gutbier
Reste von Elephas primigenius Blumenb. und Cervus Guettardi L. fand 8 ), sind namentlich
entwickelt iih Quadersandsteingebiet 9 ), im Elbthalgebirge werden sie vertreten durch die
Gehängelehme, die wir als Aufarbeitungs- und Sehlämmungsprodukte der Geschiebelehm-
bedeckung anzusehen haben, die auch ihrerseits altdiluviale Schotter überlagern.
Auf der Lausitzer Hochfläche, soweit sie von den Fluten des diluvialen Elbstromes
bedeckt wurde, kamen besonders in Dresdens Umgebung die sogenannten Heidesande zum
Absatz, deren sedimentärer Ursprung durch eine ausgezeichnete Schichtung verraten wird.
Das Material derselben lieferten einmal das Quadersandsteingebiet und ferner die granitischen
Gesteine des Untergrundes im Vereine mit dem von der Elbe weit her transportierten, feineren
Felsgetrümmer. Als die ■ Heidesandflächen, auf denen starke Strömungen vermutlich nicht
geherrscht haben, nach Abfluss der Wasser frei wurden, begann der Wind das lockere
Material zu bearbeiten, und es setzte eine intensive Verwehung- dieser Sedimente ein, die zur
Bildung einer öden kahlen Dünenlandsohaft führte. Nur schwer vermochte später auf diesem
in steter Bewegung befindlichen Sandfelde die Vegetation Boden zu fassen und so allmählich
das Sändgebläse der Weststürme, wenn nicht zum Stillstände zu bringen, so doch ein-
zuschränken.
In die hochaufgeschütteten . Heidesande begann sich nun die Elbe, namentlich im
Gebiet der iPirna-Dresden-Meißner Weitung, tiefer und tiefer einzuarbeiten. Der Strom ent-
1) Sekt. Tetschen, S. 72. 2) Sekt. Sebnitz, S. 39, 40. 3) Sekt. Pirna, S. 79. 4) .Sekt. Dresden,
K62. 6) Sekt Rosenthal, S. 84 — 67. 6) v. Gutbier Skizzen, S. 75. 7) Sekt. Sebnitz,. S. 14. 8) Sekt.
Pirna, S. 92 — 95. 9) Sekt. Rosenthal, S: 58; Sekt, Königstein , S.42; Sekt. Sebnitz , S. 41.
1897. Jahresber. Nr. 574, 3
18
femte einen großen Teil seiner alten Absätze und .sehüf jene, den Steilabfall des Granit-
plateaus der Lausitz begleitende, jetzt villenbesetzte Heidesandterrasse, welche als älteste
Stufe des Thaldiluviums zu gelten hat. Die Elbe existierte damals hoch als breiter, bis zu
den Trachenbergen reichender Wasserlauf, der aueh die bis zu den Rebenhngeln von Wein-
böhla sich ausdehnende Plänermulde, heute Nassau genannt, bedeckte und nördlich vom
heutigen Spaargebirge, von der Klippe des Riesensteines durchragt, über Zasehendorf nach
Zscheila und Großenhain zu sich ergoß. Die reichen Schuttmassen aber, welche der Strom
selbst transportierte, im Vereine mit dem von einer Anzahl wasserreicher Nebenflüsse
zugeführten und eingeschwemmten Geröll- und Geschiebematerial, führten zu teilweiser Ver-
stopfung des Strombettes, gaben weiter Veranlassung zur Abschnürung von Stromarmen und
Altwassern und brachten auch Verlegungen und Verdrückungen des Wasserlaüfs zu stände.
Solche Ausbiegungen haben besonders veranlaßt die Wesenitz, Muglitz, Prießnitz und
Weißeritz. .
Die Wesenitz, welche heute bei Pratzschwitz- in die Elbe mündet, hat durch ihre
Schotter die früher aus dem Thale der alten Posta kommende Elbe südwärts gedrängt; ist
aber durch die mit den Elbsehottem sich vereinigenden eigenen Absätze alsbald abgedämmt
und zu einem, über den als Rest eines alten Wesenitzlaufes gedeuteten „großen See“ 1 )
führenden Abfließen etwa parallel mit der heutigen Elbe genötigt worden.. Ebenso hat
östlich von Pirna der Eichelsee als Überbleibsel eines alten Gottleubalaufes zu gelten. Die
Müglitz 2 ) hat vormals durch ihre Schotterabsätze den Elbstrom zu einer Ausbiegung nord-
wärts gezwungen. Bei Dresden war es die Prießnitz, welche durch ihre massenhaft ein-
geschwemmten Geröll- und Sandmassen eine Verdrückung des Stromes südwärts veranlaßte,
während die Weißeritz mit ihrem fächerförmig sich ausbreitenden , in zwei Thalstufen geschiedenen
Schuttkegel die Elbe wieder nordwärts abdrängte, sodaß die charakteristische Dresdner
Elbschlinge entstand. Die Weißeritz, welche nach Aufreißung des Plauenschen Grundes
eine intensive Erosion des Rotliegenden begann, floß früher jedenfalls von Plauen aus über
die im heutigen Gehänge noch teilweise erkennbare Senkung 8 ) ostwärts naeh der Kaitzbach-
rinne zu, um dort ihre Absätze mit dem breiten Schuttkegel der Lockwitz zu vereinigen, die
früher vom heutigen Orte Lockwitz aus in nordwestlicher Richtung naeh Strehlen zu ihre
Wasser sandte, wo die Reste einer alten Lockwitzschotterterrasse eine Barre für den heutigen
Kaitzbach bilden. (Vergl. hierzu Tafel II.)
Die Sedimente jener jungdiluvialen Periode der Thalbildung finden sich als mehr
oder minder deutliche Thalstufen im Terrain gekennzeichnet und bestehen aus Schotterbänken,
Thalkiesen und Granden, denen sich als jüngste Glieder diluvialer Absätze der Thalsand und
Thallehm anreihen, welche die heutige Eibaue bilden.
Die Thalsande, welche in breitem Streifen linkselbisch von Mügeln bis Dresden und
dann rechtselbisch von Dresden -Neustadt bis zum Spaargebirge lagern^ sind später in allu-
vialer Zeit wieder eirigefurcht worden. Wir finden heute in diesen Thalsand- und Thallehm-
flächen mehr oder minder deutlich erkennbare alte Stromrinnen, namentlich zwischen Zsohieren,
Großdobritz und Dresden- Altstadt, in welche bei Hochwasser die, Fluten des Elbstromes noch
ab und zu eintreten und welche zumeist von fettem, braunem Auelehm ausgekleidet sind.,
1) . Sekt. Pirna, S. 97; C. A. Jentzach: Über das. Quartär der Gegend, von Dresden, S. 36.
2) Jentzsch a. a. 0., S. 35. 3) Isisberichte 1865, S. 66; 1866, S, 65; Jentzach; a. a. O., S.34 , 35..
19
Dieses Netzwerk von alluvialen Stromarmen beginnt mit dem Bruchiggraben, zwischen Mügeln
und Zsehieren, und zieht sich zunächst als einfache Rinne nach dem Knie der Lockwitz, die,
solange sie dm dieser Senkung selbst fließt, im Oberreitschen Atlas den Namen Bruchiggraben
führt. Weiter läßt sieh dieser alte Elbarm verfolgen über Leuben nach Großdobritz, wo eine
Dreiteilung eintritt. Ein Arm geht nordwärts nach Tolkewitz zu, ein anderer führt über
Gruna, Striesen nach der heutigen Eibaue, ein dritter zieht sich durch den Großen Garten
und vereinigt sich hier mit der Kaitzbachrinne, die durch die Bürgerwiese nach dem Georg-
platz (früher Dohnaischer Platz, noch früher vom Judenteich eingenommen) führt, wo der
Kaitzbach einst gegenüber der Salomonisbastei in den Festungsgraben mündete. 1 ) Jener
Gürtel von Wasserbecken 2 ,, welcher linkselbisch die älteste Stadtanlage umgab und an
welche die Namen „Seevorstadt, Am See, Oberseergässe“ noch heute erinnern, und ebenso
die Festungsgräben gehörten vermutlich zu jenem Netzwerke von Altwassern, toter und äb-
gedämmter Stromarme, welche' den Ort zur Anlage eines festen Platzes geeignet machten.
AuCh rechts der Elbe haben wir zwischen Mickten und Ubigau, von der Eibaue abzweigend,
einen alluvialen Stromarm, der sich nach Kaditz zu wendet, während zwischen Pieschen und
Traehau die Seegrabenrinne durch das Kaditzer Tännicht zieht und bei Serkowitz den Elb-
strom wieder gewinnt. Größere Hochfluten haben wiederholt jene alten Rinnen mit Strom-
oder Stauwasser gefüllt, sö besonders die beiden Hochwasser der Jahre 1845 und 1890.
(Vergl. Tafel II.) Als schließlich das nordwärts vom heutigen Spaargebirge über Zaschendorf
führende Strombett mehr und mehr versandete, begannen die Fluten die im Granitmassiv in
Lausitzer Richtung schon vorhandene Spalte zu erweitern, und die Lostrennung des Spaar-
gebirges, sowie die Einfurchung des heutigen Elbbettes in die Granite und Porphyre von
Sörnewitz bis Zadel begann. Bei Niedrigwasser kann man heute rechtselbisch an der alten
Meißner Brücke den Syenit, der die Ratsweinberge und den Schloßfelsen bildet, in Form
von Riffen und Klippen als sogenannte „Hungersteine" im Strome anstehen sehen. 3 )
In alluvialer Zeit hat der Strom mehr und mehr feste Ufer gewonnen. Größere
Veränderungen hat er nicht mehr erfahren, nur daß der Mensch ihn austiefte und' einengte,
um ihn seinen Zwecken dienstbar zu machen. Aber noch heute arbeiten die Wasser unaus-
gesetzt im Grunde, davon zeugen die Kiesheger und Sandbänke, die sieh im Strombette
bilden, und die unausgesetzten Baggerungen von Kies- und Sandmassen, die im Interesse
der Schiffahrt unternommen werden.
I. Exkursionen rechts der Elbe.
1. Heideplateau.
Die eigenartig wellige Oberfläche des Heideplateaus, welches in seinem Untergründe
aus dem sogenannten Lausitzer Granit besteht, lernen wir mit seinen schluchtenartigen
Thälern, der ausgedehnten Heidesandbedeckung und den langgestreckten Flugsandhaufen am
besten kennen hei einem Ausfluge , nach der Heidemühle unter Benutzung der Radeberger
Straße. Vorerst sei noch erwähnt, daß der wenig fruchtbare Sandboden auf der Höhe vor-
zugsweise Kiefern und Heidekraut trägt. Letzterem Umstande verdankte man einst die aus :
1) Sekt. Dresden, S. 90. 2) Vergl. Lindau l, S. 91, 92 und die alten Stadtpläne mit 11 solchen Seen.
(Desgl. Aster’sche Sammlung der Stadtbibliothek.) 3) Sekt. Meißen, S. 19.
3 *
20
gedehnte Bienenzucht, die früher in der Dresdner Heide betrieben wurde, rne^ aus einem
Erlaß des Markgrafen Wilhelm! vom Jahre 1401 hervorgeht, der den Barfttßermonchen
außer dem windbrüchigen Holze noch 8 Pfund Wachs verschrieb. 1 ) In den feuchten Thalern,
sowie an den Hängen, wo sich im Laufe der Zeit eine Humusdecke gebildet hat, findet man
neben den Nadelbäumen auch die Rotbuche und die Hainbuche, seltener die Eiche.
Wir nehmen den Ausgang von der Bautzner Straße, wo die Radeberger Straße bei
Signal 130,4 abzweigt und stehen hier bereits auf der Heidesandterrasse, jenem schmal be-
ginnendem dann beim Mordgrunde sich verbreiternden Sandwalle, der den Steilabfall der
Granithochfläche gegen das Elbthal weniger schroff erscheinen läßt. Die Mächtigkeit ^dieser
Sedimente der diluvialen Elbe ist' am besten aus einigen Brunnenprofilen ersichtlich. ) Ho
steht der Brunnen von Schloß Albrechtsberg 34 m im Heidesand und derjenige des Bahn-
wärterhauses am Proschhübel sogar 52 m tief in der gleichen Ablagerung. Diese ausgedehnte
Sandterrasse, welche eine ausgezeichnete Schichtung zeigt, ist aber nicht nur der Granit-
hochfläche vorgelagert, sondern der Sand zieht sich auch in schmalen oder breiteren Streifen
oft weit in die Senkungen des felsigen Untergrundes herein, hat diese wohl einst sogar voll-
kommen ausgefüllt und ist erst durch Gewässer teilweise wieder herausgewaschen worden.
Auch auf dem Lausitzer Plateau selbst lagert der Heidesand in wechselnder Mächtigkeit, je
nach der Gestaltung der Oberfläche des Grundgebirges. Die Schichtung hat diese Sanddecke
bis zur Tiefe von 1— 1% m durch die Waldkultur meist verloren,, ferner haben früher die
vorherrschenden westlichen Winde die leicht beweglichen Sande aufgearbeitet und zu zahl-
reichen Dünen und Flugsandhaufen zusammengeblasen.
Von der Bautzner Straße aus bereits hebt sich der Boden ganz allmählich; Beim
Hochbehälter der Wasserleitung wird die Steigung schon bedeutender, und kurz nach Ab-
zweigung des Pillnitz- Moritzburger Weges sehen wir vor uns den Abfall des eigentlichen
Granitplateaus besonders gut links der Straße, wo eine ausgedehnte Schonung das Terrain
gut überblicken läßt. Zwischen Schneise 18 und 17 ist die Straße bereits in den Granit
eingeschnitten, wie die beiderseitigen Böschungen verraten. Rechts ist ein tiefer, jetzt ver-
lassener Steinbruch im mittelkörnigen Lausitzer Granit. Das Gestein ist zweiglimmerig und
am weitesten im Gebiet verbreitet, nur lokal treffen wir', wie z. B. später bei der Heidemühle,
die einglimmerige Abart, den Granitit an, der sich auch sonst in mancher Hinsicht vom
Granit unterscheidet. Bis hierher hatten wir zur Rechten das tiefe, schluchtenähnliche Thal
des Eisenbornbaches mit seinen wasserlosen Nebenrinnen und dem oft recht stattlichen
Buchenbestande. Der Bach entwässert die Sumpfgebiete östlich der Straße, die ihre Ent-
stehung der Undurchlässigkeit des Untergrundes, wohl hervorgerufen durch thonige Lagen im
Heidesand, verdanken. Die Steigung der Straße wie der ganzen Hochfläche hält weiter an,
doch stellen sich auch flache, muldenartige - Senkungen ein und wechseln mit wellenförmigen
Erhebungen ab. Links und rechts erscheinen auch die eigenartigen Elugsandhaufen mit
flacher Böschung im Westen, aber steil abfallend nach Osten zu. Zum Studium des Baues
derselben eignet sich die links befindliche große Sandgrube, welche in einer langgestreckten,
mit jungen Kiefern bestandenen Düne angesetzt ist. Hier sieht man die Schichtung flach
von Westen nach Osten zu ansteigen und besonders gekennzeichnet durch Schnüre gröberer
1) Lindau: Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Dresden 1863. Bdl, S. 203. 2) Sekt.
Dresden, S. 98, 99.
'21
Sandkörner in den feinsandigen Lagen. In der Umgebung solcher Dünengebiete, durch die
ganze Heide verbreitet, finden sieh die als Kantengeschiebe oder kurz Dreikanter 1 ) be-
zeichneten, auffälligen Gebilde. Es sind dies meist aus Quarz, Quarzit, Hornstein, Kiesel-
schiefer, seltener aus Granit oder Syenit bestehende Geschiebe von Wallnuß- bis Kopfgröße und
darüber, die auf der einen, oberen Seite drei- oder mehrkantig zugeschliffen erscheinen und eine
meist glänzende, 'wie gefirnißte Oberfläche zeigen. Nach den neueren Forschungen entstehen diese
Dreikanter, durch Einwirkung von Flugsand auf freiliegende Gesteinsfragmente, und hat man
deren häufiges: Vorkommen in Wüstengebieten 2 * ), z.B. in Afrika, thatsächlich nachweisen können.
Die wellige Oberfläche des ganzen Plateaus bleibt dieselbe bis zur Kreuzung mit
Schneise 12. Von hier an senkt sich der Boden wieder hinab zum Prießnitzthal, welches
wir nach kurzem Marsche durch herrlichen Wald bei der Heidemühle erreichen. Wir über-
schreiten hier die Brücke und wenden uns rechts ab am Prießnitzbache entlang auf den
Weg - nach Ullersdorf. An demselben liegen gewöhnlich zahlreiche Knackhaufen, die aus
Granit bestehen, welcher aus dem großen Steinbruche stammt, den wir nach etwa 15 Minuten
langem Marsche . am rechten Gehänge des erst breiten, dann sich wieder zusammenziehenden
Prießnitzthales vorfinden.
Wir treffen erst einen verlassenen Bruch an, etwa 140 Schritt weiter östlich folgt
ein zweiter noch im Betriebe befindlicher. Daselbst bricht man .den eingliinmrigen Granit
oder Granitit der Lausitz. Das Gestein zeigt mittelkörnige- Struktur, doch kommen auch
pegmatitisch-grobkömige und feinkörnige, dann besonders glimmerreiehe Modifikationen vor.
Bemerkenswert sind ferner glimmerarme und dann feldspatreiche Schlieren. In den grob-
körnigen Abarten stellt sich bisweilen großblättriger heller Glimmer ein, während die oft
gneisigen, an - Biotit sehr reichen, dunklen Partien große, mehrere Centimeter lange dunkle
Glimmer nicht selten aufweisen. AufKluftfiächen des Gesteins sind Eisenkies, Arsenkies und Kalk-
spat sehr häufig, zu finden, ebenso ab und zu stenglig-radialstrahlige Turmalinaggregate. Außer-
dem werden als accessorische Mineralien genannt Prehnit, Laumontit, Adular, Baryt und Apatit. 2 )
Was aber das Gestein zu einem besonders interessanten macht, sind die zahlreichen
Einschlüsse einer fremden Felsart, welche, von schiefrigem Gefüge, ganz besonders reich an
dunklem Glimmer ist und als Quarzglimmerschiefer oder Quarzglimmerfels bezeichnet wird.
Diese Fragmente entstammen der vom Granit durchbrochenen silurischen Grauwackenformation 4 )
und sind kontaktmetamorphisch verändert. Namentlich im vorderen Teile des Bruches ist
eine, ganze Menge großer und kleiner Bruchstücke dieses Gesteines im Granit eingeschlossen,
der sieh dann oft in feinkörnigen Strängen zwischen dem Getrümmer hindurchzieht und auch
Stauchungen und Biegungen der Schieferfragmente veranlaßt hat. Öfter geht der Quarz?
glimmerfels in. grünlichgrauen bis hell grünlichweißen Epidothornfels über. Dieses Gestein
zeigt eine ganz außerordentliche Härte, sodaß Bohrlöcher zum Sprengen sich kaum in das-
selbe einschlagen lassen. Seltener als sonst im Lausitzer Hauptgranit entdeckt man scharf
begrenzte Einschlüsse fettglänzenden Quarzes von glasheller bis rauchgrauer Farbe, der nach
allen Richtungen von feinen Sprüngen durchzogen ist. • •
1) v. Gutbier: Geognostische Skizzen aus der sächsischen Schweiz , S. 71. Sektionen der geologischen
Spezialkarte: Dresden, S. 93; Moritzburg, S. 68, 59; Kötzschenbroda, S. 66; Stolpen, S. 30u. a. Naturwissen-
schaftliche Wochenschrift v. Potenid , Bd. II, Nr. 19; Bd.IH, Nr. 7 u.26; Bd. X, Nr. 23.
2) J. Walther: Die Entstehung von Kantengeröllen in der Galalawüste. Berichte der Leipziger
Gesellschaft der Wissenschaften , 1887, S. 133. 3) Sekt. Pillnitz, S. 16. 4) Sekt. Königsbrück, ’ S. 4. :
22
'■ 2. Schneise 18.
Die über den Ausstrich des Großenhainer Gneiszuges im Prießnitzthale führende
Schneise 18 erreicht man vom Garnisonlazarett der Albertstadt aus auf dem sogenannten
Kannenhenkelweg. Vorher empfiehlt sich der Besuch zweier rechts vom Kannenhenkel durch
. Flügel F geschiedener Steinbrüche, in denen streifiger und lagenförmiger Granit x ) aufgeschlossen
ist, wie solcher am Bruchrande des Lausitzer Granitmassivs sich sehr gewö hnli ch einzustellen
pflegt. Hier finden sich ferner im Gestein zahlreiche Einschlüsse von Quarzbiotitfels, in deren
Umgebung die dem Granit sonst fremde streifige Struktur besonders in die Erscheinung
tritt. An zahlreichen, durch die Verwitterung bereits zu Rollstücken deformierten Fragmenten
dieses Granites kann man gut erkennen, daß an Quarz und Feldspat reiche Schnüre glimmer-
reiche Lagen durchziehen, wodurch das ganz ungranitische Aussehen entsteht.
Wir suchen nunmehr Schneise 18 auf, die kurz vor dem „schwarzen Kreuz“ zwischen
einer abgeholzten Waldfläche und Hochwald südostwärts zieht. Dieselbe bezeichnet den Steil-
rand des Lausitzer Granitplateaus, welches mit welliger Oberfläche und in zungenartig oder
rückenähnlich hervortretenden Gesteinsbuckeln nach Südwesten abfällt und welchem die nach
dem Elbthal sieh absenkende Heidesandterrasse vorgelagert ist. Zunächst gelangen wir über
eine Heidesanddüne auf den ersten breiten Gesteinsrücken, dann hinab in eine von Lehm
ausgekleidete Mulde, wieder hinauf auf einen zweiten und dritten Buckel und kreuzen den
Flügel E, von dem wir einen hübschen Ausblick in das breite Elbthal haben, welches am süd-
lichen Horizonte vom Windberge überragt wird. So wandern wir fort über im ganzen sechs
solcher Granitausstriche bis zu dem tief eingerissenen Thalgrunde des „verlorenen Wassers“.
Auf den Höhen steht überall der Granit an, und zwar dessen streifige Abart, nicht selten
große und kleine Einschlüsse weißen oder grauen Quarzes enthaltend.
Lieblich ist die Aussieht von dem waldigen Höhenrande sowohl auf die villenbesetzte
Sandterrasse, wie auf die Elbthalweitung. Weiter schweift der Blick über das Häusermeer
der Großstadt bis zu dem, meist in blauen Dunst gehüllten Kamme des Erzgebirges. Das
„verlorene Wasser * ist eines jener bis auf die Granitsohle des Untergrundes eingewaschenen
Rinnsale, die nach längerem oder kürzerem Laufe im Sande versiegen, weil für Wasser
undurchlässige Schichten in der Tiefe fehlen. Beim Aufstieg an der Ostseite der lauschigen
Thalschlucht erkennen wir westwärts den sich in weitem Bogen bis zu den Lößnitzbergen
herumziehenden Hang der waldigen Hochfläche. Wir kommen nun abermals über einen
breiten Granitrücken, auf welchem streifiger Granit mit großen Quarzeinschlüssen in Lesesteinen
umherliegt, und wo im Stangenholz zur Sommerszeit die Pilzsucher reiche Ernte halten. Am
Wege fallen die zahlreichen, zierlichen Fanggruben des Ameisenlöwen auf, der den Wald-
ameisen nachstellt. Bald führt die Schneise abwärts zur Radeberger Straße, die wir an der
Stelle erreichen, wo sie. mit starker Steigung aufwärts führt und wo man in der Richtung
nach Süden den Kreuzturm in die Waldblöße hereinragen sieht. Die Turmspitze dürfte
etwa in gleichem Niveau mit dem trigonometrischen Signal 194,7 — d. i. die Kreuzung der
Schneise und der Straße — liegen . 1 2 ) Nach Passierung des Eisenborngrundes f ühr t uns die
1) Sekt. Dresden , S. 21, 22. 2) Die Strecke vom Kannenkenkel bis hierher iBt leider nicht immer
zu begehen, da sie im Gefahrenbereich der Militärschießstände Hegt. Es ist daher zweckmäßig, diesen
Teil der Exkursion in die Zeit der militärischen Herbstübungen zu verlegen.
23
Schneise am Oberfischmannsteiche vorüber, aufwärts und abwärts über mehrere Granitbuckel
nach dem mit einem Gerüst versehenen und als Triangulierungspunkt benutzten Wolfshügel.
Die Aussicht von hier ist eine der schönsten in der Dresdner Umgebung. Yor uns liegt die
breite Thalmulde des Elbstromes, am Horizont die Kammhöhe des Erzgebirges und der
scharf hervortretehde Windberg, im Westen der Saum der Hellerberge, der alte Uferrand
des diluvialen Elbstromes. Im Norden endlich dehnt sich das Heidegebiet aus, durch welches
der über den Wolfshügel führende Flügel C bis nach Radeberg geht. Lagenförmig ausgebildeter
Granit bedeckt in zahlreichen Fragmenten die ganze Umgebung und ist besonders reich an
großen Quarzeinschlüssen. Die Schneise führt nun hinunter am felsigen, dann sandigen
Hange in den Guteborngrund, durch den ein Wässerchen hinab zur Elbe fließt. Yon dieser
Stelle aus empfiehlt sich ein Abstecher nach der am Pillnitz -Moritzbürger Wege am Ab-
hange des Höhenzuges befindlichen Sandgrube, zu der man gelangt, wenn man dem Wasser-
laufe folgend bis zum Wege vor und dann auf demselben etwa 450 Schritte ostwärts geht.
Die Grube ist im Heidesand angesetzi. .Derselbe ist meist feinkörnig und zeigt eine aus-
gezeichnete Schichtung, die namentlich dadurch hervortritt, daß gröberes, Hanfkorn- bis
Haselnußgröße erreichendes Material in Schnüren die feineren Sandlagen durchzieht. Unter
den gröberen Bestandteilen waren neben vorherrschenden Quarzen, oft von rosenroter Farbe,
und Graniten, Fragmente von roten Porphyren, von Kieselschiefer, Braunkohlenquarzit und
Feuerstein, alle kantengerundet, zu unterscheiden. Die feineren, besonders aber auch die
gröberen Sandkörner offenbaren eine ganz ausgezeichnete Rundung. Der Sand ist vollkommen
frei von Splitterquarzen, wie sie in den Flußsanden der Elbe und anderer Wasserläufe sich
häufig und regelmäßig finden 1 ), und enthält graue bis bräunliche Körner von Magneteisen,
die leicht mit dem Magneten auszuziehen sind. Eingebettet in dem Sande,' der zumeist
aus verschiedenfarbigen Quarzen besteht, finden sieh zahlreiche, eckige Bruchstücke von
streifigem Granit, seltener von Syenit. Im östlichen Teile der Grube, an deren Sohle, sind
die Granitstücke so massenhaft vorhanden, daß ein wahres Paekläger entsteht, welches durch
eisenschüssigen Sand derart verfestigt ist, daß es mit der Hacke aufgearbeitet werden muß.
Zur Schneise 18 zurückgekehrt, gewahrt man beim Aufstieg, aus dem Guteborn-
grunde am östlichen Hänge in dem sonst, lockeren Sande harte, braunrote bis fast
schwarze, eisenschüssige Lager und Adern, die sich ab und zu zu Brauneisensteinnieren ver-
dichten. Dieser Eisengehalt des Sandes ist weiter südlich am Pillnitzer Wege oft so starb,
daß der ganze Boden braunrot gefärbt erscheint. Magneteisen enthält dieser Sand nur in
Spuren. Nachdem wir die Plateaufläche wieder erklettert haben, führt unser Weg weiter
über eine breite Terrainwelle mit zahlreichen Lesesteinen streifigen Granites hinab zum Mord-
grunde'. Etwas rückwärts von der Mordgrundbrücke erscheint ein großer Steinbruch, den öst-
lichen Ausstrich des Granites vor dem tiefen, an schönen Buchen reichen Grunde bezeichnend.
Die Bautzner Straße ist hier bereits in den Granit eingesprengt, der sowohl vor der Brücke
links der Straße, wie auch weiter aufwärts bei der Villa Eugenie anstehend gefunden wird.
Der Besuch des Mordgrundbrüches soll Uns belehren über den Lausitzer Granit im besonderen,
wie auch über die Strukturvarietäten und die eigentümlichen Veränderungen, die das Gestein
dem Gebirgsdruck verdankt. Dasselbe ist mittel - bis feinkörnig und enthält Mägnesiaglimmer
und spärlichen Kaliglimmer. Quarz- und Quarzbiotitschiefereinschlüsse sind häufig. Besonders
1) R. Nessig; Die Sande der Umgebung von Dresden. Isisberichte 1896, S. 72:
24
interessant sind die Wirkungen des Gebirgsdruckes, die in Gestalt von Gleitflächen und
spiegelnden Harnischen auf Kluftflächen vorhegen. Vielfach ist auch der Granit zu speckig
glänzenden Massen zerdrückt; auf den nach Südost einfallenden Klüften fiel dem Verfasser
wiederholt eine schwärzlichgrüne, quarzreiche Reibungsbreccie auf. 1 ) Da auch das sonst
frische Gestein von zahlreichen feinsten Rissen und Sprüngen durchzogen ist, sodaß es beim
Hammerschlag in eckige Trümmer zerspringt, taugt es nur wenig zu technischer Verwendung
als Mauer- oder Plattenstein, sondern dient nur als Klarschlag zur Straßenbeschotterung und
Betonisierung.
Wer die Exkursion weiter fortsetzen will, hat beim Durchwandern des Mordgrundes
und des Steiggrundes Gelegenheit zu Studien über die Thalbildung, sieht ferner den Granit
wiederholt am nördlichen Hange anstehen und auch Quellen aus demselben austreten (Sehwester-
quelle, Degelequelle). _ ,
Vom Wolfshügel aus läßt sich die Exkursion auch in folgender Weise weiterführen.
Auf Flügel C geht man nordwärts bis Schneise 15. Fast gleichmäßig eben liegt das Heide-
plateau vor uns, nur flache Senkungen kommen vor. Auf Schneise 15 überschreitet man
zunächst bei südöstlich gerichteter Wanderung eine breite Depression der Hochfläche, wo
wegen thoniger Lagen im Untergründe, jedenfalls entstanden durch Verwitterung des Granites,
das fließende Wasser eine Versumpfung des Bodens und Moorbildung erzeugt hat. Eine teil-
weise Entwässerung dieses Gebietes besorgen der Eisenbornbach und der Gutebornbach.
Uber Heidesand und einen breiten Granitrücken gehend, erreicht man schließlich den Steig-
grund und einen rechts vom Wege nach dem weißen Hirsch gelegenen Bruch im einglimme-
rigen Granit oder, nach Zirkel 2 ), Biotitgranit, der aber nach Auffassung der Landesuntersuchung
hier nur eine Schliere im zweiglimmerigen Hauptgranit bildet. 3 ) Zahlreiche Quarzeinschlüsse
und vereinzelte Feldspataggregationen kommen in diesem Gestein vor, ebenso die schon
anderwärts beobachteten Einschlüsse fremder Gesteine. Wir setzen unsera Weg nach dem
weißen Hirsch fort und biegen nach kurzer Wanderung links ab. Bald ist die Bautzner
Straße erreicht am Gasthaus „Weißer Adler“. Hinter demselben ostwärts war früher ein
durch eine im Juli 1896 angelegte Straße jetzt halb verschwundener Bruch, in dem ein röt-
licher Granit angebrochen war, dessen Feldspäte sich stark kaolinisiert erwiesen. Auf den
umherliegenden Gesteinsbruehstücken gewahrte man öfter schöne Gleitflächen, die auch in
verschiedener Richtung die Felsart durchsetzten. Wir hegeben uns auf dem hinter dem Gast-
hause in den Loschwitzgrund hinabführenden Fußwege in den dem Gasthause zur Eule gegen-
über- im felsigen Hange angesetzten schönen Steinbruch. Derselbe ist zwar von der Strasse
abgesperrt, seitdem man das schmucke Armenhaus der Gemeinde Loschwitz auf diesen Platz
gebaut hat, der Zutritt ist aber nach eingeholter Erlaubnis gern gestattet. Der Granit ist hier
zweiglimmerig, sehr frisch und mittel- bis feinkörnig. Neben ganz gleichmäßig feinkörnigem
Gestein, das sich namentlich durch Reichtum an dunklem Gl imm er auszeichnet, finden sich
Partien mittel- bis grobkörnigen, ja selbst pegmatitischen Granites. Die regellos körnige
Struktur geht auch öfter in eine gneisartige bis gestreektgneisige über. Dazu kommen Ab-
arten, wo die planparallelen Glimmerlagen gewunden und wunderlich gebogen erscheinen.
Das grobkörnige bis pegmatitische Gestein enthält häufig schöne, bis 3 cm große Tafeln
1) Sekt Dresden, S. 23. 2) P. Zirkel, Lehrbuch der Petrographie Band II, S. 33, 36. 3) Sekt.
Dresden, S. 22 unten..
25
von dunklem Magnesiaglimmer und, meist mit Quarz vergesellschaftet, großblättrige Krystalle
von hellem Muskovit. Der Feldspat hat vielfach eine bläuliche bis weiße Farbe und dürfte
Mikroklin oder Oligoklas sein. Dazu kommen ab und zu fingerdicke, schwarze bis 5 cm lange
Turmaline, seltener Apatitkry stalle, kenntlich an dem sechsseitigen Querschnitte. Diese
pegmatitischen Trümer sind besonders hinter dem Hause in halber Höhe der Gesteinswand
entwickelt. In Quarzadern, die das Gestein gangartig durchziehen, fand sich öfter in Hohl-
räumen Eisenerz in feinen Nadeln krystallisiert oder auf lauchgrünen, chloritischen Überzügen
gelbe Eisenkies- und Kupferkiesaggregate. Erwähnenswert sind ferner zahreiche große und
kleinere Einschlüsse fettglänzenden Quarzes und, mit Quarz verwachsen, seltener Einschlüsse
von Graphit 1 ), die vom Verfasser in mehreren Exemplaren gesammelt wurden. Schließlich
folgen die im Gebiet nie fehlenden Einschlüsse von Quarzbiotitschiefer und von graugrünem
Epidothorafels von bedeutender Härte. Endlich weist das Gestein auch im frischen Zustande
auf Klüften spiegelnde Gleitflächen auf, die meist von einem schmutziggrünen Mineral über-
zogen sind. Auf einer Kluftfläche, die durch den Bruchbetrieb im Jahre 1894 bloßgelegt
war, lag in einer Stärke von 2 — -2% cm eine bröckliche, auf der Oberfläche schwarze und
mattglänzende Reibungsbreceie in großer Ausdehnung auf, die sich in der Hauptsache aus
weißem Quarz und chloritischem, eisenschüssigem Detritus zusammensetzte. Dieselbe war im
Oktober 1896 noch vorhanden. Wir finden also auch hier Belege dafür, daß mit dem Bruch
der Lausitzer Granitplatte, der zur Bildung des Elbthales führte, gewaltige Pressungen des
Gesteines verbunden waren, an die sich weitere Bewegungen der Bergstücke, Reibungen und
Verschiebungen der von Spalten durchzogenen Gesteinsmassen anschlossen als Nachwehen
des großartigen dynamischen Prozesses, der in der Aufklappung des Erzgebirges seinen Aus-
druck und Abschluß fand. Wir verlassen den Bruch und wandern im tiefen Loschwitzgrunde
abwärts. Bald erreichen wir, zwischen hohen mit Villen besetzten Thalhängen hinschreitend,
den Weg, der links aufwärts zur Schweizerei führt. Ein reißendes Wässerchen stürzt neben
uns herab. Im Restaurationsgarten ist Granit angebrochen, wieder von lagenförmig gneisiger
Struktur, namentlich in der Umgebung der zahlreichen Quarzbiotitfeiseinschlüsse, sodaß beide
Gesteine manchmal fast ineinander überzugehen scheinen. 2 ) Wir lassen die Schweizerei links
liegen und folgen der Straße, die in einer S-förmigen Bewegung aufwärts führt auf das
Plateau. Hier haben wir einen hübschen Blick in den Loschwitzgrund mit seinen welligen
Thalhängen und auf die reichbesiedelte Hochfläche mit der Drahtseilbahn und dem herrlichen
Louisenhof. Rechts liegt das breite Elbthal mit der Großstadt und deren Vororten. Wir
wandern aufwärts bis zur „Beerenschenke“ und biegen links in den Weg ein, der etwas ab-
wärts und schließlich zur „schönen Aussicht“ führt. Von diesem lieblichen Punkte, der an
Schönheit der Lage mit dem Louisenhof wetteifert, haben wir einen herrlichen Ausblick auf
das sanft nach dem Erzgebirge zu emporsteigende Elbthalgebirge mit der Reihe der rauchenden
Schlote der Kohlenschächte, mit der goldenen Höhe und dem auffälligen Windberge. Jen-
seits des deutlich erkennbaren Spaltungsthaies des Plauensehen Grundes ruht der Blick
auf dem Meißner Hochlande, welches sich im Westen mit dem Lausitzer Plateau zu ver-
einigen scheint.
Wir haben nunmehr die Lausitzer Hochfläche mit ihren welligen Konturen und den
tief eingeschnittenen Thalgründen kennen gelernt und steigen auf ziemlich steil abwärts-
1) Vergl. Sekt. Radeberg, S. 17, Anmerkung. Sekt. Dresden, S.20. 2) Sekt. Dresden, S. 22.
1897. Jahresber. Nr. 571. 4
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führendem Wege hinab ins Elbthal. Vom Strome aus werfen wir noch einen Blick auf die
hier scharf gegen das höhere Granitgebiet sich abhebende, villenbesäte Heidesandterrasse,
welche man mit dem unteren Burgbergtunnel der Drahtseilbahn durchstieß, wobei in selten
schönem Anschnitt im Januar 1895 die prächtige Schichtung dieser sandigen Thalstufe mit
den massenhaf t eingelagerten Granitfragmenten, Geröllen von Kieselschiefer, Hornstein, Süß-
wasserquarzit leider nur für kurze Zeit dem Studium zugänglich war. 1 )
s. ■
3. Wachwitzgrund.
Da die Zahl der Aufschlüsse im Lausitzer Granit , des Gebietes verhältnismäßig gering
ist, erscheint eine Durchwanderung' des Wachwitzgrundes, der eine . Anzahl Steinbrüche im
zweiglimmrigen Granit aufweist, nicht ohne Interesse.
Den Ausgang nimmt man passend vom Gasthaus zur Eule im Loschwitzgrunde und
geht auf der Straße nach Oberroch witz aufwärts auf das Plateau, wo am Wege Granit an
verschiedenen Stellen ansteht. Bis zum Sommer des Jahres 1896 führte an. der Stelle, wo
oben der Weg links nach Rochwitz umlenkt, rechts durch das Gehölz ein Pfad in einer
felsigen Schlucht hinab in den Grund. Derselbe ist jetzt versperrt, sodaß man genötigt ist,
über Rochwitz zu gehen,, um dort erst in den wildromantischen, hinteren Wachwitzgrund
einzubiegen. Durch Wasserfluten und besonders durch den Wolkenbruch des Jahres, 1889 hat
derselbe außerordentlich gelitten, namentlich liegt viel Blockwerk und Felsgetrümmer im
Wege. Die Reihe der Aufschlüsse im Granit beginnt an der zu einem Landsitz umgebaüten
Mühle, wo die oben erwähnte Seitenschlucht in den Grund einmündet. Hier befindet sich
auch der erste Steinbrueh, in dem ein sehr frisches Gestein mit Neigung zu grobkörniger
Struktur und großen Feldspäten gewonnen wird. Auf Kluftflächen entdeckt man bisweilen
Eisenkiesbildungen und sonst im Gestein faustgroße Einschlüsse fettglänzenden Quarzes neben
solchen von Quarzbiotitfels und Epidothornfels. An der Sohle des Bruches kommt eine,
etwa senkrecht zur Gesteinszerklüftung durchsetzende, scharf abgegrenzte Schicht m der
Gesteinswand zum Vorschein, die wegen ihrer mürben Beschaffenheit als „fauler Fels“ be-
zeichnet wird und sich als durch Gebirgsdruck zerquetschter Granit herausstellt, Weiter
elbwärts folgt ein zweiter Bruch mit mittelkörnigem Granit, dem gegenüber die Höhe des
Wachberges mit dem aufgemauerten Aussichstpunkte emporragt, Unten am Fuße' ist die
Felswand angebrochen worden, und es enthält das feinkörnige Granitgestein hier große Bruch-
stücke und Schollen namentlich von hartem, splittrig brechendem, hellgrünlichgrauem Epi-
dothornfels. Bald kommen wir, bachabwärts gehend, am Wasserhäuschen vorüber, wo unten,
rechts am Wege, eine etwa % m mächtige faule Schicht zerquetschten Gesteins den Granit
mit steilem östlichem Einfallen durchzieht. Das Gestein ist zu einer förmlichen Breccie zer-
drückt und hat stellenweise fast phyUitähnliches Aussehen.
Den dritten Bruch im Grunde treffen wir da .an, wo die Villa „Waldfrieden“ am
rechten Thalhange steht. Hier durchzieht der faule Fels das Granitgestein in einer Mächtig-
keit bis zu 3 m und ist als Fortsetzung der Quetschzone im Granit des ersten Bruches zu
denken. Das Material dieser Gesteinspartie ist teils grusig, teils gneisig und reich an Gleit-
fläehen und Spiegeln, In dem Detritus fanden sich auch öfter rundliche Kerne unveränderten
Granites. Die wiederholt genannten Einschlußgesteine der Felsart sind hier gleichfalls zahl-
1) Isisberichte 1896, a. a. 0.
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reich vorhanden und erreichen oft eine bedeutende Größe ( l / 2 m).' Ga der „faule Fels“ viel
•wertlosen Abraum liefert, soll der Bruch demnächst eingehen. Weiter thalwärts treffen wir
am Johannisbade noch einen verlassenen Granitbruch und gelangen alsbald aus dem Granit-
gebiet über die hier schmale Heidesandterrasse an den Elbstrom.
4 . Eisenborngruhd.
Eines der kleineren Rinnsale, welche die Heide nach der Elbe zu entwässern, ist
der .Eisenbornbach. Er hat sich ein tiefes Thal in den lockeren Boden der Heidesandterrasse,
wie auch teilweise in den Felsuntergrund eingeschnitten und gewährt mit seinen verschiedenen
Quellflüßchen und den jetzt wasserlosen Seitenrinnen das vollständige Bild eines Flußsystems.
Wenn wir gleich hinter dem Fischhaus von der Radeberger Straße in den Pillnitz-
Moritzburger Weg einlenken, führt alsbald eine Brücke über das tiefe Bachthal, welches
unter dem Namen Schotengrund unterhalb der Saloppe ins Elbthal ausmündet. Wir über-
schreiten die Brücke nicht, sondern gehen links in den Wald und am Bache aufwärts.
Bald steht uns eine auffällige -Bodenerhebung entgegen, zu deren beiden Seiten Thalrinnen
sich hinziehen, von denen aber nur die östliche Wasser führt. Hinter diesem Rücken liegt
der Oberfischmannsteich in einer Weitung. In diese münden wiederum zwei Thalschluchten
aus, von denen die westliche sich etwa parallel der Radeberger Straße als tiefer wasserloser
Waldgrund hinzieht, während die östliche das Thal des Eisenbornbaches bildet. Der Wald
besteht hier zumeist aus Rotbuchen.
Auf dem Grunde des Oberfischmannsteiches, namentlich aber dort, wo durch die
Stauanlage das Wasser als schmales Bächlein abfließt, entdeckt man schleimige, rostbraune
Absätze des eisenhaltigen Gewässers, die durch die Lebensthätigkeit von Mikroorganismen
erzeugt werden. Ehrenberg schrieb die Eisenabscheidung einer Diatomee, Gallionella ferru-
ginea zu, doch scheinen nach neueren Forschungen neben dieser noch Leptothrix ochracea
Kütz. und andere Mikroorganismen die Bildung der- Eisenoxydul- und Eisenoxydhydrate zu
veranlassen. (Hedwiga: Organ für Kryptogamenkunde. 1894, S. 97 ff.) Der Eisengehalt des
Bachwassers, welches im übrigen die Altdresdner Wasserleitung speist 1 ), entstammt den den
Granituntergrund überdeckenden Sandmassen, die hier durch Eisenschuß rostbraun 2 ) gefärbt
erscheinen, wie man sich später an den Thalböschungen wiederholt überzeugen kann. Beim
Marsche bachaufwärts erhöhen sich die meist mit schlanken Buchen bestandenen Thalränder,
und man erkennt, daß der Bach reichlich Heidesand transportiert. Auch ist der Bachlauf
vielfach gewunden, und an den Hängen, sieht man die Andeutung von Terrassen. Ab und
zu tritt die ’ intensiv braunrote bis braune Färbung des Sandes der steilen Thalböschungen
deutlich hervor. Bis jetzt floß der Bach ruhig dahin. Alsbald sehen wir Granitbruchstücke
im Bachbett liegen, und das Gewässer kommt über ein anstehendes, zerklüftetes Granitriff
in kleinen Katarakten rauschend herabgeflossen. Wir sind also in das Granitgebiet gelangt,
was weiter dadurch bewiesen wird, daß unten auf der Thalsohle grobes Blockwerk liegt und
daß der Granit oben am westlichen Thalhange sogar klippenartig ansteht. Wandern wir
weiter aufwärts, so fließt das Wasser wieder ruhig. Aus dem linken üferrande sickert ein
stark eisenhaltiges Wässerchen in den Bach, welches ebenfalls rostbraune, schleimige Eisen-
1) Lindau: Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Dresden, Bd. I, S. 288. v. Gutbier: Die
Sandformen der Dresdner Heide, S. 21. 2) v. Gutbier a.a. O. S. 21.
4 *
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massen zum Absatz bringt. Bald kommen wir an eine Stelle, wo zwei zusammenfließende
Bächlein den Eisenbornbach bilden. Der Ort, wo eine Bank’ steht, ist bekannt als „Theresens
Ruhe“. Wir sehen hier den Sandboden abermals braunrot gefärbt und weiter den linken
Zufluß in einem hübschen Wasserfall über eine das Bachbett durchsetzende Granitbarre
hinwegrauschen. Verfolgen wir dieses von links kommende Bächlein weiter rückwärts,
so fließt dasselbe oberhalb des Wasserfalles wieder ruhig. Dazu ist das Wasser moorig
und führt nur wenig Sand. Nach etwa zwei Minuten vom Wasserfalle aus kommen wir
an eine kleine, z. T. mit niedrigen Kiefern bewachsene Wiese. Der Boden ist sumpfig
und moorig, wie schon die dort wachsenden Binsen, Sauergräser u. s. w. andeuten. Dieses
Sumpfgebiet verdankt seine Entstehung ohne Zweifel dem thonig verwitterten Granit
im Grunde.
Wir kehren nach Theresens Ruhe zurück und verfolgen den von rechts kom-
menden Wasserlauf aufwärts. Nach wenigen Schritten erscheint im Bachbett abermals
ein Granitriff, über welches das Wasser rauschend hinwegfließt, und aus dem Sandboden am
Hange sickert schmutzig rostbraunes Wasser. Der Sand im Bache hat aber nunmehr nicht
mehr gelbe oder braungelbe Farbe, sondern sieht hellgrau bis fast weiß aus. Auch der mit
hübschen, jungen Fichten besetzte Thalhang der linken Seite läßt überall den Weißen Sand
durchschimmern, den wir auch wiederholt antreffen, wenn wir bachaufwärts immer weiter
bis in die enger sich zusammenziehende Thalschlucht Vordringen. Dieser Wechsel in der
Farbe des Heidesandes ist besonders bemerkenswert. Wir kehren bis zu einer wasserlosen
Seitenschlucht zurück, die uns aufwärts an ein Wasserrohr führt, welches das Wasser einer
östlich der Radeberger Straße befindlichen, mit Kiefern und Weiden bestandenen Sumpfregion
in den Bach schafft. Bei einer großen Buche erreichen wir einen nach der Radeberger Straße
führenden Fahrweg.
Wir haben hier das schönste Beispiel einer Thalbildung durch Erosion im Granit-
gebiet der Heide, begünstigt durch eine mit Sanden ausgefüllt gewesene Depression im
Grundgebirge. Die Absätze und Terrassen an den Thalhängen deuten das immer tiefere
Eindringen des Baches in den Untergrund an. Weiter giebt das Ganze ein getreues Bild der
Entstehung eines Flußnetzes.
5. Prießnitzgrnnd,
Die Exkursion wird zweckmäßig begonnen an der Mündung der Prießnitz in den
Elbstrom. Namentlich bei niederem Wasserstande kann man daselbst beobachten, daß der
Bach ganz ansehnliche Massen eines sehr feinkörnigen, leicht beweglichen Sandes mitbringt
und einen breiten Schuttkegel deltaartig in den Strom vorgetrieben hat. Als früher der
rechtsseitige Uferdamm der Elbe angelegt worden war, hat man, nach v. Gutbier 1 ), die
Prießnitz dazu benutzt, die hinter dem Damme liegende Have allmählich mit ihren Allu-
vionen anzufüllen. In dem an Niederschlägen besonders reichen Jahre 1894 hatten sich
diese Sandmassen an der Mündung so angehäuft, daß im Oktober, vor dem Herbsthoch-
wasser, die Ausbaggerung vorgenommen wurde. Nach den Mitteilungen der Königl. Wasser-
baudirektion geschieht die Baggerung an der Prießnitzmündung durchschnittlich aller zehn
Jahre dreimal. Es werden jedesmal 630 — 650 cbm Sand- und Kiesmassen gebaggert, das
1) v. Gutbier: Sandformen u. s.w., S. 35, Anm.
29
giebt auf ein Jahr innerhalb der dreijährigen Periode 210 cbm im Mittel. Es wäre dies
etwa ein Würfel von 6 m Kantenlänge.
Das Gebiet, aus welchem die Prießnitz diese Sandmassen herbeischafft, ist das sand-
überschüttete Granitplateau der Dresdner Heide. Thatsächlich finden sich große und kleine
bis kleinste Granitbrocken reichlich im Bachsande. Wie von der Polenz und Sebnitz, so
berichtet man auch von der Prießnitz, daß sie Gold führe. 1 ) Aus diesen Bächen gelangt der
Goldstaub dann in die Elbe, sodaß früher Goldwäschereien 2 ) bei Torgau, Strehla, Rathen
und Zeichen im Betriebe waren. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Goldkörnchen,
ebenso wie die von Zschau 3 ) im Prießnitzsande gefundenen Körner von Titaneisen, Spinell,
Hyacinth und Chrysoberyll aus dem Granit stammen, in welchen sich der Baeh mehr oder
min der tief eingearbeitet hat. Wir begeben uns nun nach der Bautzner Straße, bis zu
welcher die Prießnitz überwölbt ist und wo die Straße eine breite Senkung zeigt und biegen
dann in die Prießnitzstraße ein. Zwischen der Frühlingsstraße und der Forststraße fallt uns
abermals die muldenförmige Thalsenkung auf, an deren Sohle heute der Bach fließt. Wir
setzen unsern Weg bis zur Nordstraße fort, gehen über die Brücke und folgen dann dem am
linken Ufer entlang führenden Fußwege bis zur Mörtelfabrik. Wir stehen daselbst vor einem
hohen Abhange, der langgestreckten, von der Prießnitz durchschnittenen Heidesandterrasse,
deren viele kleine Dreikanter enthaltendes Material hier in einer großen Grube zur Mörtel-
bereitung gewonnen wird. Nachdem wir das freundliehe, im Schatten des kühlen Grundes
gelegene Gasthaus passiert haben, verfolgen wir den Prießnitzbach weiter aufwärts auf dem
rechten Uferwege. Eine hohe Brücke überspannt alsbald das Thal. Wir begeben uns hinauf
auf dieselbe und haben einen schönen Blick in den herrlichen Grund sowohl, wie auch bach-
abwärts auf die Elbthalweitung und den am Horizonte sichtbaren Kamm des Erzgebirges,
zu welchem sich das Gelände sanftwellig emporhebt. In der Thalrichtung sind namentlich
der Geising an der abgeschrägten Kuppenform und der Wilisch leicht erkennbar. Nach
Norden liegt das waldige Heidegebiet und zwar zunächst die Vorstufe des Sandwalles, worein
das Bachthal hier außerordentlich tief eingeschnitten ist. Die Austiefung ist von dem
Wasserlauf in langer Zeit besorgt und die frühere Ausfüllungsmasse, der hoch aufgeschichtet
gewesene Heidesand, mit seinem reichen Gehalt an Granitfragmenten des Untergrundes in
das Elbthal hinabgeschafft worden. Sind doch ganz Antonstadt und Neustadt auf den
Schuttabsätzen der Prießnitz erbaut. Ferner ist der Elbstrom durch die mächtigen Sedimente
der Prießnitz zu einer Ausbiegung von seinem früheren Laufe, der nach den Trachenbergen
zu gerichtet war, veranlaßt worden. 4 )
Wir steigen wieder hinab ins Thal und verfolgen den vielfach gewundenen Lauf des
klaren Gewässers bachaufwärts. Muntere Forellen huschen beim Geräusch unserer Schritte
unter die Uferböschungen oder verschwinden unter einem im Bache liegenden Wurzelstock.
Gröbere Sande bis herab zum feinsten, leicht beweglichen, hellgelben Heidesand bedecken
den Boden des Baehbettes und sind oft quer zur Strömungsrichtung in schönen Wellenfurchen
1) Naumann-Cotta: Geognostische Beschreibung des Königreichs Sachsen, HeftV, S/395. Sekt.
Stolpen der geologischen Spezialkarte, S. 33.
2) „Uber Berg und Thal“, Organ des Gebirgsvereins der sächsischen Schweiz. 18. Jahrg., Nr. 6 u. 0.
3) B. Geinitz: Mitteilungen aus dem Mineralogischen Museum zu Dresden, 1870, 71, S. 8. Isis-
berichte. 1871, S. 148. Vergl. auch Jentzsch: Über das Quartär der Gegend von Dresden. Haüe 1872, S. 17.
Sekt. Dresden, S. 91. 4) v, Gutbier: Sandformen, S. 36.
30
modelliert. Unausgesetzt ' ist der feine , Sand in Belegung. Die gröberen Sandkörner werden
hinabgerollt ins Wellenthal, bleiben dort liegen und werden schließlieb von dem feinen,
darüber hinstreichenden Sande überdeckt, dessen feinste Bestandteile nicht gerollt, sondern
vom Wasser ausgehoben und getragen werden. Ungemein anziehend ist dieses leise, zierliche
Spiel des Wassers und der Sandkörner, namentlich wenn im Sonnenschein die kleinen
weißen, messinggelben öder tombakbraunen Glimmerblättchen aufblitzen.
Die Ufer des Baches sind vielfach zerrissen und ab und zu mit Pfählen, Brettern,
Flechtwerk oder selbst Mauerwerk gefestigt, denn „der kleine, aber heftig einherrinnende
Fluß wechselt, ein wahrer Vagabund, fast jedes Frühjahr und jeden Herbst seinen Lauf." 1 )
Namentlich nach anhaltendem Regen oder im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze richtet
der Bach an den Uferbefestigungen erheblichen Schaden an.
Wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit den Böschungen der Thalsenkung und
namentlich ihrer oberflächlichen Gestaltung zu, so erkennen wir an verschiedenen Stellen
eine Anzahl von Terrassen, welche dadurch entstanden sind, daß der früher auf der Hoch-
fläche fließende Wasserlauf sich immer tiefer und tiefer in die Sandmassen eingearbeitet und
mit seinen Absätzen die Uferlinien seines jeweiligen, frühem Bettes markiert hat. Die
unterste und jüngste dieser Thalstufen wird gebildet von der heutigen Thalsohle, ist von
wechselnder Breite und meist etwa 1,50 m über dem jetzigen Wasserspiegel gelegen. Die
zweite, nächst höhere Terrasse ist nicht überall deutlich erkennbar, doch tritt sie namentlich
hinter der, „neuen Brücke“ am linken Ufer wiederholt, ab und zu auch am rechten Ufer-
hange scharf hervor. An manchen Stellen des Gehänges hat man, um das Herabrollen des
lockeren Sandes zu verhüten, Schutzvorrichtungen, Flechtwerk und dergleichen anbringen
müssen. An besonders steilen Hängen sind Sandübersehüttungen und Abstürze nicht selten
und werden schon von v. Gutbier 2 ) erwähnt. Vergleicht man den Sand des Gehänges mit
dem Baehsande, so findet man zunächst kaum einen Unterschied. Der Sand im Bache ist
nur der noch weiter abgerollte, weiter zerstörte und geschlämmte Heidesand, nur ist der
Bachsand etwas reicher an Magneteisen als der Sand der Gehänge, eine Folge des Ab-
schlämmens der feineren Sandteile beim Transport im Wasser. Bei unserer weiteren
Wanderung immer am rechten Ufer aufwärts beobachten wir häufige. Hegerbildungen des
Wasserlaufes und korrespondierende Nischen an den Bachufern. Das konkave Hohlufer
wird regelmäßig unterwaschen, und die an ihm stehenden Bäume werden zum Sturze ge-
bracht, während das gewölbte, konvexe Ufer den grobkiesigen öder auch feinsandigen Heger
zeigt. Supan erklärt diese Thätigkeit des fließenden Wassers durch das Hinübertreiben der
am schnellsten sich bewegenden Wasserfäden gegen das konkave Ufer, an dem. sie durch
Reibung ihre Bewegungsenergie einbüßen und so am konvexen Ufer wieder aufsteigen. „Die
unmittelbare Folge dieser Bewegungsart ist die Vertiefung des Flußbettes in der Nähe des
konkaven Ufers und die Unterhöhlung und Abnagung des letzteren, während in dem ver-
hältnismäßig ruhigen Raume an der entgegengesetzten Seite Sinkstoffe abgelagert werden.“ 3 )
Zwischen den quer durch das Thal ziehenden Schneisen 21 und 20 kann man weiter die Be-
obachtung machen, daß, nachdem eine Nische außerordentlich weit in das Ufer eingenagt
worden ist, die Strömung nicht mehr in diese hineinführt, sondern daß die Nische durch
1) Sammler für Geschichte und Altertum u.,s.w. im Elbthaje von Hilacher, Bd. 1,8.8.-
2) v. Gutbier: Sandfonmen u. a.w., S. 24. 3) A. Supan: Grundzüge der phyaia'chen Erdkunde.
Leipzig 1884, S. 261.
ai
Kiesbänke abgeschnürt wird. Es werden auf diese Weise starke Biegungen und Windungen,
die der Back erst selbst scbuf, wieder aufgehoben und der Bachlauf geradliniger, bis an
ariderer Stelle die Heger- und Nischenbildung von neuem einsetzt. (Siehe Figur.)
Wir kommen am „Schillergrundsteig“ einer kleinen Holzbrücke, vorüber, hinter
welcher sich das erst breite Thal auffällig verengt, sodaß die untere Thalstufe nur ganz
schmal bleibt, und gelangen schließlich an die „Küchenbrücke“. Nach dem Überschreiten
derselben schlagen wir nicht sofort die Grundstraße ein, sondern gehen erst ein Stück auf-
wärts, bis ein Fußweg rechts abzweigt, der nach der Grundstraße hinabführt. Yon hier aus
läßt sich die Terrassenbildung am linken Thalhange in seltener Deutlichkeit, wie nirgends
wieder im Grunde, erkennen. Im Jahre 1893 hat ein ausgedehnter Waldbrand das ganze
obere Gehänge freigelegt. Scharf treten infolgedessen an dem kahlen Hange die drei Terrassen,
besonders die zweite Stufe, in ziemlicher Breite hervor. Wir, folgen dem Fußwege nach der
Grundstraße und treffen links gleich nach Schneise 18 auf einen verlassenen Anbruch
im Gneis, jener Scholle, die sich zwischen das Lausitzer und das Meißner Massiv ein-
geklemmt findet. Das Gestein zeigt körnig -flaserige Struktur und kennzeichnet sich mit
seinen roten Feldspaten, blaugrauen Quarzen und den häutig verwebten Glimmern als echter
Biotitgneis. Beim Schlag mit dem Hammer erkennt man, daß er sehr blättrig bricht, eine
Folge des Gebirgsdruckes, dem er ausgesetzt gewesen ist und von dem später noch die Rede
sein wird. Derselbe Gneis steht an oben auf der rechten Thalseite in zwei Steinbrüchen,
geschieden durch Schneise 17, zu denen man am besten gelangt, wenn man Schneise 17 auf-
wärts geht und durch die Klappenthür des Wildzaunes unter der Bahn hinweg bis zur
Plateaufläche emporklettert.
: Ehe wir unsere Wanderung im Grunde fortsetzen, sei daran erinnert, daß die Granit-
hochfläche der Lausitz gegen das heutige Elbthal in einer Dislokation abbricht. Während
der nordöstliche Teil der Granitplatte im allgemeinen stehen blieb, ist der südwestliche Teil
abgesunken und liegt jetzt unter den Kreide- und Diluvialschichten des Elbthalhanges ver-
borgen. Aber auch gegen das Meißner Hochland stößt die Lausitzer Eruptivmasse ab und
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ist von diesem Syenit- Granitmassiv durch eine Trennungskluft 1 ) von 200—500 m Breite ge-
schieden. Im Zusammenhänge mit diesen Verwerfungen und Bewegungen, die ihre letzte
Ursache in der allmählichen Auffaltung des Erzgebirges haben, standen nun gewaltige
Pressungen, Quetschungen und Zerreißungen in der randlichen Zone sowohl, wie auch stellen-
weise im Innern des nordöstlichen G-ebirgsteiles , deren Spuren und Wirkungen wir im
Prießnitzthale an verschiedenen Stellen erkennen werden. 2 ) Wir wandern zunächst auf der
Gtrundstraße weiter bis Schneise 16 und begeben uns dann auf einem Fußwege, welcher
rechts abgeht, an die im Bogen nach Osten von der Straße abbiegende Prießnitz. Das linke
Ufer wird von einem steil abfallenden Rücken gebildet, der am Fuße Felsgestein zeigt. Die
Stelle ist bekannt als „Silberbergwerk“ Von der Höhe herab rieselt, aus der Lynchsehlucht
kommend, ein Wässerchen. Untersucht man die im Bache liegenden Felsstücke, so glaubt
man ein gneisiges Gestein vor sich zu haben. Geht man einige Schritte bachabwärts, so
steht am rechten Uferrande ein plattiges Gestein an, welches geschichtet zu sein scheint.
Ganz dünne Lagen desselben sind wie aufeinander gepackt, und ein Schlag mit dem Hammer
genügt, um die Felsart in lauter eckige Brocken zerspringen zu lassen. Wir haben scheinbar
einen zweiglimmrigen Gneis vor uns. Daneben finden sich aber auch Stücke, welche ein
Aussehen wie Thonschiefer haben, sich fettig anfühlen und in ganz dünne Lagen zerblättem.
Wir sind an dieser Stelle aus dem reinen Sandboden in das Granitgebirge gelangt, in
welches sich die Prießnitz im allgemeinen weniger tief als in den Sandwall eingearbeitet hat.
Die Felsmassen, welche das Steilgehänge bilden, sind die ersten Quetschungs- und Zer-
malmungsprodukte des Lausitzer Granites, denen wir begegnen. Wir begeben uns über den
Steg nach dem linken Ufer, klettern am steilen Hange empor und verfolgen den sogenannten
Indianersteig, welcher dicht am felsigen Thalhange hin und schließlich wieder hinab in das
Thal selbst führt. Der höchsten Erhebung dieses Felsrandes gegenüber steht der Granit
unten im Bachbette an und bildet ein gefurchtes Riff, über welches das Wasser plätschernd
hinwegfließt. Am Ufer kann man das Gestein genauer betrachten. Die dünnen Lagen des-
selben sind von zahllosen Klüften durchzogen und stellenweise sehr quarzreich. Diese Zer-
malmungsprodukte des Granites ziehen sich am linken Ufer des Baches hin bis zum Keller-
flüßchen. Über eine Brücke gelangen wir wieder auf die Grundstraße, welcher wir folgen
bis zum Denkstein „Mesch witzruhe“. Hier gehen wir eine kurze Strecke in die rechts ins
Thal einmündende Sandschlucht bis zu einem Steinbruche. Das Gestein, welches daselbst
angebrochen ist, stellt abermals Granit dar, der aber noch ziemlich frisch ist und weniger
durch Pressung verändert als alle bisherigen Vorkommnisse. Namentlich fällt der Reichtum
an Quarz und das Zurüektreten des Glimmers auf. Zurüekgekehrt zur Grundstraße, ver-
lassen wir diese und beginnen eine kurze, aber einsame Wanderung durch herrlichen Wald
auf dem rechten Ufer der Prießnitz. Das Ufer wird bald höher und bietet einen hohen An-
schnitt im Heidesand. Derselbe ist deutlich geschichtet und reich an Granitfragmenten. Auf
dem weiteren Wege bis zur „Todbrücke“ zeigt der Bach häufige Hegerbildungen mit ent-
sprechenden Nischen, wie solche oben schon erwähnt wurden. Bei der Todbrücke erreichen
wir wieder die Grundstraße, die sich alsbald gabelnd links nach Klotzsche, rechts aber in
1) F. Zirkel: Lehrbuch der Petrographie II, S. 131 flg. 2) R. Beek: Über gequetschte Granite.
0. Herrmann: Über die Wirkungen des Gebirgadruckes in der westlichen Lausitz; Berichte der natur-
forschenden Gesellschaft zu Leipzig 1890/91, S. 113 u. 116.
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dem Grunde weiter führt bis zu dem zwischen Schneise 14 und 13 an der Prießnitz befind-
lichen großen Steinbruehe. Hier lassen sich die Wirkungen des Gebirgsdruckes, die Spuren
der langandauemden Pressungen und Verschiebungen im Gestein sehr schön studieren. Die
anstehende Felsart, zweiglimmriger Granit, zeigt zahlreiche Klüfte und Spalten. Auf den
Kluftflächen kann man öfter spiegelnde Harnische und Gleitflächen beobachten. Ferner ist
das sonst kompakt erscheinende Gestein durchzogen von zahllosen feinen, dem bloßen Auge
unsichtbaren Haarspalten und Rissen, ja die Quarze und Feldspate sind, wie das Mikroskop
gelehrt hat, häufig zertrümmert und zerdrückt und die Bruchstücke gegeneinander verschoben.
Also bis ins kleinste lassen sich die Wirkungen der gebirgsbildenden Kräfte verfolgen. Bei
lieser Beschaffenheit des Gesteinsgefüges darf es nicht wunder nehmen, wenn unter dem
Hammerschlag das Gestein splittrig bricht, ein Umstand, der auch dessen technische Ver-
wendung ungünstig beeinflußt. Noch mag erwähnt werden, daß die Klüfte der bald gneisig,
jald thonschieferähnlich veränderten Felsart öfter von Quarz oder Kalkspat erfüllt sind.
Dieser Bruch in der Granitquetschzone ist weiter deshalb interessant, weil in ihm
iin etwa % m mächtiger Gang von Glimmerporphyrit aufsetzt, der in Struktur und Farbe
lern Porphyrit von Weißig gleicht. Bei einiger Aufmerksamkeit kann man das Ganggestein
licht übersehen. Es ist aufgeschlossen etwa 60 Schritt vom Beginn des Bruches entfernt,
gerade gegenüber den daselbst aufgestellten Tafeln über Unfallverhütung. Obwohl nun der
langkörper des Porphyrites im starkveränderten Granit eingeschlossen ist, zeigt das Gang-
festein doch selbst keine Spuren des dynamischen Prozesses 1 ), ein Zeichen dafür, daß der
kxrphyrit in die Spalte emporstieg, als die Bewegungen im Gestein in der Hauptsache vor-
über waren. Wir verlassen den Bruch, in dessen östlichem Teile das Gestein nur wenig
lurch die erwähnten Vorgänge verändert ist und verfolgen den Bach weiter aufwärts. Der
Veg hat felsigen Grund, auch liegen im Bachbette selbst zahlreiche Blöcke von Granit.
Bald kommen wir an den „Wasserfall“. Zwischen hohen Ufern stürzt hier das Wasser über
iin quer durchsetzendes Granitriff, welches im Bachbette namentlich durch eine Anzahl genau
»arallel ziehender Spalten in bankartige Gebirgsglieder 2 ) zerlegt wird. Selbst dem flüchtigen
Beobachter können hier diese augenfälligen Zerklüftungen des Granites nicht entgehen, die
hermals auf den Gebirgsdruck zurückzuführen sind.
Würden wir die Prießnitz noch weiter rückwärts verfolgen, so gelangten wir in das
lebtet des Heideplateaus, welches von unverändertem Granit gebildet wird. Es empfiehlt
ich daher, hier die Exkursion abzubrechen und zum Schluß dem Bruche an der Grund-
traße zwischen Schneise 12 und 13 einen Besuch abzustatten, in welchem unveränderter
rranit von einem Diabasgang durchsetzt wird. Für die Feststellung des geologischen Alters
er beschriebenen Druckerscheinungen im Granitgebiet giebt das Vorkommen des Diabases
inen Anhalt.
6. Das Rotliegende von Weißig.
Die Lausitzer Hochfläche, welche außer ihrer Diluvialbedeekung nur spärliche Reste
er Braunkohlenformation und der Kreidebildungen trägt, weist im Osten von Dresden,
wischen Rossendorf, Kleinerkmannsdorf und Weißig ein isoliertes, von der Erosion augen-
sheinlich stark reduziertes Becken von Rotliegendem auf, welch es. wegen der Übereinstimmung
1) Sekt. Moritzburg, S. 32, 44. 2) Sekt. Moritzburg, S. 40.
1897. Jahreeber. Nr. 574.
5
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der Fossilreste mit dem erzgebirgischen Rotliegenden parallelisiert werden muß. Wir benutzen,
um dahin zu gelangen/den Losehwitzgrund und den seine Fortsetzung bildenden Bühlauer
Grund. Vom Gasthof zur Eule an gewinnt das Thal an landschaftlicher Schönheit und enthält
neben verschiedenen, verlassenen Steinbrüchen, kurz vor der Ausmündung auf die Bautzner
Landstraße, links zwei Aufschlüsse in stark verwittertem Granit, von denen der zweite aber
wegen eines Pegmatitganges, den der Verfasser im November 1894 daselbst vorfand, Er-
wähnung finden mag. Auf der durch zahlreiche große Muskövitblätter glänzenden Fläche
des Ganges waren vielfach schwarze Turmalinaggregate von 1—2 cm Kry stall große sichtbar:
Leider ist dieses schöne Vorkommnis bald verschwunden, und im Jahre 1896 (September)
war auch das gebrochene Gestein so stark verwittert, daß es nur noch gelang, an Augen-
gneis erinnernde Varietäten des Granites mit großen, linsenförmigen Quarzeinschlüssen nach-
zuweisen.
Nachdem wir auf die Landstraße gelangt sind, erkennen wir alsbald zur Linken em
sumpfiges Wiesengebiet, welches bis weit in den UUersdorfer Wald hinüberreicht und durch
ein Bächlein nach dem Bühlauer Grund zu entwässert wird. Thonig verwitterter Granit im
Untergründe dürfte die Ursache dieser Versumpfung sein. Nachdem wir Bühlau durchschritten
haben, beginnt namentlich zur Rechten das Terrain wellig zu werden. Die Straße führt
über den nördlichen Ausstrich der Granitwelle des Taubenberges abwärts in eine flache De-
pression, die abermals in einem durch Erlengebüsch und Sauergräser gekennzeichneten Sumpf-
gebiete mit einem schilfumstandenen Teiche eingenommen wird. Wiederum geht die Straße
über einen Granitrücken, auf dem bereits die ersten Häuser von Weißig stehen. Nunmehr
führt der Weg hinab in das eigentliche Dorf, welches am Fuße des schon von weitem sicht-
baren Hutberges an einem Bache liegt, der aus dem sumpfigen Terrain südlich von Weißig
kommt und seine Wasser nordwärts in die aus dem Rossendorfer Teiche entspringende
Prießnitz schafft. Wir gehen am Gasthofe vorüber auf der Straße weiter, bis nach etwa
acht Minuten bei. zwei großen Linden ein Fahrweg rechts abgeht, der nach dem, schon von
der Anhöhe vor Weißig sichtbaren, großen Steinbruche im Hutberge führt.
Das daselbst angebrochene Gestein ist im nördlichen Teile des Bruches von bläulich-
grüner Farbe, am südlichen Ende ist es meist graubraun oder durch Verwitterung braun
gefärbt. Zahllose Klüfte durchziehen dasselbe und erleichtern so die chemische Zersetzung
und Verwitterung. Nach der Oberfläche zu ist denn auch die Felsart in ein Haufwerk
eckiger Brocken zerfallen, auch sonst zeigt sich beim Bearbeiten mit dem Hammer das Vor-
handensein von Verwitterungsklüften, sodaß man ordentliche Handstücke nur schwierig
schlagen kann. Das Gestein, welches von Jentzsch als Amygdalophyr benannt wurde, ist
nach dem mikroskopischen Befunde und nach der neuerdings üblichen Namengebung als
Porphyrit zu bezeichnen, d. h. als eine Felsart, welche bei dem Mangel an Quarz nur por-
phyrischen Feldspat aus der Grundmasse ausgesehieden enthält. 1 ) Sonst ist dem unbewaffneten
Auge weiter nichts erkennbar als die Fülle großer und kleiner bis kleinster Blasenräume,
welche das Gestein namentlich im Hangenden aufweist. Dieselben sind von rundlicher bis
eiförmiger Gestalt, aber auch langgezogen schlauch- bis spaltenförmig und fast stets aus-
gekleidet mit verschiedenen Mineralien, unter denen Chalcedon, Quarz, Hornstein und Kalk-
spat die häufigsten sind. Die dann als Mandeln bezeichneten Bildungen lassen sich am
1) F. Zirkel: Lehrbuch der Petrographie Bd, H, S, 537, 547. Sekt. Pillnitz, S. 25,26,
35
besten sammeln im Hangenden der Gesteinsmasse, wo sie unter einem Haufwerk verwitterter
Felsbrocken meist lose liegen. Die kleineren Mandeln bestehen in der Regel aus Quarz von
schneeweißer Farbe, bisweilen aus Rauchquarz. Eine Mandel wurde vom Verfasser gefunden,
die aiis schneeweißem Kaolin, jedenfalls dem Verwitterungsprodukt einer Feldspatdruse,
bestand. Die größeren zeigen als äußere Ausfüllung der Hohlräume bläulichen Chaleedon,
fta.nn Quarz und Kalkspat. Öfters ist der Kalkspat von den Sickerwässem wieder ausgelaugt
und die Rhomboederform scharfkantig zurückgeblieben, sodaß es nachmals zur Bildung von
Ausfüllungspseudomorphosen kommen kann. Ist das Innere der Mandel hohl, so zeigt die
Auskleidung oft schöne Krystallbil düngen. Außer diesen Hohlräumen weist das Gestein, auch
namentlich im Hangenden, Kalkspat- und Quarzadern auf, die wir als Spaltenfüllungen an-
zusehen haben.
Der Weißiger Porphyrit, der als gasdurchtränkte Eruptivmasse aus der Tiefe empor-
drang und sich in Form einer Decke auf den später zu beschreibenden Schichtgesteinen aus-
breitete, bildet nicht nur die Kuppe des Hutberges, sondern krönt auch die ostwärts gelegene
Höhe des Lindenberges. Steigen wir auf den Hutberg hinauf und auf dem nach Osten
gerichteten, langgezogenen Rücken wieder hinab zu der vor uns liegenden Anhöhe empor,
so erkennen wir schon von ferne in der Gipfelpartie einen Steinbruch, den wir aufsuchen.
Das Gestein ist wieder der uns vom Hutberge bekannte Porphyrit, der sich in nichts weiter
von letzterem unterscheidet, als in der Beschaffenheit der Mandeln. Dieselben zeigen nämlich
hier als äußerste Ausfüllung außerordentlich oft ein rosarot gefärbtes Mineral, welches von
Jentzsch den Namen „Weißigit“ erhielt und ein orthoklastischer Feldspat ist. Die Kalkspat-
ausfüllungen der Mandeln sind nicht selten prächtig krystallisiert, wie überhaupt die Mandeln
des Lindenberges sich vor denen des Hutberges durch Größe und Schönheit auszeichnen.
Gehen wir nun nordwärts hinab zur Straße und auf dieser nach Weißig zurück, so
erkennen wir unschwer, daß die beiden, jetzt durch eine Einsattelung geschiedenen Kuppen
jedenfalls einer Decke angehören, die teilweise erodiert wurde. Diese Annahme gewinnt an
Wahrscheinlichkeit, wenn wir zum Hutbergbrüch zurückkehren und daselbst im innersten
Winkel, gegenüber der Bretterbude bemerken, daß das Eruptivgestein auf einer nach Süd mit
30- — 40 Grad einfallenden Gruppe von Schichtgesteinen auflagert. Diese zu oberst breccien-
artigen, gelbgrünen, darunter graugrünlichen und stark glimmerigen Lagen sind Tuffe und
Sandsteine, welche den Nordflügel einer rotliegenden Mulde bilden, deren Peripherie nord-
wärts' mit wechselndem Streichen der Schichten um den Hutberg und den Lindenberg herum-
zieht und welche mi t den alsbald zu erwähnenden Brandschiefem und Konglomeraten die
basale Sehichtengruppe für den Porphyriterguß bilden. Die oberen Tufflagen nach dem
Porphyrit zu umschließen bisweilen kleinere Linsen und Schnätzen von mulmiger Kohle. Der
Verfasser fand im September 1896 eine ziemlich breite Lage dieser Kohle. Bemerkenswert
erscheint noch die Beobachtung, daß die Tuffoberfläche, auf welcher die Kohle auflag,
eigentümliche Holzstruktur und ein netzartiges Geäder von Rippen und Rissen zeigte. Die
Kohle selbst roch etwas bituminös und verbrannte im Gebläsefeuer mit reichlicher Hinter-
lassung einer grauen, schiefrigen Asche. Die ganz geringfügigen Vorkommnisse dieses
Kohlenschmutzes, namentlich aber das Vorkommen schwarzer, bituminöser Brandschiefer sind
wiederholt die Veranlassung zum Abteufen von Versuchssehächten gewesen, zum letzten Male
im Jahre 1874- Der damals, niedergebrachte Schacht durchsank die in einer Mächtigkeit von
ca. 62 m lagernden Schichten des Rotliegenden, reichte noch 12 m in das granitische Grund-
36
gebirge und gab einmal wertvolle Aufschlüsse über die Lagerung der Formation überhaupt,
wie auch namentlich über die reiche fossile Flora, die von E. Geinitz bestimmt wurde und
die Schichtengruppe als Rotliegendes erkennen ließ.
Die Pflanzenreste fanden sich vornehmlich in den oben erwähnten Brandschiefem.
Heutzutage, wo man die Schächte wieder verfällt und die Schutthalden entfernt hat, findet
man diese Brandschiefer nur noch in Lesesteinen auf den Feldern des Südabhanges vom Hut-
berg. Um dahin zu gelangen, geht man vom Hutbergbruche aus auf dem nach dem Fried-
hofe zu hinter demselben hinwegführenden Fahrwege, dessen Untergrund Granit bildet,
vorwärts bis zum dritten nach dem Hutberg hinauffährenden Feldwege. Diesen oder auch
den vierten und fünften dieser Querwege verfolgt man bis zur Senkung. Zur Zeit der Feld-
bestellung im Frühjahr oder Herbst findet man dann neben zahlreichen Granitfragmenten
aufgepflügte und verschleppte Lesesteine des Brandschiefers, der beim Zerschlagen zahlreiche,
nur leider meist undeutliche Pflanzenreste enthält. Von deutlich erkennbaren Fossilien sind
dem Verfasser meist Walchien zu Gesicht gekommen. Auch Stücke von graugrünem,
glimmerigem Sandstein, wie solcher mit den Brandschiefern in der Tiefe wechsellagert, sind
nicht selten. Noch mag erwähnt werden, daß die Brandschieferbruchstücke bisweilen Linsen
von schneeweißem Kalkspat enthalten und dann eigentümlich aufgetrieben aussehen.
Wir kehren zum Fahrweg zurück, verfolgen diesen weiter, überschreiten, uns immer
rechts haltend, bei den Häusern einen nach dem Lindenberge führenden Feldweg und gelangen
auf dem linken, als Viehtreibe bekannten Wege an einen alten Bruch, wo stark zersetzter
brauner Porphyrittuff angebrochen ist. Man kann auf den ersten Bliek das Gestein schwer
von verwittertem Porphyrit unterscheiden, nur auf frischen Bruchflächen bemerkt man das
Fehlen der krystallinischen Struktur. Im übrigen sei noch darauf hingewiesen, daß nach
den Beobachtungen beim Abteufen eines Versuehsschachtes das Rotliegende in der Tiefe
gegen den Granit verworfen ist, sodaß letzterer teilweise über die Brandschiefer zu
liegen kam, 1 ) '
Wir kehren zu den einzelnen Häusern zurück und verfolgen dann den links an der
Wiese entlang am Teiche vorüberführenden Fußweg, von dem sehr bald links ein schmaler
Pfad quer über die Sumpfwiesen nach der Schullwitzer Straße führt. Diese ist gerade da,
wo der Fußpfad sie erreicht, in den Unterquader der Schullwitzer Cenomanscholle ein-
geschnitten. 2 ) Im Juli 1896 hatte man daselbst den Grund zu einem Hause und einen
Brunnen gegraben (Besitzer Grötzschel), wobei man zu oberst dünnplattigen, mürben, gelb-
lichen Sandstein antraf. Derselbe war sehr feinkörnig und enthielt helle Glimmerblättchen.
Dann folgte, etwa 60 cm mächtig, lockerer Sand mit zahlreichen, lagenförmig angeordneten
Fragmenten von Sandstein. Der Sand erwies sich außerordentlich reich an feinsten, weiß-
glänzenden Glimmerblättehen, die beim Auswaschen lange- im Wasser suspendiert blieben.
Die Körner des Sandes waren meist gut gerundet. Der Rückstand im Quadratmillimetersieb
zeigte unter den vorherrschenden, grauen oder weißen Quarzen vereinzelte rote, sowie Körner
von Kieselschiefer. Die weißen Quarzkömer hatten eine eigentümliche, wie zerfressen äus-
sehende Oberfläche. 8 ) Die im Sande eingebetteten Sandsteinfragmente waren teils feinkörnig,
teils grobkörnig und glimmerreich. Unter diesem Schichtenkomplex lag nun fester, hell-
1) Sekt. Pillnitz, S. 32. 2) v. Gntbier: Skizzen u. s.w., S. 48; Sekt Pillnitz, S. 40; 3) P. Zirkel:
Lehrbuch der Petrographie, Bd. III, S.717.
37
gelber bis fast weißer, fein- und grobkörniger Sandstein in einer Mächtigkeit von 2 m. In
diesem gleichfalls glimmerreichen Sandstein fand Verfasser mehrfach undeutliche Steinkerne
von Exogyra ' columba Lam. Schließlich wurde dieses Gestein unterlagert von rotbraunen,
weißgesprenkelten, glimmerreichen Arkösen, in denen der Brunnen etwa 6 m tief stand.
Zweifellos gehören diese letzten Schichten zum Rotliegenden.
Der Quaderrest der Schullwitzer Scholle, in welcher jetzt gute Aufschlüsse fehlen,
ist das Überbleibsel einer einst allgemeineren Quaderbedeckung, die, wie auch der Südflügel
der Weißiger Rotliegenden -Mulde, der Erosion verfiel. Wir gehen nun auf der Schullwitzer
Straße nach Weißig zu, am Dorfteich vorüber bis zur Kirche, wo links der Weg nach
Gönsdorf auf die Granithochfläche führt und von wo wir den Hut- und Lindenberg mit der
zwischenliegenden Einsattelung nochmals gut überblicken können. Das Plateau, auf dem wir
weiter wandern, hat sanftwellige Konturen. Wir kommen vorüber am Gönsdorfer Turm und
der Windmühle und genießen von diesem hochgelegenen Punkte eine liebliche Aussicht auf das
Elbthalgebirge. Nun m ehr führt der Weg allmählich aber beständig abwärts über verschiedene
Bodenwellen. Am Gasthofe zu Pappritz weist uns ein Wegweiser auf den rechts abführenden
Fußweg nach Niederpoyritz, auf dem wir zwischen dem buschigen Hange, wo überall der
Granit ansteht, und dem tiefen waldigen Grunde uns hinab zur Dampfschiffhaltestelle begeben.
7. Der Heller.
Die Exkursion gilt vor allem den Resten ■ der Kreideformation, die dereinst sicher
das rechtselbische Granit -Syenit -Plateau bedeckt hat, sowie einigen spärlichen Überbleibseln
der Braunkohlenformation.
Von Dresden -Neustadt kommend, überschreiten wir auf der Großenhainer Straße
und Kanonenstraße eine breite, fast vollkommen horizontale, der Feldwirtschaft und dem
Gemüsebau dienende Thalsandebene, über welcher dereinst die Fluten der diluvialen Elbe bis
zu den Trachenbergen sich ausbreiteten. Diese Ebene liegt heute nur etwa 5 m über der
von Flußkies und Sand gebildeten unteren Eibaue und wurde bei besonders hohen Elbfluten
auch wiederholt überschwemmt. Eine solche Elbflut hat z.B. am 5., 6. und 7. Februar 1655
das ganze Gebiet bis zu den Trachenbergen unter Wasser gesetzt, und konnte man von der
Augustusbrücke das Wasser mit den Händen erreichen. 1 )
Als Zeugnis dafür, daß wir hier alten Stromboden vor uns haben, dient auch die
Notiz 2 ), daß es am Fuße der Trachenberge Stellen gab, wo einst das Schilf so kräftig wuchs,
daß dessen gänzliche Ausrottung mit nicht geringer Mühe verbunden war. Ebenso drangen
naeh den vom Verfasser auf der König!. Wasserbaudirektion eingesehenen Überschwemmungs-
karten der Jahre 1845 und 1890 die Fluten über diese Fläche vor, sodaß nur Trachau und
einige höher gelegene Gebiete inselartig aus den Wassern hervorragten. Die Preßler’sche
Überschwemmungskarte von 1845 sowohl, wie die von Dr. Wilhelm Schäfer herausgegebene
Übersichtskarte derselben Hochflut, lassen einen alten Stromarm erkennen, der in der
Richtung der heutigen Glacisstraße nach dem Albertplatze sich hinzog, wo früher ein Sumpf-
loch sich befand. Durch die Alaunstraße ging dieser Wasserarm bis zum „Kuchenloch“, in
der Höhe der Louisenstraße und dann westwärts nach der schlesischen Bahn und denScheunen-
1) Lindau, Bd. H, S. 131, 2) Sammler für Geschichte u. s.w. von Hilscher, I, S. 2.
38
Hofen zu. Auch von den Waldschlößchenwiesen soll sich früher eine als Stromrinne zu
deutende Senkung westwärts erstreckt haben.
Tom St. Pauli -Friedhof führt die Hellerstrasse ansteigend auf die Heidesandterrasse
hinauf, die bei der Mörtelfabrik in hohem Anschnitt entblößt ist. Durch den Wald gelangen
wir über den Artillerieexerzierplatz nach der „Hellerschenke“ wo sich die Straße dann wieder
hebt und das Syenitplateau erreicht. Wir folgen der Straße nach Rähnitz zu. Rück-
wärts überschauen wir das Elbthal mit der vieltürmigen Residenz, und hinter derselben
erhebt sich der Windberg, dessen 352 m hochliegender Gipfel fast niedriger erscheint als
die nur etwa 215 m hoch ansteigende Rähnitzer Hochfläche. Von der Wegteilung nehmen
wir die Straße nach Radeburg. Nach wenigen Schritten treffen wir rechts einen Block von
etwa 1 cbm Inhalt von Braunkohlenquarzit. Gerade an dieser Stelle führt links ab ein Fuß-
pfad in verschiedenen Windungen am rechten Hange der sumpfigen Terrainsenkung hin, in
der die von Botanikern wegen ihrer reichen Wasserpflanzenflora einst gern aufgesuchten
Olterteiohe (jetzt abgelassen) liegen, zu den Oltersteinen. 1 ) Es sind dies zwei große Blöcke
von Braunkohlenquarzit, Reste der Knöllensteinzone der denudierten Braunkohlenformatioü.
Kleinere Stücke dieses Gesteines finden sich auch als Lesesteine in der Umgebung.
Zur „Hellerschenke“ zurückgekehrt, schlagen wir den Weg gerade am Gasthaus
gegenüber nach dem „Wilden Mann“ ein, der sehr sandig ist und zunächst durch Schonung
führt, und gelangen bald am Abhange des Syenitplateaus an eine Stelle, wo im Sande Lese-
steine von Sandstein sich zerstreut finden. Das Gestein ist löcherig zerfressen, von grauer
bis gelblicher Farbe und ist ein dürftiger Rest einer einst ausgedehnten Cenomanbedeckung. 2 )
Wiederum auf die Hellerstraße zurückgekehrt, biegen wir in den am Abhange des Plateaus
an der Mauer ostwärts hinführenden Weg ein. Rechts auf dem sandigen Übungsplätze er-
blicken wir das Brunnenhäuschen und bald darnach im Walde links eine Lichtung. Lese-
steine von Pläner' weisen uns etwas aufwärts zu einem verfallenen Steinbruch im Labiatus-
pläner mit sehr spärlichen organischen Resten, dessen Schichten stärk zerrüttet sind und mit
etwa 45 Grad nach Südost einfallen.. Unterhalb dieses Anbruches ist ein zweiter, der das
Einfallen der Schichten noch deutlicher zeigt. Das Gestein ist dunkelgrau, reich an Glimmer-
schüppchen und braust stark mit Salzsäure.®) Das verhältnismäßig steile Einfallen der
Schichtung nach dem Elbthal zu findet seine Erklärung dadurch, daß die 'Syenithochfläche,
an deren Saum wir die gestörten Plänerschichten vorfinden, durch die große Lausitzer Ver-
werfung gegen das Elbthal absehneidet. Wir kehren nochmals zur „Hellerschenke“ zurück
und wandern an der Gartenmauer rechts aufwärts, dann rechts ab auf einem, an einem
Wässerchen hinführenden Fußwege weiter. Später führt uns ein Feldweg auf den Pillnitz-
Moritzburger Weg. Wir folgen diesem in der Richtung nach Dresden zu. Dort, wo er
einen deutlichen Bogen macht, ist zur Linken Gelegenheit, am Felde Lesest’eihe Von Elb-
schotter, darunter Basalt- und Sandsteingeschiebe, zu sammeln. Wir haben hier einen Lappen
der stark denudierten Flußsehotterablagerüng der Diluvialzeit, von welcher Reste bis weit
nördlich von Rähnitz vorhanden sind. Bald' führt der Weg an einem alten Syenitbruche
vorüber abwärts.. Da fallen am Waldrande Plänerfrägmente auf, bis wir endlich am We'g-
1) v. Gutbier: Die Sandformen der Dresdner Heide, S. 23. v. Gutbier: Skizzen u. s. W.,S. 71, 72.
Sekt. Moritzburg -Klotzsche, S. 47.
2) Sekt. Moritzburg -Klotzsche, S. 45. 3) Sekt. Moritzbürg - Klotzsche, S, 45.
39
anschnitte links anstehenden Pläner an treffen, am deutlichsten da, wo ein Baum isoliert in
einem Schürf auf einer Plänerklippe steht. Abermals verrät sich das dunkelgraue Gestein als
Labiatuspläner.
Bei der weiteren Wanderung durch den Wald hat man die beste Gelegenheit, schöne
Dreikanter zu sammeln, die hier zumeist aus Quarz und Kieselschiefer, seltener aus Syenit
bestehen. An der dicken, abgestorbenen Eiche vorbeikommend, gelangen wir bald auf die
Königsbrücker Straße und auf die Heidesandterrasse, über welche die Straße beständig ab-
wärts führt, bis wir an der Schützenkaserne wieder die Thalsandstufe erreichen.
8. Kaditz-Kadebeul.
Yon der Endstation der Straßenbahn in Pieschen gehen wir wenige Schritte auf der
Leipziger Straße weiter und biegen dann links in die Meißner Straße ein, die uns an der
Elbe entlang führt. Die Elbe macht hier den als „Pieschener Winkel“ bekannten, auffälligen
Bogen nach Norden, wozu sie durch die mächtigen Schuttablagerungen der Weißeritz an
deren Mündung in den Strom veranlaßt worden ist. Am Feuerwehr- Steigerhaus geht rechts
die Straße nach Serkowitz ab, die wir einschlagen. Wir kommen nunmehr über eine breite
Thallehmebene, an der Ziegelei von Leonhardt vorüber und erblicken schon von weitem an
der Südostecke des Kaditzer Tännichts eine große Sandgrube. 1 ) Am Kaditzer Schulhaus
führt rechts ab ein Fahrweg zu drei großen Gruben. Die erste, dem Baumeister Jähnichen
gehörig, zeigt zu oberst, etwa bis zu 1,30 m Mächtigkeit, ungeschichteten, hellgelben Heide-
sand, fast frei von größeren Geschieben. Dann folgt ausgezeichnet geschichteter Heidesand,
welcher die prächtigste diskordante Parallelstruktur zeigt und ziemlich reichlich Magneteisen
enthält. Unter dem Heidesand lagert grober Flußkies mit zwischengeschalteten sandigen
Lagen, und zwar liegt die Grenze gegen den Heidesand im Niveau der benachbarten Thal-
lehmebene, sodaß, da auch ein Farbenunterschied obwaltet, dieser kiesige, an größeren, elb-
gebirgischen Geschieben reiche und ebenfalls schräge Schichtung zeigende Sand nicht wohl
zum Heidesand gezogen werden kann. 2 ) Yon charakteristischen Geschieben wurden aus diesen
Kiesen und Sanden, neben vereinzelten nordischen Graniten und Feuersteinen, namentlich
böhmische Basalte, Phonolithe, Quadersandsteine, Lausitzer Granite gesammelt, zum Zeugnis
• dafür, daß es die Elbe war, welche diese Sedimente gebildet hat. Verfolgen wir den Fahr-
weg weiter nordwärts, so kommen wir an einer zweiten Grube vorüber, deren Material gleich
gegenüber zur Cementwarenfabrikation verwendet wird, zu der großen Clemen’schen Sand-
grube, die einen Besuch verdient. Hier zeigt sich im Heidesand, der diskordant geschichtet
ist, bis % m mächtig eine isabellfarbige, lehmige Lage an der Nordwand der Grube. Die
unter dem Niveau der Thallehmebene lagernden groben Kiese und Sande führen große, bis
y m im Durchmesser haltende böhmische Basalt- und Quadersandsteingeschiebe und zeigen
wieder in seltener Schönheit die schräge Schichtung. Bei einem Besuch der Grube im
September 1896 wurde mir daselbst ein im Sand halb versteckter, über 2 m langer und
1 m breiter Granitblock gezeigt, den sechs Pferde nicht hatten fortbewegen können. Das
Gestein war grobkörnig und von rötlicher Farbe. Für ein Elbgeschiebe ist der Block zu
groß, sodaß er wohl nordischen Ursprungs sein dürfte, worauf auch Struktur und Gesteins-
farbe hinweisen. In den tieferen Lagen des Sandes gewahrt man ferner ab und zu eine
1) Seiet. Dresden, S. 68. 2) Isisberichte 189Ö, S. 77.
40
kohlschwarze Schicht von etwa halber Handbreite, in welcher die einzelnen Gerolle mit einem
kohligen, abfärbenden, schwarzen Pigment überzogen sind, Im Giebläsefeuer verbrennt die
schwarze Masse nicht vollständig, sodaß sie wohl metallischen Ursprungs ist.
In den tieferen Teilen der Grube steht gewöhnlich Wasser, nach Aussage der Arbeiter
Stauwasser von Elbhochfluten her, welches bei Serkowitz in die Seegrabenrinne tritt und
beim Hochwasser 1890 z. B. bis zur neuen Schule von Kaditz zurückstaute. Gehen wir auf
dem Fahrweg weiter, so kreuzen wir die breite, zwischen den beiden Waldparzellen des
Kaditzer Tännichts hinziehende, von den Seewiesen eingenommene Senkung, die, mit Aue-
lehm ausgekleidet, als alte Elbstromrinne erkannt wurde. Noch heute fließt als schmales
Wässerchen der Seegraben durch diese Mulde, kenntlich an den Weiden und Erlen, die an
seinen Ufern stehen. Wir kommen alsbald auf eine Straße, die durch den nördlichen Teil
des Tännichts nach Radebeul führt. Der Boden des Wäldchens ist flach wellig und besteht
aus hellgelbem Heidesand mit spärlichem Magneteisengehalt, wie in einer Sandgrube gegen-
über der Elbthalbrauerei zu konstatieren ist. In zehn. Minuten sind die ersten Häuser von
Radebeul erreicht. Beim Marsche durch das Dorf erkennen wir zur Linken die Stromrinne
des Seegrabens. Bald geht links ein Weg ab, der uns durch die Senkung seihst auf die
Straße nach Kaditz bringt. Nachdem wir die Serkowitzer Straße gekreuzt haben, treffen wir
zwei Kiesgruben links vom Wege, dem Architekt Käfer und der Firma Schröder und Gumlich
gehörig. Beide Aufschlüsse bestehen erst seit zwei Jahren, sind demnach auf der geologischen
Spezialkarte nicht verzeichnet. Das Material, welches man aus den Gruben gewinnt, wird
sofort an Ort und Stelle zu Cementwerkstücken verarbeitet. Es ist dies in der Hauptsache
der Thalsand, der mit Thalkies wechsellagert und in sehr ausgezeichneter Weise die dis-
kordante Parallelstruktur zeigt. Von Geschieben wurden böhmische Basalte und Phonolithe,
Elbsandsteine, Lausitzer Granite und vor allem Feuersteine gefunden. Es hat sich also
augenscheinlich nordisches, aus zerstörten Diluvialablagerungen stammendes Material mit elb-
gebirgischem gemischt. Als Absätze der Urelbe haben diese Ablagerungen die größte
Ähnlichkeit mit den Basisschichten der Sandgruben im Kaditzer Tännicht.
Wir wandern weiter durch Kaditz' auf der Straße fort bis zum letzten Hause des
Ortes am Südostende. Hier teilt sich der Weg. Wir verfolgen erst den breiteren, dann
nach wenigen Schritten den rechts abzweigenden Feldweg, der uns zum Pionier Übungsplatz
und zu einer alluvialen Stromrinne führt, die bei Mickten von der Eibaue abgeht und bei
Kaditz den Strom wiedergewinnt. Die tiefste Stelle ist noch mit Wasser gefüllt und dient
zu Pontonierübungen, Der nach Mickten weiterführende Feldweg hält sich immer am rechten
Hange der sehr deutlichen, von Wiesen eingenommenen Mulde. In diese tritt das Hoch-
wasser sehr gewöhnlich ein, sodaß dann Ubigau -Mickten von Pieschen getrennt ist und
ebenso wie Kaditz inselartig aus dem Überschwemmungsgebiet aufragt. Diese Stromrinne,
eingeschnitten in die diluviale Thalsandterrasse der oberen Eibaue ist alluvialen Alters und
ausgekleidet mit fettem Auelehm, de.m feinen Detritus der Hochfluten. Von Mickten aus er-
reichen wir in wenig Minuten Pieschen und die Endstelle der Straßenbahn.
9. Weinböhla.
Die breite Thallehmebene zwischen dem westlichen Bruchrande des Meißner Syenit-
Granit -Massivs auf der rechten Elbseite und dem linken Elbrande, bez. dem isolierten Spaar-
gebirge stellt eine Grabensenkung der unterturonen Plänerformation zwischen Eruptiv-
Tafel I
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Verteilung der Leluue der Hochflächen im
Quadergebiet.
Die Kreuze links der Elite deuten die Haupt-
kluftsysteme im Quader an, die Striche und
Kreuze rechts der Elbe Pressungsklfifte iiu
Granit.
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£*- Stromstrieli . aagedoutet durch die
Verteilung der Lehme der Hochflächen im
Quadergebiet.
Die schraffierten Flächen bilden das Über
Schwein m ungstfubiet der Hochflut von 1840
Isi^sUnnersdorf
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Cf rund
41
gesteinen dar. Vor der Lostrennung des Spaargebirges vom Meißner Massiv floß der Elb-
strom in ansehnlicher Breite nach Broekwitz über Zaschendorf durch die sogenannte Nassau,
wo im vorigen Jahrhundert noch der Fürstenteich lag, um dann bei Cölln das heutige
Strombett wieder zu gewinnen; noch früher mag die Urelbe nach Großenhain zu abgeflossen
sein, wie die Schotterabsätze bei Oberau, Grobem, Ockrilla verraten. Im Untergründe lagert
allerwärts der Pläner, den die zahlreichen Grabeneinschnitte bpi Niederau erreichen. Auch
im Oberauer Tunnel war seiner Zeit die Auflagerung der Plänerschichten auf dem Granit-
grundgebirge sehr schön aufgeschlossen.
Wir fahren mit der Bahn bis Sörnewitz und sehen dort im Westen einen auffälligen
Hügel, den sogenannten Kuhhübel. Hier durchragt der Pläner, mit einem Mantel von Heide-
sand und einem diluvialen Schotterrest, die Ebene. 1 ) Wir schlagen den Weg nach Weinböhla
ein, der uns an Mohns Kalkofen vorüber durch den Wald nach dem sich schon durch den
aufsteigenden Rauch verratenden, am Fuße der Plateaufläehe gelegenen Kalkofen von Vetter
und Quittei führt. Es lassen sich da aus den Plänerkalkhaufen sehr bequem die häufiger
vorkommenden Petrefakten sammeln, die später beschrieben werden sollen. Jetzt sei nur
erwähnt, daß das Gestein sehr häufig Eisenkiesnieren und rundliche oder schlauchförmig
langgezogene Konkretionen dieses Minerals enthält, die bisweilen zu Roteisenerz zersetzt
sind. Auch in der Nähe namentlich der fossilen Fischzähne findet sich oft fein verteilter
Eisenkies. Der Kalkstein enthält außer Glaukonit noch ab und zu faserigen Kalkspat von
hellbrauner Farbe und auf Klüften weißen Kalkspatüberzug. Rutschflächen sind ebenfalls
nicht selten. Wir gehen nun links ab auf der Fahrstraße nach den Mohn’schen Kalkbrüchen,
wo die berühmte Überschiebung des Syenites über den Pläner und die Überkippung von
dessen Schichten, früher sehr schön aufgeschlossen war. Jetzt ist davon wenig übrig.
Nur die Lagerung des Syenites über dem Pläner ist noch deutlich erkennbar. Der Bruch
bietet etwa folgendes Profil. Zu oberst lagert Heidesand, an der Basis kiesig, dann folgt
Syenit, darunter eine Art Reibungsbreccie von Pläner und Syenitfragmenten. Darauf folgt
eine Thonschicht und schließlich der graue, feste, an der Luft aber rasch aufblättemde
Plänerkalkstein mit seinen zahlreichen organischen Resten. Neben dem Bruch ist ein
anderer von Vetter und Quittei betriebener, wo man im südlichen Teile Unter einer mächtigen
Bedeckung ausgezeichnet geschichteten Heidesandes den bankartig abgesonderten, horizontal
lagernden Plänerkalkstein abbaut. Das Leitfossil dieses Gesteines, welches dem Brongniarti-
horizonte angehört und in der Tiefe auf dem Labiatuspläner auf lagert, der Inoceramus
Brongniarti Sow., ist hier in großen, schönen Exemplaren zu finden.
Die organischen Reste des Weinböhlaer Plänerkalksteins sind in Sektion Kötzschen-
broda 2 ) der geologischen Spezialkarte angeführt. Dem Verfasser gelang es, bei mehrmaligem
Besuch der Brüche, folgende Versteinerungen zu sammeln. Zunächst ist zu erwähnen das
Leitfossil des Horizontes Inoceramus Brongniarti Sow. Das größte, 24 cm lange Exemplar
dieses Zweischalers ist von dreiseitig ovaler Gestalt, mit breitem Flügel und breiten, wellen-
förmigen Querrippen. (Elbth. II, S. 43, T. 11.) Es folgen Ammonites peramplus Mant. in
kleineren und größeren Exemplaren (Elbth. II, S.. 189, T. 34), Nautilus sublaevigatus d’Orb.
mit in sich eingerollter Schale und daher fast kugliger Gestalt (Elbth. II, S. 182, T. 32) und
1) Bei der Hochflut des Jahres 1846 ragte der Kuhhübel hegerartig am Bande des Inundations-
gebietes auf. 2) Sekt. Kötzschenbroda, S. 39, 4 .
1897. Jahresber, Nr. 574.
6
42
Nautilus rugatus Fr. in meist verdrückten Exemplaren. Dazu gesellt siet eine große Lima
Hoperi Mant. (ElbtKH, S.40) mit noch wohl erhaltene^ Schalenresten. . Spondvlus spinosus
Sow. ist leidlich erhalten, aber ohne Stacheln wiederholt vom Verfasser gefunden worden.
Terebratula semiglobosa Sow. (Elbth.H, S. 23, T. 1 — 4) ist in Weinböhla sehr häufig. Die
fünfseitige Muschel mit stark eingebogenem Schnabel liegt mir in zwölf Exemplaren vor.
Ferner sind zu erwähnen zahlreiche Formen von Terebratulina graeilis Schloth. (Elbth. II,
S.24, T. 7) bis 5 mm Größe, kleine Exemplare von Rhynchonellavplicatilis Sow. (Elbth. II,
S. 26, T. 7), ebenfalls nicht selten. '
Außerordentlich häufig, nur nicht immer gut erhalten, finden sich' Seeigel, insbesondere
Micraster cor testudinarium Goldf. (Elbth.H, S.ll, T.4). Von den fünfzehn gesammelten
Formen dieses Fossils sind drei gut erhalten, mit deutlichem Scheitelapparat und Fühler-
gängen. Auch Holaster planus Mant. (Elbth.II, S.9, T. 3) wurde wiederholt gefunden.
Insbesondere interessant sind die zahlreichen, von den Arbeitern „Hechtzähne“ ge-
nannten Fisehzähne, die sich im Kalkstein finden. Dieselben sind meist von hellbrauner
Farbe mit noch glänzendem Sehmelzbelag. Mir gelang es, folgende Formen aufzufinden und
zu bestimmen:
Oxyrhina Mantelli Ag. („Seharfnase“) in einem Exemplar, mit der Wurzel 36 mm
lang, an der Basis 19 mm breit. Otodus appendiculatus Ag. („Zahn vofi Eulenohr ähn li cher
Gestalt“ [Elbth. H, S. 208, T. 38]). Man unterscheidet einen spitzen, dreieckigen Hauptzahn
und je rechts und links einen fast rechtwinkligen Nebenzahn.
Ptyehodus mammilaris Ag. („Faltenzahn“ [Elbth. n, S. 213, T: 40]), ein hellbrauner,
nasenförmiger Zahn mit fein faltenförmigen Schmelzrippen auf dem Rücken und an den Seiten.
Corax heterodon Reuss (Elbth. II, S. 210, T. 40) von schief dreieckiger Gestalt ■ mit
fein gezähnelten Rändern. Schließlich finden sieh im Plänerkalkstein häufig wie Tannenzapfen
aussehende, spiralblättrig aufgerollte, hellbraune Koprolithen von Macropoma Mantelli Ag.,
einem Ganoidfische (Elbth. n, S.218, T.40). Das größte von mir gefundene Exemplar war
4 cm lang. Nach Geinitz 1 ) sind viele dieser Koprolithen in Eisenkies- und Brauneisenerz-
gallen umgewandelt (vergl. oben), mir ist dies aber nur bei einer dieser Bildungen der Form
wegen wahrscheinlich.
1) Elbth. II, S. 219.
Anmerkung. Der zweite Teil dieser Abhandlung, „Geologische Exkursionen links der Elbe“,
erscheint als Beilage zum Jahresbericht der Dreikönigschule Ostern 1898.
der
Drei-Königf-Schule
(Realgymnasium)
ZU
als
Einladimgsschrift
zu der feierlichen Entlassung der Abiturienten
am 23. März
und
zu den öffentlichen Prüfungen
am 28., 29, und 30. März
Inhalt:
li Geologische Exkursionen in der Umgegend von Dresden. II. Teil. Von Oberlehrer Dr. Wilhelm
Robert Nessig.
2. Schulnachrichten. Von Rektor Prof. Dr. Theodor Vogel.
t • —
Dresden,
Druck von C. Heinrich.
1898. Progr. Nr. 578.
Geologische Exkursionen in der Umgegend von Dresden.
II. Teil.
Exkursionen links der Elbe.
1. Alte Elbrinnen.
Nachdem die Elbe das zerklüftete Erosionsgebiet der sächsischen Schweiz verlassen
hat und in die Pirna- Meiisner Weitung eingetr'eten ist, sind in der linksseitigen Thalebene
eine Anzahl alluvialer Stromrinnen erkennbar, deren Netzwerk sich bis Dresden hinzieht
und besonders darum unser Interesse erregt, weil bei Hochfluten diese Arme sich zumeist
mit Wasser füllen. Den anliegenden Gemeinden sind diese Überflutungen sehr unangenehm,
so daß man schon an die Entfernung der Pillnitzer Eibinsel und Erbauung eines Hochflut-
dammes, ja sogar an die Umgestaltung des alten Elbbettes zu einem schiffbaren Kanäle
gedacht und mit der Königlichen Staatsregierung diesbezügliche Verhandlungen gepflogen hat.
Um diese Verhältnisse vom Standpunkte des Geologen kennen zu lernen, nehmen
wir unsern Ausgang von dem am linken Elbufer gelegenen Überfährtsorte „Antons“. Wir
befinden uns hier auf der unteren Eibaue, welche bei den gewöhnlichen Überschwemmungen
überflutet und deren Boden aus Flußsanden und Kiesen gebildet wird. An den Ufern des
Stromes tauchen bei niedrigem Wasserstande breite Kiesheger auf, die aus den jüngsten
Anschwemmungsprodukten des Stromes, den Flußkiesen, bestehen. Auch der Fltißsand der
unteren Eibaue, welche hier von der sogenannten Vogelwiese gebildet wird, ist von solchen
Flußkiesen unterlagert, wie man sich beim Einbau des von der Blumenstraße nach der Elbe
führenden großen Flutkanales überzeugen konnte. Wir passieren das Birkenwäldchen und
erkennen dort den diluvialen Thalsand der oberen Eibaue, der als Streifen von wechselnder
Breite längs des Stromes sich hinzieht und weiter nach Süden zu in Thallehm übergeht,
in den dann die von alluvialem Auelehme ausgekleideten, alten Stromarme eingeschnitten
erscheinen. Um zunächst den Thalsand kennen zu lernen, empfiehlt es sich, die Blasewitzer
Straße aufzusuchen und von da in die Fürstenstraße wenige Schritte südwärts zu gehen,
bis zu der an der Kreuzung mit der Dürerstraße, am sogenannten Windmühlenberg, ange-
setzten großen Sandgrube von Möbius und Beckert. Dort lagert unter einem glimmerreichen,
von lehmigen Schnüren durchzogenen, hellgelben Thalsande diskordant geschichteter, mehr
grauer Thalsand, wie solcher für die Eibaue charakteristisch ist, schwach durchsetzt von
Splitterquarzen und ziemlich reich an rosaroten und gelblichen Körnern dieses Minerals.
Wir kehren zur Blasewitzer Straße zurück, verfolgen diese bis Blasewitz und benutzen dann
weiter den am Elbufer aufwärts führenden Leinpfad. Wir passieren dabei den in die Elbe
mündenden Landgraben, der, von Leubnitz herüberkommend, die dortigen Wiesen entwässert,
und gewinnen die Straße, auf welcher die elektrischen Bahnwagen verkehren. Wer die
Exkursion etwas abkürzen will, kann auch von Dresden bis Tolkewitz den Dampfer benutzen
und dann dieselbe Straße aufsuchen. Gerade am Westende von Tolkewitz haben wir vor
uns die breite Mündung eines alten Stromarmes, der bei der Müglitzmündung von der heutigen
Elbe abgeht und über Zschieren, Leuben nach Großdobritz führt, um dann fast rechtwinklig
nach Tolkewitz umzuwenden. (Vergl. I. Teil Tafel II). Wir überschreiten, westwärts gehend,
1 *
4
diese Senke und biegen dann, angesichts des neuen Dresdener Wasserwerkes, dessen Senk-
brunnen im Thalkies stehen, links ein in die hochgelögte, nach Seidnitz führende Straße.
Wir folgen dieser, bis kurz vor Haubers Baumschule ein links abzweigender Feldweg nach
einem, mit dürftigen Akazien und Kiefern bestandenen Hügel führt, in dessen Umgebung
der sonst fruchtbare, 1 ) lehmige Boden auffällig sandig wird. Wir haben einen sterilen Flug-
sandhaufen 2 * ) vor uns, der dadurch entstanden ist, daß, wie rechtselbisch im Heidesandgebiet
sehr gewöhnlich, hier der leichtbewegliche Thalsand von den vorherrschenden westlichen
Winden zusammengeweht worden ist. Wir lassen den Hügel zur Linken und überschreiten
auf einem Fußpfade zum zweiten Male die saftigen Wiesen der Tolkewitzer Stromrinne,
mit den schilfigen Wasserarmen und dem etwa in der Mitte fließenden Landgraben, an dessen
Überbrückung ein Obelisk mit zwei Kurschwertern und der -Inschrift „25. Oktober 1779“ auf-
fällt. Die zum Teil moorigen-, von kleinen Gräben , durchzogenen Wiesen zeigen wiederholt
schleimige, rostbraune Eisenabscheidungen der von Mikroorganismen belebten, stagnierenden
Gewässer.
Der Pfad steigt alsbald an und mündet in die von Tolkewitz nach Großdobritz
gehende Straße, die wir nach letzterem Orte zu verfolgen. Zur Rechten haben wir wiederum
einen mit Akazien, Kiefern und Birken besetzten Flugsandhügel, der, in einer großen Sand-
grube angeschnitten, durch die eigenartige Schichtung seine äolische Herkunft verrät. Im
Jahre 1895 diente diesem Studium die jetzt eingegangene Sandgrube von Hähnichen links
der Straße, die in einem der hier dichtgescharten Flugsandhügel angesetzt war, und wo im
Anschnitt die . Schichtung der feinkörnigen, an Splitterquarzen armen Sande unter einem
Winkel von 15 — 20° von West nach Ost ansteigend wellig weiter verlief. Jetzt ist daselbst
eine Fabrik erbaut, so daß wir unsere Studien in der schon erwähnten großen Sandgrube
gegenüber von Helbigs Gärtnerei vornehmen. Hier beobachtet man, namentlich im west-
lichen, im Betrieb befindlichen Teile der Grube, das mit 15 — 20° stattfindende Ansteigen
der Schichtung von West her, sowie den welligen Verlauf derselben durch die ganze Breite
des Aufschlusses, wie es für Dünengebiete charakteristisch ist. s ) Grobes Material fehlt, nur
an der Basis treten Basaltblöcke, Phonolith- und Quadersandsteingeschiebe auf.
Wir kehren zur Straße zurück, gehen nach Großdobritz zu und kreuzen dabei wieder
den Landgraben und die Stromrinne, deren Uferränder sehr scharf im Terrain hervortreten.
In Großdobritz gehen wir am Gasthofe vorüber nach Seidnitz zu. Nach etwa 10 Minuten
langem Marsche kommen wir bei den ersten Häusern dieses Ortes über eine Brücke und
die sogenannte Seegrabenrinne, die zwischen Großdobritz und Tolkewitz vom Tolkewitzer
Stromarme abzweigt und sich hier .südlich von Seidnitz als deutliche, vom Seegraben durch-
flossene Senke hinzieht bis zum Großen Garten, wo sie bei der Pikardie noch in die Er-
scheinung tritt. Zunächst verfolgen wir dieselbe nicht, sondern gehen gleich am Eingänge
des Dorfes rechts ab, am Teich vorüber nach Tolkewitz zu. Nach etwa drei Minuten senkt
sich die Straße, und wir erkennen, dort wo die Straße nach Blasewitz abzweigt, einen neuen
Seitenarm der Seidnitzer Rinne, der im Verein mit der Seegraben-Senke Seidnitz umschließt
und über Gruna nach Striesen verläuft. Als Rest .dieses scharf markierten Stromarmes ist
der an der Wegkreuzung befindliche, schilfige Tümpel zu deuten. Auf dem Wege nach
Blasewitz gehen wir wenige Schritte, biegen dann wieder links ab auf einen Fußweg nach
Striesen und begleiten auf diesem die zur Linken sich hinziehende, von Wiesen und Feldern-
eingenommene, muldenartige Vertiefung bis zum Landgraben. .
Wer von dort bis Striesen weiter wandern will, kann in den am Anfänge dieses Ortes
befindlichen Ziegeleigruben erkennen, daß unter 2 — 2,5 m Thallehm Thalsand und Thalkies
lagern, 4 ) und trifft bei der Siksayschen Rennbahn nochmals die, nun durch Aufschüttungen
unkenntlich gemachte Stromrinne an.
Wir wandern zum weiteren Studium dieser Verhältnisse an dem meist wasserarmen,
aber bei der Hochflut im Juli 1897 fast zwei Meter hoch angeschwollenen Landgraben ent-
lang, kreuzen die Gruna-Striesener und schließlich die Seegrabenrinne und statten' dann,
auf einem südlich der Senkung befindlichen Wege gehend, der Kiesgrube kurz vor dem
Großen Garten einen Besuch ab. Daselbst hat man zu oberst kiesige Lagen mit schwachen
Sandschnüren aufgeschlossen. Der Kies ist mittelgroß. Dann folgt eine fast nur sandige
l ) J. Hazard: Die geologischen Verhältnisse der Amtshauptmannsehaften Dresden und ihr Einfluis
auf die Kulturbäume. Zeitschrift für Obst- und Gartenbau. 1896. Nr. 4, 5.
a ) Sekt. Dresden, Seite 85.
8 ) Isisberichte 1897.
*) Sekt. Dresden: Profil 73. Seite 100.
5 —
Bank und fest gepackte, grobe Kiese mit spärlichem Sande gebunden. Der Wechsel von
Kies- und Sandschichten, die sehr gewöhnlich auftretende schräge Richtung und die häufigen
Basalt-, Phonolith- und Sandsteingeschiebe charakterisieren diese Bildungen als Absätze
des diluvialen Elbstromes. 1 ) .
Wir kehren bis zum Landgraben zurück und erblicken in der Seegrabenrmne schon
einige neu gebaute Häuser, sowie die Aufschüttung einer nach der Reicker Gasfabrik
gerichteten Stralse, so daft auch hier der alte Stromarm bald unkenntlich sein wird. Wir
wandern am Landgraben weiter südwärts, an der Gasfabrik vorüber, deren Gasometer-
ausschachtungen unter 0,5 — 0,7 m Thallehm ca. 7 m tief den Thalkies aufschlossen, 2 ) kreuzen
die Eisenbahn und gehen nach Reick zu. Der Weg mündet in die Strafte von Reick nach
Strehlen, die wir westwärts bis zum Landgraben benutzen, um scblieftlich an diesem wieder
entlang nach den Leubnitzer Wiesen zu gelangen, die durch den wiederholt genannten Land-
graben nach der Elbe zu entwässert werden. Ein am Nordsaume derselben entlang, über
eine von Lockwitzschotter 3 ) aufgebaute Terrainweile führender Fuft- und Feldweg bringt
uns zur Endstelle der Strehlener Linie der Straftenbahn.
2. Geschieblehmbedeckung.
(Vergl. Teil I. Seite 16 .)
Von der einst unzweifelhaft in grofter Ausdehnung vorhanden gewesenen Geschiebe-
lehmbedeckung- des linkselbischen Thalgehänges sind nur geringe Reste übrig geblieben, zu
deren wichtigsten uns folgende Exkursion führen soll.
•Von der Straftenbahn -Endstelle „Bergkeller“, wo man im tiefen Strafeeneinschnitt
früher auf den oberen Plänermergel (Brongniartimergel), den sogenannten „unreifen Pläner“
der Erdarbeiter, stieft, auf dem die ausgedehnten Schottermassen der oberen Weifteritz-
terrasse 4 ) abgelagert sind, gelangen wir, bei der Rosengärtnerei von Mietzsch eine von West’
nach Ost sich deutlich hereinziehende Terrainsenkung beobachtend, nach Räcknitz. Wir
biegen ein in die rechts ab nach Plauen führende Strafte und überschauen nunmehr deut-
licher als vorher die flache Thalmulde, welche sich von Plauen herüber, zwischen der
Wilsdruffer Vorstadt und den Räcknitzer Höhen hinzieht und dem alten Weifteritzlaufe ent-
spricht, der, wie die Schotterabsätze am Fufte der Räcknitz -Zschertnitzer Höhe bezeugen,
von Plauen nach der Kaitzbachrinne gerichtet war. Diese Schotter, welche heute nicht
mehr aufgeschlossen sind, wiesen neben ganz unverkennbaren Weifteritzgeschieben auch
das dem Rotliegenden entstammende Fossil Araucarioxylon in vielen Exemplaren auf. 6 )
Bald zweigt von der Strafte links ein Feldweg ab, den wir einschlagen und der uns später
als Fuftweg in eine zwischen Räcknitz und Plauen nach der Stadt verlaufende Bodensenkung
hinabführt (der „Höllengrund“ älterer Bewohner, in dem einst auf Kohlen geschürft worden
sein soll). Hier sind in der Lehmdecke eine Anzahl Ziegeleigruben angesetzt. Die erste
Lehmgrube, zur Bosseckerschen Ziegelei gehörig, zeigt in der Südostecke zii oberst hell-
gelbbraunen Gehängelehm, darunter Geschiebemergel und endlich stark verwitterten Pläner-
mergel. 6 ) In den anderen Gruben folgen unter dem nach unten zu „seifig“ werdenden
Gehängelehm zunächst altdiluviale Schotter, von denen die gröberen Stücke oft in den das
Liegende bildenden, weichen Plänermergel eingesunken sind. Unter dem Mergel erscheint
dann auf der Sohle der Gruben der dünnplattige Labiatuspläner. Die Plänermergel findet
man am besten aufgeschlossen in der Grube von Behr & Co., 7 ) zu der man gelangt, wenn
man, am oberen Rande der Ausschachtungen hingehend, den aufwärts führenden Feldweg
benutzt. In dem Aufschlüsse lagert unter dem Gehängelehm, durch eine Steinsohle geschieden,
der ganz feinschichtige, in der Trockenheit feinrissig aufblätternde, graue Mergel, der nach
der Tiefe zu etwas dickschichtiger wird und mit Lehm gemischt zur Ziegelfabrikation dient.
Wir kehren auf demselben Wege nach Räcknitz zurück und gehen nach Zschertnitz
weiter, vorbei am neuen Hochbehälter der Dresdner Wasserleitung, bei dessen im Herbst
1896 vorgenommener Ausschachtung man unter 4 1 / ä m Gehängelehm einen zähen, gegen den
Lehm durch eine Steinsohle abgesetzten Geschiebemergel antraf. Kurz vor dem „Paradies
*) Sekt. Dresden, Seite 82.
2 ) Sekt. Dresden: Profil 65. Seite 100.
®j Vergl. Teil I. Seite 18.
4 J Bei Grundgrabungen in der nach Plauen
häufig aufgeschlossen.
6 ) Isisberiehte 1865, Seite 66. 1866, Seite 65;
e j Sekt. Dresden: Profil 69. Seite 100.
’) Sekt. Dresden: Profil 61. Seite 100.
führenden Eisenstuckstralse fiudet man diese Schotter
6
Ä en , Wir rechts m den Hohlweg em, wo unter einer 2—3 m mächtigen Decke von Höhen-
lehm der mit nordischen Geschieben in regelloser Verteilung durchsetzte Geschiebelehm sehr
tief aufgeschossen erscheint. Das beide Ablagerungen trennende Steinpflaster ist ab und
wahrnehmbar. Der Kalkgehalt des dunkelgelbbraunen Geschiebelehms ist. wie
die Prüfung mit Salzsäure ergiebt, nur gering, da derselbe teils ausgelaugt ist, teils sich in
eigentümlich traubig-nierenformigen oder an Lößkindel erinnernden Konkretionen zusammen-
geballt. hat. Wir gehen weiter südlich, besuchen die großen, zur Dammüllerschen Ziegelei
gehörigen Lehmgruben, ') wo wir sowohl die Mergelkonkretionen, wie auch eine reiche Aus-
wahl nordischer Geschiebe studieren können, und wandern, nach Kreuzung des Kohlen weges
hmabmdas Kaitzbachthal nach Mockritz. Dort passieren wir am Dorfplatz mit der alten’
des Baches und wenden uns daClinTs duJch das
? 0rf ' wff ßodea bebt sicb nieder. Kurz vor dem „Leichenweg“ steht links unter der Mauer
dunnplattiger, stark ausgebleichter Labiatuspläner an, der aber noch deutlich kalkhaltig ist
\r e : nrunnenoauten in Kaitz am Leichenwege konnte ich 1895 und 1897 feststellen ri»ao
ii r rHi de wv n n- Plattig - e labiatuspläner unter "einer bis 2 m mächtigen LehÄS ^-eS
wird.) Wm biegen m den östlichsten der drei Hohlwege ein und gelangen auf den Weg
nach Gostritz Dort lagert zur Linken, über dem leider durch Verwachsung der Böschungen
u.u r m eCkt s I1 a? lä T ier ’ Pa PP en von Geschiebelehm unter einer dünnen Hülle von Gehäiure-
lehm, und die Lesesteinhaufen am Wege enthalten viele nordische Felsarten g
JNach etwa 10 Minuten gelangen wir hinab in das liebliche Wiesenthal des Möthnitzer
™ dem' ÄttS den Katebach eyiefit, „nd weiter aufw.rte ,S Go Ä
vor ciem Horte wurde 1897 die große Lehmgrube des Baumeisters Blochwitz angelegt welche
unter einer mächtigen, an Gneis- und Syenitgeschieben reichen Lehmdecke den Brongniarti
mergel und den unterlagernden Labiatuspläner aufschloß Es SS hier S ^She
Grenze des im Friedhof zu Leubnitz und am Bergkeller aufgeschlossenen Brongniartimergels
zu verlaufen, welche etwa der 150 m Horizontale folgen dürfte. Wir gehen nicht ins Dorf
dem üenüber^ am MdtehenEanet bei 65 ne “ Fr , ÜhMr 1897 ab S ela ^enen Wassertümpel;
dem ÄÄ
2?® “ Kle * übergingen. (Vergl. hierzu aus Sekt. Dresden das Sl 49 Brunnen am
Bogen 1 durch^ Gostritz V ° n IT aufw f rts durch die Obstbaumpflanzung, im
aar ? ü wostntz auf die Straße, welche von Rosentitz nach Leubnitz führt TrnRnri
goldene Höhe“ und ^BTisnauL^ppT^“ 6 ^ ^ Zeigenden Gelände, die
ÄÄ £ E®E'
?” Sn“ der t£K“ ?Mdoh°loS°FufiweB ’liegÄ
tsrnommm
') Sekt. Dresden: Profil 84. Seite 100.
7
" 3. Der Gamig.
Wir begeben uns entweder mit der Straßenbahn oder den Geleisen derselben folgend
nach Strehlen und haben dabei Gelegenheit, namentlich im mittleren Teile der wohlgepflegten
Anlagen der Bürgerwiese, eine flach muldenförmige Senkung des Bodens zu beobachten.
Hier floß früher in einer breiten, jetzt durch Aufschüttungen fast unkenntlich gemachten
Thalsenkung der Kaitzbach, um sich am heutigen Georgplatz gegenüber der Salomonisbastei
in den Festungsgraben Zu ergießen. *) Im Jahre 1556 machte Kurfürst Vater August der
Stadt den Vorschlag, die Lockwitz in den Kaitzbach zu leiten, „damit die Stadt dadurch
gesäubert werde“. Die Senkung der Bürgerwiese, welche ihre Fortsetzung im Zoologischen
und im Großen Garten findet, ist übrigens eine alte Stromrinne der Elbe, die sich bei Seidnitz
ven einem anderen, über Gruna und Striesen nach der heutigen Johannstadt ziehenden
Stromarme abzweigt und auch heute noch im Terrain, sowie an den Alluvialbildungen
erkennbar ist;
Schon nach Passierung der Eisenbahn hebt sich der Boden ganz allmählich über
die breite, bis zum Elbstrom hinüberreichende Ebene, die von einem fruchtbaren Thallehm
mit unterlagerndem Thalkies gebildet wird. Unter dem letzteren fällt der früher hier auf-
geschlossene Strehlener Brongniartimergel mit dem zwischengelagerten, versteinerungsreichen,
jetzt aber abgebauten Plänerkalksteine flach nach dem Elbthale ein. Bei Anlage von Schleusen
war im Jahre 1895 der graue, geflammte Mergel auf dem Strehlener Hügel in der Dohnaer
Straße aufgeschlossen. Wer den alten Kalkofen äufsuchen will, gehe von der Dohnaer
durch die Sedlitzer Straße auf den Grunaer Weg, von dem links ein Fußweg, nach dem
Großen Garten zu, am' Kälkofen vorüberführt, auf dem ein Baum steht. Im Umkreise liegen
noch Plänerkalksteinstücke, ab und zu mit organischen Resten. Zurückgekehrt auf die
Dohnaer Straße gelangen wir aüf dieser in etwa 10 Minuten nach Neu-Ostra. Am Gasthaus
^Edelweiß“' vorübergehend, verfolgen wir den an der Cementwarenfabrik zwischen Garten-
mauer und Holzzaun hinführenden Fußweg, der über das Leubnitzer Wasser nach Leubnitz
und hinter dem Friedhoffe mit der altehrWürdigen Kirche stetig bergan steigt. Im Kirchhof
wurde in der Tiefe der Brongniartimergel erreicht, der von dem Labiatuspläner unterlagert
wird, in der Ziegelei von Müller an der Straße von Leubnitz nach Goppeln in der Höhe
des Gamighübels aber bereits nicht mehr angetroffen wurde. 2 * * * ) Hinter dem Friedhof biegen
wir rechts ab auf eben genannte Straße, welche gleich hinter dem Orte durch einen in
Geschiebelehm eingeschnittenen Hohlweg führt. Beim Einsetzen von Telegraphenmasten
traf man hier auf graufen, blättrig verwitterten Pläner.
Wir gehen alsbald links ab, auf dem Wege nach Kauscha weiter und kommen nach
etwa 15 Minuten an einen Feldweg, der üns rechts ab nach einer schon vorher beobachteten,
auffälligen Terrainwelle mit einem kraterartig angesetzten Steinbruch bringt. Es ist dies
der Gamighübel, dessen Name „steiniger Ort“ bedeutet und der den heidnischen Vorfahren
als Opfer- und Begräbnisstätte nachweislich gedient hat. Der Steinbruch, Herrn Eduard
Richter in Prohlis gehörig, ist angelegt im Granitit, dem einglimmrigen Granit, wie er auch
in Schlieren im zweiglimmrigen Lausitzer Hauptgranit vorkommt. Wir haben hier einen
der vielen, nach Süden vorgeschobenen Aufbrüche dieses Granitgesteines 8 ) vor uns, wie
solche weiter nach Südosten zu bei Kauscha, Söbrigen, Bosewitz, Gorknitz, Köttwitz u. s. w.
sich einstellen, als Beweis dafür, daß dieses Gestein als Grundgebirge der Plänerbedeckung
des Elbthalgebirges sich bis zum Fuße des erzgebirgischen Schieferwalles fortsetzt. Die
schöne Felsart besteht aus schneeweißem Feldspat, etwas spärlicherem Quarz und reichlichem,
dunklem Magnesiaglimmer. Die Struktur ist grob- bis mittelkörnig. Nur im mittleren Teile
des Bruches findet sich zwischen dem' bankartig brechenden Granit eine gneisige Felsart,
welche als das Produkt einer stärken Pressung der Gesteinsmasse erkannt wurde und von
W-N-W in O-S-O streicht. Die Gleit- und Rutschflächen, welche man auf Spalten und Klüften
dieses Gesteins beobachten kann, bestätigen die Richtigkeit obiger Annahme, welche durch
die mikroskopische Untersuchung des Gesteinsgefüges noch überzeugender bewiesen wird.
Ganz im nordwestlichen Teile des Bruches- durchzieht den Granit eine etwa 1 1 / a m mächtige,
gangartige Schliere eines sehr feinkörnigen, hellen, glimmerarmen Gesteines, welches stellen-
weise, auch ganz grobkörnig wird, so daß Quarz- und Feldspatschnüre entstehen, in denen
l ) Teil I. Seite 19.
’) Sekt. Dresden: Profil 36. Seite 98.
*) Naumann-Cotta: Geognostisehe Beschreibung des Königreichs Sachsen. Heft V. Seite 114, 116.
v. Gutbier: Skizzen Seite 76. Sektionen: Kreischa, Seite 48; Pirna, Seite 14; Sebnitz, Seite 1, 34; Dresden,
Seite 24— 27. Teil I dieser Arbeit, Seite 12 und Tafel I.
die hellfarbigen Feldspate 2—3 cm lang sind. Das Gestein ist so hart, daß es sich, nach
Aussage der. Arbeiter, nur sehr schwer bohren läßt. Die Verbandsverhältnisse mit dem
durchsetzten Granit lassen erkennen, dais diese Partie nur eine quarzreiche Erstarrungs-
modifikation des Granitites ist.
Die Granitkuppe des Gamig zeigt nun nach oben zu eine unregelmäßige, oft sackartig
vertiefte. Oberfläche und wird überlagert von einer cenomanen Muschelbreceie, welche
namentlich am Eingänge des Bruches sehr gut aufgeschlossen ist. Über derselben lagert
ein gelbbrauner Höhenlehm, der zahlreiche gerundete 'Fragmente des Granites enthält.
Der zur Carinatenstüfe gehörige Plänerkomplex 1 ) zeigt folgenden Aufbau. Auf dem
Granit lagert ein dünnplattiger Pläner, der nach oben zu in ein festeres 'Gestein übergeht,
welches, von etwas bräunlicher Farbe, zahlreiche organische Reste, namentlich Austern-
schalen, Haifischzähne, Steinkerne von Schneckentieren und massenhaft kleine, fast wie
Roggenkörner aussehende, braune Fischkoprolithen enthält. Nach oben zu wird der Pläner
wieder plattig und dünnschichtig und blättert leicht auf. In diesen oberen Lagen finden
sich häufig Schwämme und Seeigelstacheln. Der Gamig hat von jeher eine reiche Ausbeute
von Kreidefossilien geliefert. 5 ) Auch heute noch ist diese Fundstätte ergiebig, wie aus der
Anführung der organischen Reste, die ich bei wiederholtem Besuche selbst sammeln konnte,
hervorgehen dürfte.
Ostrea carinata Laim., mit schmaler, langgestreckter. Schale, die sogenannten ver-
steinerten Raupen der Steinbrecher“. (Elbth. I. S. 174. T. 39.)
Ostrea diluviana L., mit breiter, flacher Schale und großem Müskeleindruck, von der
kleinsten Brut bis zu 10 cm langen Exemplaren. (Elbth. I. S. 176. T. 39.)
Terebratulina striatula Mant, (Elbth. I. S. 156. T. 36.) ,
Zahlreiche Steinkerne von Turritellen und Cerithien.
Eine schöne Koralle Synhelia gibbosa Mün. („Sonne“) in 3 Exemplaren. (Elbth. I
S. 49. T. 12.)
Von Schwämmen Siphonia piriformis Ooldf. (Elbth. I. S. 38. T. 9) und StelUsponaia
Plauensis Qein.
Ferner Stacheln von Gidaris Sorigndi Des. (Elbth. I. S. 68. T. 15.)
Besonderes Interesse erwecken die in der mittleren Plänerschicht so häufigen Fisch-
zähne, von denen ich folgende Arten auffand.
Oxyrhina angustidens Reuss., in ganz kleinen Exemplaren bis zu 2 cm Länge. Die Zähne
sehen hellbraun aus und sind sehr spitz, daher ihr Name „Spitznase“. (Elbth. I. S. 293. T. 65.)
Lamna raphiodon Ag., schlank S förmig gekrümmt, mit feiner Streifung auf der Innen-
seite und zweischenkliger Wurzel. (Elbth. I. S. 295, T. 65.)
Acrodus polydictyos Reuss. („Scharfzahn“), in einem Exemplar, von Geinitz als sehr
selten vom Gamig erwähnt. (Elbth. I. S. 296. T. 64.) Der Zahn ist lang elliptisch, 7 mm
lang, 3 mm breit. Uber den flach gewölbten Rücken läuft eine Längsrinne, von der Seiten-
rinnen abgehen, daher der Name polydictyos — vielnetzig.
Pycnodus cretaceus Ag. („dichter Zahn“). Die 3 dicht nebeneinander stehenden Zähne
haben 3 mm Größe. (Elbth. I. S. 300. T. 65.)
Wir verlassen den Gamig, gehen den Weg ein Stück zurück, bis rechts ein Weg
nach Torna abgeht. Wir beschreiten diesen, Torna passierend, bis zur Landstraße, wo zur
Linken, unterhalb des schönen Aussichtspunktes „Goldener Stiefel“, Ziegeleien den bis 8 ra
mächtigen Gehängelehm abbauen. In der Lehmgrube der Ziegelei von Pahlisch erkennt
man 2 Schichten. 8 ) Der untere, fette Lehm, der eine Art Schichtung zeigt, enthält Geschiebe
von Kieseischiefer, Feuerstein, böhmischem Basalt u. s. w., und ist gegen den oberen, mageren
Lehm ab und zu durch eine schwache Kieslage getrennt. Verfolgen wir die Landstraße
bis Leubnitz, so fällt uns kurz vor dem Orte, etwa 250 m rechts, die schon bekannte Terrain-
welle auf, welche den Kaitzbach stauend das jetzt vom Landgraben entwässerte Sumpfgebiet
der Leubnitzer Wiesen schuf. Die Anlage der Landgräben, dieser Abzugskanäle für die
vom Elbthalgebirge herabkommenden Gewässer, soll unter Georg dem Bärtigen erfolgt sein '
und zwar durch Friesen, die diesem Fürsten nach Abtretung der Erbstatthalterwürde von
JBnesland nach Sachsen folgten und sich damals außerhalb der Ringmauer in der Gegend
der heutigen „Friesengasse“ ansiedelten (1515). 4 ) Vor Leubnitz führt rechts ab ein Fußweg
am Wasser entlang nach Strehlen.
*) Sekt. Dresden, Seite 49.
V Sekt. Dresden,. Seite 48, 49.
s ) Sekt. Dresden, Seite 72.
*) Lindau I, Seite 379. v. Gutbier: Sandformen, Seite 36.
9
4. Der Plauensehe Grund.
a) Der eigentliche Plauensche Grund.
Die durch die umfangreichen Bahnbauten notwendig gemachte Verlegung des unteren
Laufstückes der Weißeritz und die Hochflut der letzten Julitage des Jahres 1897 lassen es
angezeigt erscheinen, die Exkursion durch den Plauenschen Grund, dieses „Archiv der Natur“,
wie ihn Becker 1 ) nennt, an der jetzigen Mündung des Flusses in die Elbe zu beginnen.
Wir fahren entweder mit dem Dampfer gleich bis Cotta oder wandern von der
Ostraallee aus durch das große Gehege, am König- Albert-Hafen vorüber, nach der Weißeritz-
mündung beim Schusterhause. Von den argen Verwüstungen, welche die Wassermassen bei
der letzten Hochflut hier angerichtet hatten, interessieren uns namentlich die fächerförmige
Verbreiterung des Flußbettes und die ausgedehnte Anhegerung der Schutt- und Geröllmassen
im Elbstrome, welche sich bis Brießnitz hinzog und der Schiffahrt so schwere Hindernisse
bereitet hat, die erst Ende Oktober desselben Jahres endgültig gehoben waren. Wenn man
sich vergegenwärtigt, daß nach angestellten Ermittelungen der Fluß zur Zeit des Höchst-
wasserstandes in der Nacht vom 30. zum 31. Juli, bei einer mittleren Geschwindigkeit von
3 m, in der Sekunde 290 cbm Wasser in die Elbe führte — die gleiche Menge Sielst mit
1,6 m Geschwindigkeit bei einem Wasserstande von 0,55 m unter Null durch die Elbe — und
dais am 31. Juli 16000000 cbm Wasser durch die Weißeritz flössen, so wird man die grauenhaften
Verwüstungen verständlich finden, welche diese Flut angerichtet hat. Hat doch der Fluls
(dessen Name soviel heißt wie „schnell, ungestüm“, ursprünglich Bistrice, dann Bisteritz,
später Wisteritz, schließlich Weisritz und Weilseritz) 2 ) auf der kurzen Strecke vom Damme
der Staatsbahn bis zur Mündung 140000 cbm Boden weggerissen, dafür 11000 cbm ein-
geschwemmt und außerdem noch einen Schuttkegel von 105000 cbm in die Elbe vorgetrieben!
Was hier in wenigen Stunden vor unsern Augen sich vollzog, öffnet uns das Verständnis für
die Thatsaehe, daß die ungleich wasserreichere Urweißeritz außer den groben Schotterbänken,
die sie an ihren Hängen zum Absatz brachte, das breite Schuttfeld des Geheges gegen die
Elbe vorschwemmte und diese dadurch zu der als Pieschener Winkel bekannten Ausbiegung
nach Norden zu zwang. Es sei noch erwähnt, daß die Wiederherstellungsarbeiten des
Weißeritzbettes 3 ) auch Gelegenheit boten, die Cottaer Moormergel, weiche als Plänerschlamm
von den thalwärts rinnenden Gewässern früher abgesetzt worden sind und welche oberhalb
des Bahndammes am westlichen Ufer infolge Zerstörung der Abpflasterung bloß gelegt waren,
hoffentlich zum letzten Male an dieser Stelle zu studieren.
Wir wandern nach Passierung des Bahndammes aufwärts und benutzen die als
Weißeritzufer bezeichnete, am Flusse entlang führende Straße bis Löbtau, vor welchem
Orte rechts bei den Drescherhäusern wir die obere Weißeritzterrasse ansteigen sehen. Weiter
gelangen wir auf der Plauenschen und Reisewitzer Straße nach Plauen, wo sich am ehemaligen
Reisewitzer Park früher der Fioßrechen befand.
An der Bienert- Mühle beginnen wir unsere Wanderung durch den Grund. Wir be-
nutzen den am Mühlgraben hinführenden Fußweg, von wo wir einen guten Überblick über
die am linken Weißeritzufer angelegten, imposanten Ratssteinbrüche haben. Hier wird der
von zahlreichen, fast saiger stehenden Klüften durchzogene Syenit des Meißner Massivs ge-
brochen, der von Lamprophyrgängen 4 ) durchschwärmt und von einer wenig mächtigen Decke
von Carinatenpläner überlagert wird, die deutlich geschichtet nach dem Elbthale zu, ent-
sprechend der Abböschung der Oberfläche, einfällt. In den Vertiefungen des Syenitgesteines
wird dieser Pläner konglomeratartig. Aus dem abgeräumten Plänerschutte, der 1897 zur
Aufschüttung der zerstörten Uferböschung benutzt wurde, sammelte ich die zweihprnige
Opis bicornis Gein. (Elbth. I. S. 227) und Pterocera gigantea Gein. sp. (Pi. incerta d’Orb. ?)
Kurz vor der steinernen Weißeritzbrücke steht zur Linken das „Forsthaus“, ehemals die
Wohnung des Königlichen Hegereiters und der Schauplatz glänzender Jagdfeste ö ) der beiden
prunkliebenden Auguste. Am östlichen Felshange entdeckt man oberhalb der Bahnlinie den
Pläner, 6 ) der den Syenit überlagert, nahe jener Stelle, an welcher der als fleißiger Sammler
bekannte Bahnwärter Rudolph seinen Posten hatte. _Wir passieren die Brücke und treten
nun in den eigentlichen „Engpaß“ des Felsenthaies ein. Links lag einst dort, wo jetzt die
*) W. G. Becker: Der Plauische Grund. Nürnberg 1799. Seite 13.
а ) Julius Petzholdt: Der Plauensehe Grund. Dresden 1842. Seite 5.
8 ) Vergl. Bericht über die Stadtverordnetensitzung im Dresdner Anzeiger vom 24. September 1897.
4 ) Dols: Mineral, und petrogr. Mitteilungen. Band XI, Seite 1 — 66. Sekt. Dresden, Seite 27.
5 ) Julius Petzholdt: Der Plauensche Grund. Dresden 1842. Seite 8.
б ) B. Geinitz: Elbthalgebirge I. Seite 13. Isisberiehte 1896. Seite 10. '
2
10
Felsenkellerbrauerei steht, die idyllische Buschmtihle, darüber auf der Höhe ragt der Aus-
sichtsturm des „Hohen Steines“ (früher Groiser Stein, noch früher Krähenhütte) empor,
während sich zur Rechten im Thale einst ein kurzer Eisenbahntunnel in Syenit befand,
über dessen südlichem Ausgange zwei sich durchsetzende Gesteinsgänge sichtbar waren,
die verworfen erschienen. Das Gestein dieser Gänge wurde ursprünglich als Serpentin,
dann als Basalt, Augitporphyr und schließlich als Melaphyr bezeichnet und durch die
mikroskopische Untersuchung sicher als letzterer erkannt, 1 ) d. h. als ein vortertiäres Porphyr-
gestein, aus dessen Grundmasse Augitkrystalle und Glimmerblättchen ausgeschieden er-
scheinen. Mit Bedauern sah man jenes klassische Vorkommnis, zu dem Geologen aller
Länder gewandert, wegen der im Jahre 1894 in Angriff genommenen Verlegung der Grund-
straße im Jahre 1896 mit dem Tunnel und der am Syenitgehänge angelagerten, grobeil
Schotterterrasse verschwinden, in welch letzterer unter mächtigen Syenitgeschieben ver-
kieselte Stammstücke von Araucarioxylon vom Verfasser gefunden wurden. Bei der Weg-
sprengung des durchtunnelten Syenitvorsprunges wurde der Melaphyr als frisches, grau-
schwarzes Gestein zum letzten Male aufgeschlossen, und konnten die am 20. Juni 1895
Abschied nehmenden Dresdner Freunde der geologischen Wissenschaft als Andenken schöne
fleischrote Stilbitaggregate mitnehmen. 2 )
Unsere weitere Wanderung auf der in den Jahren 1736—42 notdürftig angelegten
und 1745 ausgebauten und zum ersten Male befahrenen Grundstraße führt uns durch ein
enges Felsenthal mit einer Anzahl, namentlich am westlichen Thalhange angesetzter, auf-
lässiger und noch im Betriebe befindlicher Steinbrüche im Syenit, durch deren Anlage die
Vorsprünge und entsprechenden Einbiegungen der interessanten Thalspalte verschwunden
sind, 3 ) dafür aber Platz geschaffen wurde für die Besiedelung dieses, namentlich im vorderen
Teile einst ganz unwegsamen Felsenthaies.
Das gebrochene Gestein und seine mineralischen Schätze sollen zusammen beschrieben
werden, da eine Behandlung der einzelnen Brüche zu Wiederholungen nötigen würde.
Der Abbau des wertvollen Gesteinsmaterials folgt den die Felsärt fast senkrecht
durchsetzenden Spalten und Klüften, an denen Rutschflächen nicht selten zu beobachten
sind, und bricht man zumeist einen gleichmäßig mittelkörnigen, normalen Syenit, 4 ) dessen
beide Hauptgemengteile, rötlicher, orthoklastischer Feldspat und dunkelgrüne Hornblende,
deutlich nebeneinander erkennbar sind. Bisweilen stellt sich durch planparallele Anordnung
der Feldspate und Hornblenden im Gestein eine deutliche Parallelstruktur ein. Schwankungen
im Mengenverhältnis der Gemengteile erzeugen an Hornblende reiche, dann dunkelschwarz-
grün aussehende Varietäten, oder an Hornblende arme, meist pegmatitisch- grobkörnig aus-
gebildete Schlieren und Nester. Auch von Hornblenden freie Felsitbänder durchziehen nicht
selten gangartig das normale Gestein.
Solche Strukturabänderungen und Varietäten sind mir namentlich bekannt geworden
aus den Brüchen unterhalb der am Rande der steilen Felswand thronenden Begerburg und
aus dem am östlichen Hange, bei einem einmündenden Seitenthal angesetzten Steinbruche
hinter der Garnisonmühle.
Der normale Syenit enthält nun mikroskopisch stets, makroskopisch nicht selten
deutlich durch herrlichen Diamantglanz der braunen bis 5 mm langen Krystalle erkennbaren
Titanit, dessen Individuen auf manchen Bruchflächen so zahlreich aufblitzen, daß man dann
von einem „Titanitspiegel“ spricht. Als weitere primäre, accessorische Mineralien seien hier
genannt Orthit 5 ) in fast schwarzen, matt fettglänzenden, rechteckigen oder linsenförmigen
Einsprenglingen in hornblendearmen Abarten (Orthitsyenit), ferner selten gediegen Kupfer
in Füttern und Blättchen und ganz selten Molybdänglanz 6 ) in bleigrau glänzenden Partikeln.
Auch für diese Funde kommen die Brüche unterhalb der Begerburg und an der Garnison-
mühle vorzugsweise in Betracht.
Es sei hier daraufhingewiesen, daß man die Erforschung dieser Verhältnisse, namentlich
auch die Auffindung einer ganzen Anzahl noch zu besprechender, sekundärer Mineralien,
auch einem Nestor der Dresdner Geologen, dem gediegenen Kenner und unermüdlichen Er-
*) F. Zirkel: Lehrbuch der Petrographie. Leipzig 1894. II. Seite 847 , 861. Sekt. Dresden, Seite 30.
Isisberiehte 1895, Seite 20 ff.
2 ) Isisberichte 1895, Seite 10; 1896, Seite 10 und 11,
’) W. G. Becker I., a. a. O., Seite 36.
4 ) W. G. Becker II., a. a. 0., Seite 10; Sekt. Dresden, Seite 10; F. Zirkel II. a. a. 0., Seite 300 ff.
: 'j F. Zirkel II., a. a. 0., Seite 304; Bemerkungen über ein neues Vorkommen des Orthites im Plauen-
schen Grunde u. s. w. von Zschau: Neues Jahrbuch für Mineralogie. 1862. Seite 662.
e ) Isisberichte 1863, Seite 104.
11
forscher des Plauenschen Grundes, Professor Zschau, verdankt, auf dessen zahlreiche Publi-
kationen, namentlich in den Sitzungsberichten der Isis, hier verwiesen werden muß. Diese
Mineralien, von denen Kupferglanz vielleicht noch primärer, Kupferlasur, Malachit, Kupfer-
kies 1 ) jedenfalls sekundärer Herkunft sind und wegen der man früher Versuchsbaue auf
Kupfererze s ) an verschiedenen Stellen unternommen hat, sitzen meist in Hohlräumen oder
auf Spalten der Pelsart, die gleich zu beschreibenden Carbonate und Zeolithe oft in prächtigen
Stufen und Drusen krystallisiert. Von den Carbonaten ist da zu nennen der Kalkspat, zumeist
in den Formen oo R . — 1 / 2 R; — R; eo R . OR. — */ B R . <x> P 2; etwas seltener sind die schönen,
matt rosafarbigen bis fast weißen Skalenoeder R 3. Es folgen Dolomit- und Braunspat,
in hellweingelben bis bräunlichen Aggregaten, ferner gelber bis graugelber, radialstrahlig
struierter Aragonit.
Die Zeolithe s ) sind namentlich vertreten durch die schönen Drusen von weiisem bis
mattrotem Laumontit, dessen schief säulenförmige Krystalle oft modellscharf entwickelt sind.
Leider sind die Drusen meist sehr zerbrechlich. Zschau erwähnt von Zeolithen namentlich
noch Analcim, Natrolith, Stilbit und Philippsit. Schwerspat kommt in .hellfleischfarbigen,
warzig gehäuften und kammartig aggregierten Krystallen, namentlich im Bruche bei der
Garnisonmühle vor.
Besonders interessant, weil makroskopisch dem Syenit ein vollkommen fremdes
Mineral, ist das Vorkommen von Quarz in unserem Gestein. Zwar ist derselbe als seltener,
accessorischer Gemengteil durch die mikroskopische Untersuchung der Felsart bekannt ge-
worden, 4 ) doch vermochte Zschau ihn als sekundäres Mineral meist in gangartigen oder
schlierenförmigen Massen, häufig vergesellschaftet mit einem aus der Zersetzung der Horn-
blende hervorgegangenen Epidot (Pistazit) an verschiedenen Orten aufzufinden. 6 ) Bisweilen
erscheint der Quarz in granitischen Abarten des Syenites, in denen sich dann auch Orthit
einzustellen pflegt (Brüche am Forsthaus und kurz vor Potschappel), 6 ) oder der Quarz tritt
als selbständiges Ganggebilde und dann als Kluftausfüllung auf, wie dies unterhalb der Beger-
burg zu beobachten war. 7 ) Wo das Mineral auf Klüften auskrystallisiert ist, erscheint es
in Aggregaten von schlanken Säulen mit pyramidaler Zuspitzung, zumeist überzogen von
einer Haut von schmutzig -rotbraunem Eisenoxydhydrat. Auch gemeinsam mit Calcit und
Dolomit tritt der Quarz krystallisiert auf.
Nachdem wir in Kürze eine Übersicht über die wichtigsten Mineralien des Syenites
und die Form ihres Auftretens gegeben haben, sei noch bemerkt, daß der, welcher auf die
Suche nach diesen Vorkommnissen ausgeht, oft enttäuscht heimkehren wird, da die wechseln-
den Bruchverhältnisse bald das eine, bald das andere Mineral aufschließen, ja wohl eine
Zeit lang gar keine Ausbeute liefern.
Wir setzen nun unsere Wanderung im Grunde fort und passieren sechs Steinbrüche
unterhalb Döltzschen und zwei auf defn Endabschnitte kurz vor Potschappel. Neben uns
sehen wir die Weißeritz bald über grobes Blockwerk, bald über kleineres Geröll hinweg-
rauschen. Zur Zeit liegt noch viel Felsgetrümmer von der letzten Hochflut im Flußbette.
Wir wenden unsere Aufmerksamkeit namentlich den erst schroffen, dann sanfter abgeböschten,
waldigen Hängen des hinter der Garnisonmühle sich etwas weitenden Thalgrundes zu, an
dessen westlichem Fels Vorsprunge bei der Eisenbahnbrücke in einer Kluft ein grünlicher
Glimmerdiorit aufsetzt, 8 ) bis wir nach etwa einhalbstündigem Marsche hinter der Friedrich
August -Hütte in eine muldenförmige Weitung eintreten, die im Westen zunächst noch von
hochaufragenden Felsen begrenzt, im Süden vom Windberg überragt wird.
Hiermit schließt unsere Wanderung durch den eigentlichen Plauenschen 1 Grund.
Ursprünglich als Gebirgsspalte mit ungemein zackigem Verlauf, im Zusammenhänge mit der
Erhebung des Erzgebirges entstanden, verfiel dieses Engthal namentlich in diluvialer Zeit
der Erosion durch das massenhafte Gesteinstrümmer nordwärts abrollende, wilde Gebirgs-
wasser der Urweißeritz.
Ü Sekt. Dresden, Seite 12. Zsehau: Isisberichte 1892. Abh. 10.
2 ) J. Petzholdt, a. a. O., Seite 11: Becker II., a. a. O., Seite 12 -, Zschau: Neues Jahrbuch für Mineralogie.
1852. Seite 653.
8 ) E. Zschau: Die Zeolithe im Syenitgebiete des Plauenschen Grundes. Isisbericbte 1893. Abh. 6.
4 ) Sekt. Dresden, Seite 9; Zirkel II., a. a. 0., Seite 301.
6 ) Sekt. Dresden, Seite 17; Isisberiehte 1880, Seite 9; Zschau: Bemerkungen über den Quarz im
Syenite des Plauenschen Grundes. Festschrift der Isis 1885, Seite 49 ff. Ferner Isisberichte 1892. Abh. 10.
8 ) Festschrift der Isis, Seite 60.
7 ) Festschrift der Isis, Seite 50; Isisberichte. 1892. Abh. 10. Sekt. Dresden, Seite 17.
6 ) Sekt. Dresden, Seite 27.
2 *
12
b) Die Döhlener Thalmulde.
Auf der Grundstraße weiter wandernd treten wir in die flache Thalmulde von Pot-
schappel ein oder in das industriereiche Döhlener Becken, wo zum Kauschen des Bergwassers
der schwere Schlag“ der Dampfhämmer, das Surren der Maschinen erklingt. Dicke Rauch-
wolken entquellen den zahlreichen Schornsteinen und lagern sich über der fruchtbaren Aue.
Eine ganze Wagenburg von Kohlenzügen verrät uns, daß wir in das wertvolle Kohlenrevier
gelangt sind, dem die ganze mächtige Industrie ihre Existenz verdankt. 1 )
Bei der Friedrich August-Hütte, gegenüber der Hüttenschänke, biegen wir in den Wald
ein und folgen dem am Bierkeller rechts hinführenden Fußpfade wenige Schritte bis zu einem
Anbruch im Syenit. Zum Bierkeller zurückgekehrt, wenden wir uns auf den Weg hinter
der Hütte und finden alsbald am unteren Hange Felsgetrümmer liegend, welches sich als
Breccie ausweist, die aus durch Kalkspat verkitteten Porphyritfragmenten sich zusammen-
setzt. Das Trümmergestein entstand beim Absinken der durch die Verwerfung des „roten
Ochsen“ vom Döhlener Becken abgeschnittenen Pesterwitzer Sekundärmulde als Reibungs-
breccie 2 ) aus dem Wilsdruffer Porphyrit, den wir alsbald in einem Bruche anstehend antreflfen
werden. Nach wenigen Schritten gelangen wir dahin und lernen den Porphyrit kennen als
ein dichtes, perlgraues bis graublaues Gestein mit langgestreckten, porphyrischen Hornblende-
krystallen. 8 ) Diese Felsart bildet im nördlichen Teile des Döhlener Beckens zwischen Wils-
druff und Wurgwitz eine einheitliche Decke als Basis des Rotliegenden, tritt aber weiter
ostwärts in zwei Zügen auf, von denen wir hier den nördlichsten, sogenannten Pesterwitzer
Zug vor uns haben. 4 ) Den Potschappler Zug werden wir später die Höhen des Sauberges,
Burgwartberges und Eichberges bilden sehen. Über die Verbandsverhältnisse dieses im
übrigen in petrographischer Hinsicht sehr wechselnden Gesteines mit dem Syenit, wie mit
dem silurischen Schiefergebirge gab der im Jahre 1817 angefangene tiefe Elbstollen dereinst
wertvolle Aufschlüsse. 5 )
Untersuchen wir das Porphyritgestein im Bruche genauer, so entdecken wir auf Kluft-
flächen desselben häufig Kupfergrünüberzüge oder rotbraunen Eisenerzbelag. 6 ) Nach der
Syenitgrenze zu, wo das klüftige Gestein und die Reibungsbreccie die Sickerwässer eintreten
lassen, ist die Felsart stark gelblich ausgebleicht.
Wir kehren zur Straße zurück und sehen bei weiterer Wanderung das eben kennen
gelernte Porphyritgestein den rechtsseitigen, schön bewaldeten Thalhang bilden, der sich
hinzieht bis zu dem hübschen Gasthaus zum Steiger und dessen oberer Kamm Juchhöh,
eigentlich Jochhöhe ! ) genannt wird. Kurz vor dem Bahnhof Potschappel sieht man der
Jochhöhe gegenüber den am Bahnhof sogar angebrochenen Sauberg aufragen, während weiter
westwärts der bewaldete Rücken des Burgwartberges sich in das Kohlsdorf-Pesterwitzer Thal
zungenartig hereinschiebt. Der Burgwartberg, dessen Goldreichtum die Sage preist, soll einst
ein Kastell ( Burgwardium Buisritsi ) s ) getragen haben. Beide Erhebungen, die des Sauberges
und des Burgwartberges, bestehen aus Porphyrit und gehören dem Potschappler Zuge an,
der sich auch jenseits der Weißeritz im angebrochenen Eichberge heraushebt und dessen
Zusammenhang hier durch die Erosion der Weißeritz unterbrochen wurde, die gerade in
dieser Fluchtlinie ihr Bett bis auf das silurische Schiefergebirge eingewaschen hat. 9 )
Die Thalmulde, in welche wir nunmehr eingetreten sind, zeigt nach Ost und West
zu flachwallige Konturen und ist ein Erosionsfeld, dessen Beckennatur oberflächlich zunächst
nicht hervortritt. Die Formation, welche in der Tiefe die Kohlenschätze birgt, ist das untere
Rotliegende, darüber lagern die Schieferletten des Mittelrotliegenden, dessen obere Schichten,
sowie die Breccientuffe weggewaschen sind, nur der sagenumwobene Windberg „der Berg,
den bloß das Wasser hierher gepflanzt“, verrät durch seinen Aufbau, welche Schichtgesteine
8eite 247*ff M ’ V01 * Süfimilch: Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart. Annaberg. 1889,
, J) Naumann -Cotta : Geognostische Beschreibung des Königreichs Sachsen. Heft V. Seite 204. Sekt.
Wilsdruff, Seite 26. Teil I dieser Arbeit, Seite 13.
“ Naumann -Cotta, a. a. 0., Seite 202. Zirkel II., a. a. 0., Seite 546, 561, 666.
Teil I dieser Arbeit, Tafel I.
J. Petzholdt, a. a. 0., Seite XXX; Naumann -Cotta, a. a. 0., Seite 200, 201, 206.
Naumann -Cotta, a. a. 0., Seite 155, 202.
J. Petzholdt, a. a. 0., Seite 27, 28.
W G. Becker I. a. a. 0., Seite 56, 111. Vergl. auch Dresdner Journal yom 19. Oktober 1897: Der
Plauensche Grund m Schrift und Bild vor 100 Jahren.
9 ) Sekt. Wilsdruff, Seite 11.
13
einst die ganze Thalmulde ausgefüllt haben. Der verlassene Windbergschacht erreichte das
Hauptflötz bei 409 m Teufe, 1 ) so dals dasselbe etwa 227 m unter der Thalsohle liegt.
Die Entdeckung der Steinkohlen im Plauenschen Grunde fällt der Sage nach in die
Mitte des 15. Jahrhunderts, und zwar soll ein Kuhhirte auf Kohlsdorfer Flur sich einst ein
Feuer gemacht und dasselbe durch einen Steinaufbau gegen den Wind geschützt haben.
Schwarze, dazu verwendete Steine gerieten dabei in Brand. 2 ) Kurfürst Moritz, welcher ein
eifriger Förderer des Bergbaues war, 8 ) erteilte dann im Jahre 1542 dem Münzmeister Biener
(oder Bienert) das Recht „vom Dorfe Plauen an nach dem Tharandte zu eine Meile Wegs
lang und breit“ Steinkohlen zu graben. Damit begann der Abbau der wertvollen Kohlen-
felder, deren Material man dereinst auch auf dem vom Oppelschachte nach der Elbe führenden
tiefen Elbstollen direkt verfrachten wollte, eine Idee, die wohl niemals verwirklicht worden
ist. 4 ) Heute geht der Abbau der Kohlen, deren Hauptflötz eine Mächtigkeit von 1 — 7 m hat,
seinem Ende zu, in etwa 30 Jahren wird der Vorrat erschöpft und die Industrie auf andere
Bezugsquellen angewiesen sein. 6 )
Wir setzen unsere Wanderung auf der Straise fort, kommen an den mächtigen
Schutthalden der Carolaschächte vorüber, mit denen das Hauptflötz etwa 220 m unter Thal-
sohle erreicht wurde, 6 ) und gelangen schließlich nach Deuben, wo bei der letzten Hochflut
die Weilseritz so furchtbar gewütet und sich mitten durch den Ort sogar ein neues Bett
gewühlt hat. Zur Linken mündet der Poisengrund ein, und der Windberg markiert sich hier
als gewaltiger Eckpfeiler des Rotliegenden, welches mit der charakteristischen Farbe vielfach
an den Hängen hindurchschimmert. Die Thalränder beginnen sich jetzt schnell zusammen-
zuziehen, und zwar wird der östliche Hang steil, während westwärts eine Anzahl zungen-
förmig vortretender, von Breccientuffen und Gneis -Porphyr -Konglomeraten gebildeter
Terrain wellen aufeinander folgen, bis sich beim Bahnhof Hainsberg die beiden, nun steil
aufragenden Thalwände bis auf 300 m nähern. An dieser engen Durchbruchsstelle der
Weilseritz, am sogenannten Backofenfelsen oder dem Riesenbette, 7 ) sind die groben Gneis-
Porphyr-Konglomorate mit zwischengeschalteten Sandsteinen und Schieferthonen sehr schön
aufgeschlossen und die letzteren Schichten teilweise herausgewittert, so dals flach linsen-
förmige Wölbungen und Backofen ähnliche Nischen entstanden sind, deren Deutungen dem
ganzen Felsen die Namen gegeben haben.
Diese grobstückigen Trümmergesteine enthalten Gerölle von Tharandter Porphyren
und von erzgebirgischen, gefältelten Gneisen, zum Beweis dafür, dals die eigenartige Struktur-
abänderung der Gneise schon eingetreten war vor Absatz der rotliegenden Schichten. 8 )
Überschaut man die ganze Steinwand, so kann man das flache Einfallen der Konglo-
merat- und Sandsteinbänke nach Nordost nicht übersehen. Besser noch erkennt man dies von
der Höhe von Eckersdorf (siehe Exkursion Rabenauer Grund). Wir haben in diesen Schichten
die südlichen Beckenränder des Döhlener Bassins vor uns.
c) Hainsberg-Tharandt.
Wir wandern auf der Straise nach Tharandt weiter, zur Rechten die hochaufragende
Konglomeratwand, deren wollsackähnliche Klippen auf der Höhe ihre Stirnseiten nach Westen
wenden, an der Vereinigungsstelle der roten und wilden Weilseritz vorüber bis zum Gute
Heilsberg, im Volksmunde „Engländerei“ genannt. Gerade gegenüber, am nördlichen Thal-
rande verläuft die Grenze des Rotliegenden gegen den Gneis des Nordflügels der erzgebirgischen
Hauptfalte, den wir bei weiterer Wanderung im Thal der wilden Weilseritz alsbald die
beiden Thalhänge bilden sehen. Das enge, aber im allgemeinen parallelwandige, schön
bewaldete und durch keinen Steinbruch seiner Reize beraubte Thal durchwandern wir in
30 Minuten bis Tharandt und haben dabei wiederholt Gelegenheit, die steil aufgerichteten
und nach Nord einfallenden Gneisbänke, die sehr deutlich die auf den Gebirgsdruck zurück-
zuführende Fältelung und Transversalschieferung zeigen, zu beobachten, zum letzten Male
*) Hausse: Profile, Seite 29. Vergl. auch H. Credner: Elemente der Geologie. 1897. 8. Aufl. Seite 407.
s) W. G. Becker I., a. a. O., Seite 61, 62. Jul. Petzholdt, a. a. O., Seite 32 , 33. v. Sülsmilch: Erz-
gebirge. Seite 246.
8 ) Lindau II., Seite 613. Jul. Petzholdt, a. a. 0., Seite 34. .
*) Jul. Petzholdt, a. a. 0., Seite XXXII und 40.
6 ) Hausse: Profile, Seite 51, 52, 78; Naumann -Cotta, a. a. 0., Seite 276 — 336.
6 ) Hausse: Profile, Seite 20.
«) W. G. Becker I., a. a. 0., Seite 85, 87, 89; Jul. Petzholdt, a. a. O., Seite 71; Sekt. Tharandt. Seite 69.
8 ) Sekt. Tharandt, Seite 69.
14
bei dem Aufgange zum Tharandter Schlosse. Von dieser herrlichen Ruinenstätte, 1 ) wo.es
sich so schön träumt vom ewigen Werden und Vergehen, schweift der Blick in drei wald-
umsäumte, liebliche Thäler, ostwärts in den Endabschnitt des Weißeritzthaies nach Hainsberg
zu, südwärts in den nach dem Erzgebirge führenden Teil des Flußthaies und fast nordwärts
in das anmutige Thal des in die Weißeritz sich ergießenden Schloitzbaches.
Wenn wir mit der Eisenbahn heimkehren, achten wir auf den vierfachen Charakter
des Grundes. Wir kommen erst durch den friedlichen, fast grade verlaufenden Abschnitt
bis Hainsberg, dann in das breite, von der Großindustrie in Besitz genommene Erosionsgebiet,
weiter in den engen, steilwandigen, gewundenen, eigentlichen Plauenschen Grund und
schließlich in den sich breit öffnenden und mit der Eibaue sich vereinigenden En dabs chni tt.
d) Rabenauer Grund.
Wer die erzgebirgischen Gneise, ihre steile Aufrichtung, Fältelung und die herrlichen
Erosionserscheinungen im Thal der roten Weißeritz kennen lernen will, für den empfiehlt
es sich, bei der „Engländerei“ von der Tharandter Straße links abzugehen auf dem Wege
nach Coßmannsdorf. Wir passieren Bahnlinie und Weißeritz, biegen alsbald rechts in die
Straße nach Somsdorf ein, kommen an der Walzmühle vorüber und gehen am Gasthof zum
Rabenauer Grunde links ab auf dem Fußwege weiter, der durch den Grund, zunächst am
Mühlgraben entlang, führt. Die Höhen zur Rechten bestehen bereits aus Gneis, und zwar
aus einem fein- bis mittelkörnigen, schuppigen Gesteine, dessen Schichten steil aufgerichtet,
vielfach gefältelt 2 ) und reich an Adern , Linsen und Knauern eines weißen Quarzes sind.
Es sei hier bemerkt, daß durch die Julihochflut von 1897 der Grund vollständig unpassierbar
geworden war. Ehe man an das enge Bachthal gelangte, hatte sich das reißende Bergwasser
ein neues Bett gegraben und mächtige Schotter und Felsgetrümmer zum Absatz gebracht,
so daß man, um einer Wiederholung derartiger Katastrophen vorzubeugen, hier das Flußbett
verbreitert und feste Ufermauern angelegt hatte. Um Bausteine dazu zu gewinnen, hatte
man das westliche Gehänge in 2 großen Brüchen angesprengt, wodurch die steile Schichtung
der Felsbänke, ihre Fältelung und Transversalschieferung, sowie namentlich auch das Auf-
treten ruschelähnlicher, grusig- eisenschüssiger Quetschzonen im Gneisgebirge gut erkennbar
geworden waren. Ein Vordringen in den arg verwüsteten, hinteren Grund zum Zwecke
einer Revision war im September 1897 mir nur bis zur zweiten Eisenbahnbrücke möglich,
bis wohin bereits ein gräuliches Chaos von grobem Blockwerk und Schotter herrschte.
Der herrliche Rabenauer Grund ist ein wildes Erosionsthal, den das Bergwasser fast
senkrecht zur Schichtung der Gneise eingearbeitet hat, wodurch sich im Gegensatz zur
wilden Weißeritz, die mehr längs der Schichtung das Gebirge erodierte, der außerordentlich
gewundene Lauf der roten Weißeritz erklärt.
Kurz vor der zweiten Bahnbrücke, deren kühne Bauart sich dem Charakter des
Felsthaies so trefflich anpaßt, geht der mittelkörnige Gneis, dessen Gebiet wir bisher durch-
wandelten, in den mittel- bis grobkörnigen, sogenannten Freiberger grauen Gneis über, der,
dickbankig und von Quarzadern durchzogen, hinter der zweiten Brücke angebrochen und
schön gefältelt ist. Nach Passierung der dritten Brücke, oberhalb welcher die Bahnlinie
durch einen kurzen Tunnel geht, sehen wir an der vierten Überbrückung die Fältelung der
glänzenden Gneisschichten am schönsten im ganzen Grunde am Wege in die Erscheinung
treten. Wir kommen an 2 Stollenmundlöchern vorüber, welche im 14. Jahrhundert von den
Bergherren von Edle Krone angelegt worden sind, s ) und halten auf den Moosbänken des
von den Wedeln der Farne, von zierlichem Perlgras und einem Teppich von lieblichen
Waldblumen umgebenen Blockwerkes kurze Rast, um die unberührte Schönheit dieses Fels-
labyrinthes zu genießen. Tosend und schäumend eilt das klare Gewässer über das Fels-
getrümmer, zwischen dem muntere Forellen sich tummeln.
Wir überschreiten zweimal die Eisenstraße und treffen hinter der 6. Brücke am Hange
stark gestauchte und gewundene Gneisschichten. Der Schienenweg passiert, den mehrfach
fast rechtwinkeligen Windungen des Flusses folgend, weitere 4 Brücken. Wir kommen an
den Landhäusern „Waldfrieden“ und „Muttersegen“ vorbei und haben hinter der 12 Bahn-
brücke einen herrlichen Blick in der Thalrichtung auf das auf der Höhe liegende Rabenau.
Am Hange ist der Fels außerordentlich zerklüftet, und zwischen den fast senkrecht
stehenden Schichten fallen Schründe stark zersetzten Gesteines auf. Bald zeigt sich zur
*) W. G. Becker L, a. a. 0., Seite 90 ff.; von Süßmilch: a. a. 0., Seite 260 ff.
a ) Sekt. Tharandt, Seite 9. .
•) von Süßmilch: a. a. O., Seite 251. i .
Rechten abermals ein Stollenmundloch; nun wiederum im mittelkörnigen, schuppigen Gneis,
in dessen Gebiet wir bei der idyllisch gelegenen Rabenauer Mühle eintreten.
Den Rückweg nehmen wir über Rabenau. Wir passieren die Bahn und gehen den
Promenadenweg links aufwärts. Beim Einbau der Schleusen und der Wasserleitung im
November 1896 war allerorten der Gneis, oben schattig zerklüftet, aufgeschlossen. Nach
unserer Wanderung durch die gewerbfleißige Stadt schlagen wir den nach Hainsberg
führenden Fußweg ein, längs dessen die Masten für die elektrische Leitung eingesetzt sind.
Beim Aufgraben des Bodens traf man auf der Höhe überall auf Gneis, während mehr nach
Eckersdorf zu das Rotliegende und zwar rote Konglomerate aufgeschlossen wurden. Drüben
am nördlichen Thalhange sieht man oberhalb Coßmahnsdorf die Konglomeratbänke des
Backofenfelsens deutlich nach Hainsberg zu einfallen und damit den Beckencharakter des
Döhlener Rotliegenden vortrefflich illustriert, Der Straßengraben zur Rechten läßt eben-
falls das Rotliegende erkennen.
Wir passieren Eckersdorf und erreichen auf der Straße, in welche unser Fußweg
beim Gemeindeamte einmündet, in etwa 15 Minuten Bahnhof Hainsberg.
e) Poisengrund.
Eine Seitentour, welche sich bequem an den Gang auf der Grundstraße anschließt,
führt uns vom Bahnhof Deuben über die Tharandter Straße in den Poisengrund. Wir über-
schreiten Weißeritz und Mühlgraben und haben zur Linken den imposanten Windberg mit
seinen schön bewaldeten, nach . dem Poisenthal wellig abfallenden Hängen. Die Basis
dieses Rückens bilden Schieferletten und Schieferthone, auf denen der eigentliche Berg aus
Breccientuffen und Konglomeraten aufgebaut ist. Es sind dies Gesteine, die aus einer fein
geriebenen, rötlichen oder grauen Grundmasse bestehen, in welche eckige oder gerundete
Fragmente verschiedener Porphyre eingebettet sind. Durch Verfeinerung des Kornes gehen
diese Gesteine in Arkosen und Sandsteine, ja schließlich in Thonsteine und Schieferletten über. J )
Den basalen Schieferletten zwischengeschaltet findet sich das im Windbergschachte
bei 142 m Teufe erreichte, 2 ) sogenannte Niederhäßlicher Kalksteinflöz, welches seit längerer
Zeit abgebaut wird, dessen Material man aber früher als Düngekalk nur auf die Felder warf. 8 )
Wir besuchen das früher Schliewensche, jetzt Hickmannsche Kalkwerk, wo in einem
Stollen folgendes Profil aufgeschlossen ist. Unter den hangenden Schieferletten lagert die
sogenannte Schrämmlette, darunter das Kalkflöz, welches zu oberst aus dem Brenzei (0,30 m),
darunter der Mittelbank (Stinkkalk) und schließlich dem 1 / 2 m mächtigen Bankstein besteht.
Im Brenzei findet sich als „Doppelnuß“ eine doppelte Lage guten, brauchbaren Kalksteines.
Der Kalkstein ist graugrün, fein gestreift und von spiittrigem Bruche, enthält Nester
von rotem Karneol und hat eine reiche, fossile Fauna von vierfüßigen Lurchen geliefert,
welche von Gredner, Geinitz und Deichmüller bestimmt und beschrieben wurde. 4 ) Die auf
den meist eisenschüssigen Schichtungsflächen der Kalksteine sich vorfindenden Skelettreste
lassen erkennen, daß man es mit Tieren zu thun hat, die unseren Molchen glichen, nur daß
sie auf der Bauchseite beschuppt waren. Fundstücke, zumeist Reste von dem zierlichen
Branchiosaurus amblystomus Cred., erbittet man am besten von den dort den Kalkstein zer-
klopfenden Frauen. Wir kehren zur Straße zurück und wandern durch Niederhäßlich, wo
dem Gasthofe gegenüber, aber auch anderwärts das Rotliegende am Windberghange mit
seiner auffälligen Gesteinsfarbe hervortritt. Oben auf der Höhe erblicken wir die Schutthalden
des Segen - Gottes -Schachtes, links davon neben einer Pappel das Denkmal für die im
Jahre 1869 verunglückten Bergleute. Zur Rechten zieht sich in einsamer Schönheit der
herrliche Poisenwald hinauf auf die welligen Hänge, die von den Schieferletten, Breccientuffen
und Gneis-Porphyr-Konglomeraten gebildet werden. Zu beiden Seiten der Straße haben wir
saftige Wiesen, auf denen im Herbst zahllose Herbstzeitlosen blühen. Am Windbergrücken
sehen wir wiederholt im Niveau der Straße noch die Schieferletten anstehen, doch nach
eifier energischen Krümmung nach Nord hebt sich dieselbe und wir gelangen in den Horizont
Sekt. Tharandt, Seite 57, 68.
2 ) Hausse: Profile, Seite 29.
s ) W. G. Becker t, a. a. 0., Seite 82 ff.
4 ) H. Credher: Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rotliegenden des Plauenschen Grundes.
Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. 1881: Seite 298, 574; 1882: Seite 213; 1883: Seite 275; 1885:
Seite 694; 1886: Seite 576; 1888: Seite 488; 1889: Seite 319; 1890: Seite 240. — H. Gredner: Stegocephalen des
Rotliegenden. 2 Wandtafeln. W. Engelmann. 1888. — H. B. Geinitz und J. V. Deichmüller: Nachträge zur
Dyas II und HI. Kassel. 1882 und 1884. — Vergl. ferner: Naturwissenschaftliche Wochenschrift von Potonie.
1890. Nr. 48.
16
der die Windberghaube bildenden Breccientuffe. So wandern wir fort unter schattigen Ahom-
bäumen an den an Wasserpflanzen reichen Teichen des Bütterungsgrabens vorüber, wo am
„dünnen, schlangengleichen Stiel die Wasserrose schwankt“, bis zum „Gasthaus zum Poisen-
thal“. Hier gehen wir, einem Wegweiser folgend, links ab. nach Hähniehen, überschreiten
den Bach und halten, am Hange aufwärts gehend, die Richtung auf die brennenden Halden
des Beckersch achtes. Ab und zu schauen wir rückwärts in das schöne Erosionsthal und auf
die rötlich schimmernden Felder. Wenn wir an die rauchenden Halden gelangt sind, fällt
uns ein intensiver Geruch nach schwefliger Säure auf. Das Betreten der lockeren Schutt-
haufen ist verboten wegen der Gefahr des Einsinkens. Am Rande der ausgebrannten Teile
kann man nicht selten Schwefel, schön in Krystallen sublimiert, roten Realgar und weißen
Salmiak finden.
Im Süden erblicken wir Halden und Schachtgebäude des Berglustschachtes, der süd-
lichsten Anlage im abbauwürdigen Kohlenfelde, *) wo bereits die Aufsattelung des silurischen
Schieferrückens beginnt und das Hauptflöz von 1 m Mächtigkeit ab sich als Brandschiefer-
schicht nach Südwest zu auskeilt.
Wir kehren auf den verlassenen Weg zurück, überschreiten die Kohlenbahn und
benutzen den Fußweg nach der goldenen Höhe, von wo wir über Welschhufe, Nöthnitz,
Räcknitz nach Dresden zurückkehren.
f) Kaitzgrund-Oberpesterwitz.
Von der Endstelle der Straßenbahn in Plauen gehen wir die Coschützer Straße
aufwärts bis zu dem links vom Wege befindlichen Friedhofe. Dort biegen wir links ab,
zwischen den Ziegeleien von Lichtenberger , Goldbach und Genossen hindurch, wo unter
3Va m Höhenlehm l 2 ) 3 m harter Lehm mit Steinen, dann das sogenannte „Kugelgebirge“ als
grobes Geröll, weiter Pläner, Thon und endlich Syenit folgen. An dieser Stelle traf man vor
Jahren auch auf ein von Lehm schwachbedecktes Syenitküppchen, an dem Dofs die Ein-
wirkung der Inlandeismasse der Diluvialzeit in Gestalt von Rundhöckerbildung nachzuweisen
vermochte. Der Weg senkt und hebt sich wieder, um schließlich hinabzuführen in den hier
schon etwas verschmälerten Kaitzgrund, an dessen oberem, nördlichem Hange in dem Bruche
von Maul grauweißer Plänersandstein 3 ) aufgeschlossen erscheint. Es gehen also hier bereits
die im Elbethale liegenden Pläner in Plänersandsteine und weiter diese in echte Sandsteine
über. (Vergl. Exkursion nach der goldenen Höhe.) An den unteren Hängen des Grundes
streichen die vom Kaitzbach durchsägten Breccientuffe, an der Sohle auch die Schieferletten
aus, doch sind die Böschungen leider verwachsen. Wir überschreiten den Bach nicht, sondern
gehen rechts ab, am Wasserwerk vorüber, den lauschigen, namentlich im Frühlungsschmucke
herrlichen Waldweg entlang, wo Primel, Lungenkraut und Buschwindröschen blühen und
vielstimmiger Vogelgesang uns entzückt. Der Grund hat hier schon steile Hänge, und die
Breccientuffe treten wiederholt zu Tage, bis wir nach etwa 10 Minuten rechts einen Anbruch
in diesen Gesteinen entdecken. Im unteren Teile des Aufschlusses 4 ) haben wir rote, grau
gefleckte, plattige Schieferletten und Tuffe, während weiter oben Konglomerate und. grobe
Breccien anstehen. Wenn wir unten im Thale den Bach überschreiten und links ab aufwärts
nach Cunnersdorf gehen, so haben wir gleichfalls rechts am Hange dieselben dickbankigen
Schichten aufgeschlossen.
Wir kehren zum Grundwege zurück, gehen bis zu der anmutig gelegenen Thalschenke,
wo das Thal sich auffällig verengt und sich aufwärts zieht bis zur Kaitzbach quelle bei Klein-
naundorf. Die Thalschenke lassen wir zur Linken und wandern aufwärts nach Zschiedge.
Im Straßengraben sind die Breccientuffe angeschnitten. Wir passieren die Kohlenbahn und
Straße und erreichen in 3 Minuten Zschiedge, wo sich der Weg teilt. Rechts abbiegend
folgen wir dem am Hange des tief eingeschnittenen Thaies hinführenden Wege. Hinter den
letzten Häusern des Ortes zieht sich ein Steilhang hin, welcher die hier durchstreichende
Verwerfungskluft des roten Ochsen scheinbar oberflächlich markiert, während sich aus der
Thalmulde zur Linken ein Rücken heraushebt. Dieser wird gebildet von dem Porphyritzug
des Eichberges, der einst auch vom Mittelrotliegenden bedeckt war, jetzt aber durch die
l ) Sekt. Kreischa, Seite 26. Hausse: Profile, Seite 40, 78.
! ) Sekt. Dresden, Profil ö, Seite 98; Isisberichte 1891. Abh. 9, Seite 6.
*) Sekt. Dresden, Seite 54.
4 ) Sekt. Dresden, Seite 41.
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Erosion freigelegt erscheint . l ) Das flözführende Steinkohlengebirge ist in den geschützten
Senkungen zu beiden Seiten des Porphyritrückens erhalten geblieben.
Südwestlich erscheint die weite Thalmulde von Potschappel. Weiter wandernd treffen
wir zur Hechten einen verlassenen Schacht, in. dessen Umgebung noch zahlreiche Stücke
der flözführenden, grauen Sandsteine und Schieferthone, mitunter auch von Stückkohle liegen.
Wir kommen an die Kohlenbahn, die im Volksmunde wegen der Kühnheit der Anlage, wegen
ihrer Kurven und Steigungen, die sächsische Semmeringbahn heilst, überschreiten dieselbe,
folgen aber nicht dem rechts abführenden Wege, sondern gehen auf dem linken Fußpfade
direkt auf das im Felde stehende einzelne Haus los, an demselben vorüber und hinab in
die, von den dereinst in den Grund abfließenden Gewässern bis auf die flözführenden
Schichten eingewaschene Schlucht des Geyersgrabens. Hier streicht das Kohlenflöz zu Tage
aus. a ) Es verraten dies unter anderem die im Graben umherliegenden Fragmente von
grauem Sandstein, von Kohle und Kohlenschiefer, welch letztere sogar nicht selten undeutliche
Pflanzenreste (Nadelhölzer) enthalten. Ehe wir den Tunnel unterhalb der Bahn passieren,
sehen wir oben links den Porphyrit anstehen.
Sind wir durch den Tunnel geschritten, so liegt gerade vor uns die aus Porphyrit
bestehende Jochhöhe. Wir erreichen in 3 Minuten Neu-Coschütz und gelangen über die
Weißeritz, .die hier bei der letzten Hochflut ein arges Trümmerfeld geschaffen hatte, an das
Gasthaus zum Steiger. Wir folgen dem am Bahnkörper im Westen entlang führenden Wege,
bis rechts bei einer Unterführung die Straße nach Niederpesterwitz abzweigt. Diese schlagen
wir ein. Links liegt ■ der scharf hervortretende Sauberg, gerade gegenüber, jenseits der Bahn,
der Eichberg, — "die beiden Eckpfeiler des von der Weißeritz zerstörten Porphyritzuges.
Wir wandern, uns immer rechts haltend, bis Niederpesterwitz, von welchem Orte aus der
Weg alsbald bergan geht. Vom vorletzten Hause des Ortes aus, an d.er Straßenbiegung,
kann man die von dem Porphyritzuge des Burgwartberges, Sauberges und Eichberges vom
Hauptbecken geschiedene Pesterwitzer Nebenmulde auch oberflächlich gut überschauen. 3 )
Das durch die Verwerfung des roten Ochsen hier in die Tiefe gezogene Kohlenfeld, in dem
das Hauptflöz eine Mächtigkeit von 9 m erreichte, ist abgebaut. *) Wir wandern bis Ober-
pesterwitz weiter und sehen gegenüber vom ersten Hause plattig zerklüfteten Porphyrit
angebrochen. Beim zweiten Hause wenden wir uns rechts ab auf den Fußweg an der
Kirschallee, biegen links um am Bretterzaun entlang, und gelangen auf die mit schönen
Ebereschen besetzte .Straße, die nach Döltzschen führt. Bald taucht das Elbthal mit der
Großstadt im Nordosten auf und darüber, auf dem Lausitzer Plateau, erscheint der Gönns-
dorfer Turm. Nach wenigen Schritten wird das herrliche Landschaftsbild, mit den sanften
Linien, im Osten ergänzt durch die unvermittelt aufragenden Tafelberge der. sächsischen
Schweiz. Von Döltzschen gelangen wir nach Plauen und zurück nach Dresden.
g) Die Gehänge des Plauenschen Grundes.
Die mächtigen Schuttabsätze der diluvialen Weißeritz, welche unterhalb Plauen sich
fächerförmig zwischen Löbtau und Bäcknitz ausbreiten, waren in den letzten Jahren durch die
Ausschachtungen für die Tiefgeleise des Dresdner Hauptbahnhofes bei der Falkenbrücke (so-
genannter Hahnebergeinschnitt) aufgeschlossen, wo das grobe Flußgeröll auf dem graublauen,
geflammten, wulstig aufgequollenen Brongniartimergel auflagerte. Wir nehmen von der
Falkenbrücke unsem Ausgang zu einer Exkursion, welche uns zu den Plänerauflagerungen
der Gehänge des Plauenschen Grundes führen soll. Links steigt die Chemnitzer Strasse zur
oberen Flußterrasse empor, wir benutzen die Zwickauer Straße auf der unteren Thalstufe.
Der Hang zur Linken zeigt die Weißeritzschotter an verschiedenen Stellen , angeschnitten.
(Fahrradfabrik von Schladitz und Maschinenfabrik von Richard Lehmann). Uber die Unter-
grundverhältnisse giebt das Profil des artesischen Brunnens auf dem Feldschlößchenareal
Aufschluß 5 ) (16,3 m Weißeritzschotter; 54,7 m oberer und mittlerer Pläner). Nach Plauen
gelangt, gehen wir auf der Falkenstraße weiter bis zur Bienert-MUhle , dann aufwärts auf
der Lutherstraße an Kirche und Friedhof vorüber. Bald erscheint die steile Bruchwand
der Ratssteinbrüche zur Rechten. Wir kommen am Seminar vorüber und erreichen nach
wenigen Minuten den „Hohen Stein“, wo auf einer beim früheren Steinbruchsbetrieb stehen
fl Hausse: Profile, Seite 27.
fl Sekt. Dresden, Seite 38. .
fl Naumann -Cotta: Geognostische Beschreibung. Heft V, Seite 200.
4 ) Hausse: Profile, Seite 10, 61, 79.
fl Sekt. Dresden, Seite 96.
3
gebliebenen Syenitklippe ein Aussichtsturm sich erhebt, yon dem uns eine herrliche Rund-
sicht auf die Residenz und die industriellen Vororte, sowie in den tiefen Grund erfreut. Das
alte Bruchfeld wird eingenommen von einem einfachen Gasthause mit hübschen Gartenan-
lagen und aufgemaüerten Aussichtspunkten.
Wir stehen hier auf historischem Boden, an einer Stätte, wo Fachgeologen im Verein
mit einfachen Handwerkern (unter anderen Stellmacher August Birck) 300 — 400 Petrefakten
und Tausende von Haif schzähnen aus der cenomanen Muschelbreccie gesammelt haben,
welche den Syenit einst bedeckt hat und noch heute in der vom Turm gekrönten Klippe
eine sackförmige Einlagerung bildet, ein Noli me tangere für den Besucher, wie auch die
Aufschrift „Nicht pickern!“ bekundet. (Abbildung davon in Geinitz: Elbthalgebirge I. S. 11). *)
Die grauweiße Plänereinlagerung enthält massenhafte Muschelreste (Ostrea carmatä
Lam., Spondylus striatus Sow.), Schneckentiere (u. a. Cerithium Bircki Gein.), Belemnitella plena
Blainv., Stacheln von Seeigeln (Gidaris Sorigneti Des. u. vesiculosa Goldf.) und Fischzähne
(Corax heterodon Ess., Oxyrhina angustidens Rss.), die man noch gelegentlich aus der Pläner-
decke oberhalb des Ententeiches und am Weganschnitte nach dem Felsenkeller zu sammeln’
kann. Auch die alten, dem Mühlenbesitzer Bienert gehörigen, halb verschütteten Plänerbrüche
unterhalb des „Hohen Steines“ liefern noch einige Ausbeute (ich fand 4 schöne Exemplare
von Inoceramus striatus Mant), verdienen aber auch um deswillen einen Besuch, weil' hier
die nach Nordost einfallenden, teilweise zerrütteten Pläner direkt auf dem Syenit auflagern,
der an der Oberfläche durch das brandende Kreidemeer gerundete Buckel aufweist. Auch
Trichterschwämme kann man hier sammeln, z. B. Cupulispongia Roemeri Gein., Stellispongia
Plauensis Gein.
Wir gehen auf dem Promenadenwege am Hange des Grundes an der Bastei, mit dem
schönen Blick in das schlangenartig gewundene, meist raucherfüllte Thal, vorüber bis zu
dem nach Coschütz führenden Fahrwege, wo rechts vom Felsenkeller sich eine waldige
Schlucht heraufzieht. Am oberen Ende derselben ist der dickbankige Carinatenpläner an-
geschnitten, dessen Schichten anormal nach Süd einfallen. Wir wandern weiter auf der
Straße nach Coschütz, welches wir in etwa 8 Minuten erreichen, gehen am Gasthofe vorüber,
lassen den kleinen Teich rechts liegen und wenden uns abwärts, bis alsbald rechts am Hange,
wo Diluvialsöhotter durch die bewachsene Böschung hindurchschaut, ein Fahrweg an der
Gartenmauer entlang und wieder rechts abbiegend zu einem einzelnen Häuschen führt mit
der Inschrift „J. G. Günther 1847“. Dort biegen wir links ab und schreiten auf einen auffälligen
Hügel 2 ) zu, die sogenannte Heidenschanze, eine alte heidnische Begräbnisstätte, aus welcher
das prähistorische Museum im Dresdner Zwinger eine reiche Sammlung von Urnen u. s. w.
erhalten hat. Ehe wir die Heidenschanze erreichen, erscheint rechts der Steinbruch von
Kanner in Coschütz. Wir haben in demselben die groben Grundkonglomerate der Cenoman-
stufe der Kreideformation vor uns, deren Bänke hier in anormaler Weise im Verein mit den
gleich zu erwähnenden Sandsteinschichten nach Südosten einfallen. 8 )
Der interessaüte Aufschluß, dessen Bruchverhältnisse ich seit Mai 1895 fortgesetzt
beobachtet habe, bietet folgendes Profil.
Zu oberst lagert eine grobe, durch wenig Sand nur locker gebundene, rotbraune
Konglomeratbank, deren Rollstücke ausschließlich aus Syenit bestehen. Darunter folgt die
obere Werksteinbank, ein bald mürber, bald festerer, hellbrauner bis schwarzbraun fleckiger
Sandstein, der zahlreiche Steinkerne von Inoceramus striatus Mant., ferner Abdrücke und
Steinkerne von Cerithium, Seeigelstacheln und mit Eisenoxydhydrat überzogene, verkieselte
Treibholzstücke enthält. Darunter stellt sich eine nur 10 cm mächtige Lage von kleinstückigem
Konglomerat ein, die, zumeist stark verwittert, sich an der östlichen Bruchwand nur als
eine mit thonigen Zersetzungsprodukten erfüllte Kluft kenntlich macht. Nunmehr folgt die
aus weißem oder schwach gelblichem, bisweilen gestreiftem und gebändertem Sandstein
bestehende, untere Werksteinbank, in welche an der Nordwand eine keilförmige, nach Ost
einfällende Partie fester, grober Konglomerate, verkittet durch ein eisenschüssiges Sandcement,
zwischengeschaltet ist. Der Sandstein war an dieser Stelle in der Tiefe glaukonitisch und
im Mai: 1896 als schöner, braunfleckiger Tiger- oder Leopardensandstein entwickelt.*) Jetzt
ist diese Stelle des Aufschlusses verschüttet. Weiter nach unten soll nach Aussage der
9 J- Petzholdt, a. a. O., Seite 12; Naumann-Cotta, a. a. 0., Seite 350; Sekt. Dresden, Seite 48.
a ) J. Petzholdt, a. a. 0., Seite 20.
8 ) W . G. Becker I., a. a. 0., Seite 47, II., Seite 8; J. Petzholdt, a. a. 0., Seite 19; Naumann-Cotta,
a. a. 0., Seite 349; L. F. Naumann: Lehrbuch der Geognosie. 1862. II. Seite 971; H. B., Geinitz: Elbthalgeb. I.
Seite 10 (Abbildung); Sekt. Dresden, Seite 60, 51. , '
*) C. F. Naumann: Geognosie. 1862. II. Seite 975. Im Februar 1898 fand man auch auf Kluftflächen
die Wülste von Spongia Saxonica.
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Arbeiter abermals Konglomerat folgen. In der unteren Werksteinbank, deren Material zu
Wassertrögen und auch als Baustein Verwendung findet (die steinere Weißeritzbr ticke beim
Forsthaus ist daraus erbaut: J. Petzholdt S. 20), finden, sich kleinere, konglomeratartige
Partien mit schön abgeschliffenen , bis wallnußgroßen Quarzen und Kieselschiefergeröllen,
namentlich aber zahlreiche, bis kopfgroße Sy enitgerölle, die, ausgebleicht und zum Teil
thonig verwittert, sich leicht aus dem-Sandstein herauslösen und dann glatte, runde Höhlungen
hinterlassen.
Wir verlassen diese Stätte, wo. einst die Brandung des Kreidemeeres mit dem Syenit-
ge'trümmer ihr Spiel trieb, und gehen weiter auf die Heidenschanze zu, sehen an 'der Weg-
biegung rechts einen Anbruch in plattig zerklüftetem Sandstein und benutzen den rechts
nach einem Syenitbruch führenden Fahrweg bis zur Biegung, wo wiederum zur Rechten
ein am Hange getretener Fußpfad abgeht, auf dem wir uns immer links halten (nicht rechts
aufwärts gehen!) und zu den berühmten Muschelfelsen gelangen. Im Buschwerke verborgen
■treffen wir nach wenigen Minuten 7 am Hange verstreute, augenscheinlich auf sekundärer
Lagerstätte befindliche, von Flechten überzogene Gesteinsblöcke, die cenomane Ausfüllungs-
masse von Spalten und Vertiefungen des syenitischen Grundgebirges, welche durch die
Verwitterung des Syenites freigelegt wurden und abgestürzt sind. Sie stellen ein durch ein
sehr festes Cement verkittetes Haufwerk von Muschel- und Schneckenresten und sonstigen
Bewohnern des Kreidemeeres dar. Die Härte des sandig -kalkigen Cementes bedingte ihre
Widerstandsfähigkeit gegen die Verwitterung. Am häufigsten finden sich platte Steinkerne
von Pedunculus obsoletus Goldf. und von Exogyra columba Lam. 1 )
Es mag hier an alle Besucher dieser interessanten Gebilde die dringende Bitte gerichtet
werden, diese Felsen zu schonen, denn ihr Wert steigt nicht in den Sammlungen.
In der Umgebung der Blöcke liegen zahlreiche Sandsteinfragmente des zerstörten
Unterquaders. Genau oberhalb der Muschelfelsen sind am Plateaurande die groben, braunen
Syenitkonglomerate, die wir bei der Heidenschanze antrafen, mit nach Südost einfallender
Schichtung aufgeschlossen, wenige Schritte weiter abermals und zuletzt in einem verfallenen
Bruche im Sandstein, der von dünnplattig brechendem Carinatenpläner überlagert wird.
Wir kehren zur Heidenschanze zurück und folgen dann dem in Serpentinen in ein
Seitenthal des Grundes hinabführenden Wege, der auf der Fahrstraße einmündet, auf welcher
wir am Steinschlägerwerk von Mäser und Patzig und 3 großen Syenitbrüchen vorüber nach
der Garnisonmühle gelangen. Dieser gegenüber mündet am südlichen unteren Thalhange
hinter der Bretterbude der Coschützer oder Clausstollen 2 * ) aus, der dereinst zur Entwässerung
des Clausschachtes diente und dessen stark eisenhaltiges, mit rotbraunen, schmierigen Massen 8 )
versetztes Wasser jetzt in den Weißeritzmühlgraben geleitet wird. Vom Bau dieses Stollens
her, der den Porphyrit des Eichberges und den Syenit durchörterte, liegen auch noch Fragmente
des Flözgebirges in Gestalt von grauen Schieferthonen umher.
Auf die Grundstraße gelangt, gehen wir diese nordwärts bis zur Friedrich August-
Mühle. Gegenüber derselben gehen zwischen den Häusern Stufen aufwärts, die wir benutzen,
um auf einem angenehmen Promenadenwege, an dem überall der Syenit (auch von Gang-
bildungen durchsetzt) ansteht, an der Begerburg vorüber nach dem Restaurant von Braune
uns zu begeben. Von dem durch Neubau leider veränderten Garten aus überschaut man
den herrlichen Grund und in Südost ein natürliches Profil der Landschaft, welches von den
bei klarem Wetter sichtbaren, grauen Bruchwänden des Goligberges (goldene Höhe) über die
Reihe der Schächte (Glückauf, Segen Gottes, Hoffnung) bis zum Windberg reicht. Im Süden
ruht der Blick auf der meist raucherfüllten Thalweitung von Potschappel.
Von Döltzschen aus, wo wir uns jetzt befinden, machen wir einen Abstecher südwärts
auf der nach der Jochhöhe führenden Straße. Wir kommen dabei an einem auflässigen
Plänerbruche vorüber, wo die nach West einfallenden Schichten des Labiatus- und des
Carinatenpläners, durch die charakteristische Mergelleitschicht 4 ) geschieden, erscheinen.
Zur Linken, am östlichen Hange des Grundes, treten von der Garnisonmühle an rückenähnlich
zwei Syenitwellen und dann die schon aus Porphyrit bestehende Gesteinswelle des Eichberges
scharf hervor, hinter welchen das sanftwellige Gebiet des Rotliegenden emporsteigt, um im
Windberge seine größte Höhe zu erreichen. Wir gehen fort bis zur Wegsäule, etwa 10 Minuten
l ) W. G. Becker, a. a. O., Seite 48; J. Petzholdt, a. a. 0., Seite 19; Naumann-Cotta, a. a. 0., Seite 349,
360; H. B. Geinitz: Elbthalgeh. I., Seite 10; Sekt. Dresden, Seite 47, 48.
a ) Naumann -Cotta, a. a. O., Seite 248 und Tafel II, Figur 8; Hausse: Profile, Seite 23 und Profil VII.
V H. B. Geinitz: Geognostische Darstellung der Steinkohlenf., Seite 64, 66.
4 ) Sekt. Dresden, Seite 53; Teil I dieser Arbeit, Seite 10.
3 *
20
lang, folgen dem nach Potsehappel führenden Wege ungefähr 75 Schritt und biegen dann
links in den sogenannten „Fürstenweg“ ein, den Kurfürst August III. 1 ) anlegen ließ, um in
dem wildreichen Grunde zu jagen, ln 3 Minuten treffen wir rechts die ungemein interessante
Kiesgrube in altdiluvialem Sand und Schotter von Christmann.
Die Sedimente lagern ca. 90 m über der heutigen Thalsohle auf dem Syemtplateau,
und zeigt der Aufschluß, namentlich wenn man vor dessen Mitte steht, einen schalen-
ähnlichen Aufbau der mit 20—25° nach Nord und Süd einfallenden Schichten. Im Unter-
gründe scheint thonig verwitterter Pläner zu liegen, da sich beim Tiefergraben Wasser
einstellt. ' In die ganz gleichmäßig, ohne die geringste Unregelmäßigkeit geschichteten Sande
und Grande, die zumeist aus grusig zerfallenem Syenit bestehen, sind massenhafte Fragmente
von Pläner und Plänersandstein eingebettet, die an den Wänden der Grube wie Nägel oder
Bolzen hervorstehen. Dazu kommen Gerolle und Geschiebe von nordischen und heimischen
Porphyren, Gesteinen des Rotliegenden, von Kieselschiefer und Feuerstein, Syenit und Gneis.
Bemerkenswert ist noch, daß die schalenförmige Struktur nur die unteren, grauen Sande
beherrscht, daß die oberen, braunen Sande diskordant, und durch eine in der Mitte der
Grube zu Tage ausgehende Thonschicht von jenen getrennt, auf lagern. 2 ) Auffällig sind ferner
auf den grauen Sandwänden.kleinere oder größere, rostbraune Flecken und Flatschen, meist mit
verwittertem Pläner im Centrum, sowie thonig verwitterte Gesteinsballen in den unteren Sanden.
Wir kehren nach Döltzschen zurück und folgen der nach Plauen, an der aus Pläner
aufgebauten Gartenmauer entlang führenden Straße, an welcher nach etwa 10 Minuten zur
Rechten, kurz vor der Gasanstalt, ein großer Plänerbruch sichtbar wird, in den wir auf
dem jetzt zum Zwecke der Zufuhr von Ausfüllungsmassen angelegten Fahrwege gelangen.
Der Aufschluß wird leider bald verschwinden und gewährt folgenden Anblick.
Unter plattigem, wenig mächtigem Labiatuspläner folgt die etwa 1 m mächtige Mergel-
leitschicht und dann der dickbankige Carinatenpläner, der, wie überhaupt der ganze Schichten-
komplex, nach Westen und nach dem Elbthale zu mit sanfter Neigung einfällt. Im Liegenden
des Unterpläners folgt eine glaukonitische, mergelige, im feuchten Zustande fast knetbare und
an Muschel- und Schneckentierresten reiche Lage, die direkt auf dem ebenfalls aufgeschlossenen
Syenit auf lagert. Das Syenitgestein zeigt vielfach Spalten und oberflächliche Vertiefungen,
in welche der Pläner gangähnlich oder sackähnlich eingesunken und dabei oft von einem
Salband von krystallinischem Kalkspat umsäumt ist. 8 )
In dem thonig-glaukonitischen Pläner lagern thonig zersetzte oder auch noch konsistente
Gerölle und wohl gerundete Fragmente von Syenit, so daß bisweilen ein förmliches Konglomerat
entsteht, untrügliche Merkmale der einst heftigen Brandung des Kreidemeeres an dem
syenitischen Felsgestade, in dessen Spalten und Vertiefungen die Tierwelt Schutz suchte,
wie wir wegen der reichen Fossilführung dieses Pläners schließen müssen. Der Syenit
enthält häufig Felsitbänder und schön krystallisierte Drusen von Kalkspat und Braunspat.
Auf den an schönen Rutschflächen reichen, mittleren Bänken des Carinatenpläners
treten die von Geinitz 4 ) erwähnten, dichotomisch sich verzweigenden Wülste auf, denen
man den Namen Spongia saxonica gab; außerdem konnte ich aus diesem Horizonte namentlich
im Herbst 1896 folgende Fossilien sammeln :
Terebratula biplicaia Sow., 5 ) in kleineren, mittleren und wahren Riesenexemplaren, bis
7 cm lang. (Elbth. I. S. 151. T. 34.)
Pleurotomaria Geinit zi d’Orb. (Elbth. I. S. 258. T. 58.)
Belemnitella plena Slainv. bis 3,5 cm lang. (Elbth. I. S. 277. T. 61; II. S. 180. T. 31.)
Ungemein reich an fossilen Resten sind die glaukonitischen, konglomeratartigen,
basalen Pläner, in denen die Sehalenreste der Schnecken- und Muscheltiere mit spangrünem
Glaukonit, oder selbst mit kleinen Eisenkieswürfeln bedeckt sind. Diesen Schichteti entstammen
folgende Petrefakten:
Bhynchonella compressa Lam. als wahres Leitfossil, massenhaft in schönen, tadellosen,
großen bis kleinsten Exemplaren. (Elbth. I. S. 163. T. 36.)
Peden elongatus Lam. (Elbth. I. S. 195. T. 44) und acuminatus Gein. (Elbth. I. S. 194. T. 44.) G )
Ostrea carinata Lam. (Elbth. I. S. 174. T. 39.)
Mytilus Gallienei d’Orb. (Elbth. I. S. 213. T. 48.)
b J. Petzlioldt, a. a. O., Seite 23.
«) Isisberichte 1897. Nessig: Diluvialsande.
s ) Naumann -Cotta, a. a. O., Seite 350, 351.
*) Elbth. II., Seite 234 und I., T. 38.
6 ) Isisberichte 1896, Seite 11.
*) Isisberichte 1896, Seite 11.
21
" Mytilus arcacea Gein. (Elbth. I. S. 218. T. 48.)
Terebratula phaseolina Lam. (Elbth. I. S. 153. T. 35.)
Trochus Buneli ä’Arch. (Elbth. I. S. 251. T. 55.)
Turbo Geslini d’Arch. (Elbth. I. S. 252. T. 55.)
Neritopsis (Natica) costulata Röm. (Elbth. I. S. 247. T. 57.) Nicht näher bestimmbare
Oerithien und Turritellen,
Die Polypenstöcke: EsammoJielia granulata Bölsche. (Elbth. I. S. 50. T. 11. No. 5 und 6),
Dimorphastraea parallela Reuss. (Elbth. I. S. 52. T. 13), Ihamnastraea eonferta M. Edwards und
Heime. (Elbth. I. S. 52. T. 13.)
Da der Aufsehluis demnächst zugeschüttet sein wird, dürfte die Aufzählung der
Fossilreste von Interesse sein.
Wir folgen nicht dem Fußwege, der hinter der Gasanstalt hinführt, sondern der im
Bogen ins Weißeritzthal hinabführenden Straße bis Löbtau, wo gegenüber der Maschinen-
fabrik von Petzholdt und Hartig ein Anbruch in dem stark zerrütteten Pläner anzutreffen
ist. Dals von hier der Pläner unter dem Alluvialboden nordwärts weiterzieht, geht aus dem
Brunnenprofil Nr. 40 auf Sektion Dresden 1 ) hervor, da unter 7,3 m Alluvium 1,2 m thonig
verwitterter Pläner folgt, und aus der Bohrung des artesischen Brunnens auf dem Antons-
platze 2 ) wo unter 15,1 m Schwemmland die Pläner und Sandsteine des Turon und Cenoman
in einer Mächtigkeit von 147,6 m, darunter die Schichten des Elb thalrotliegen den angetroffen
wurden. Schließlich wird das Fortziehen der Pläner auch jenseits der Elbe nachgewiesen
durch die Bohrung des artesischen Brunnens auf der Antonstraße, 8 ) bei welcher man. 16 m
Schwemmland und 227 m Kreideschichten durchsank, ohne deren Liegendes zu erreichen.
Die Möglichkeit, im Gebiet artesische Brunnen mit Erfolg zu erbohren, basiert auf der
Undurchlässigkeit der von uns kennen gelernten Gesteine im Liegenden der cretaceischen
Formation.
5. Goldene Höhe.
Die Exkursion soll uns als Tagestour in das Gebiet der Kreideformation führen, wie
sie, nach einer jedenfalls erheblichen Erosion der turonen Schichten, noch heute auf dem
elbth algebirgischen Hange rechts der Weißeritz entwickelt ist. Wir beginnen unsern Marsch,
am besten an einem klaren, sonnigen Herbsttage, wenn ein frischer Ostwind die Rauch-
massen aus dem Elbthale fegt, in Leubnitz und wandern auf der Straße nach Goppeln auf-
wärts. Dabei kommen wir aus dem Gebiet des Brongniartimergels, der jüngsten cretacöischen
Bildung hier im Elbthale, in das Revier immer älterer, aber höher liegender Schichtgesteine,
bis wir im Unterquader der goldenen Höhe die ältesten, cenomanen Straten antreffen, welche
das Döhlener Rotliegende diskordant überlagern. 4 )
Wir passieren die Müll ersehe Ziegelei, in deren Gruben der Labiatuspläner in der
Tiefe angetroffen wird, und erreichen in Goppeln den Horizont der Carinatensandsteine, da
nach der Höhe zu die Pläner durch Gröberwerden der Körner und Abnahme des Kalk-
gehaltes in Plänersandsteine und echte Sandsteine übergehen. 5 ) Wenn wir bis zum Ritter-
gute am Ostende des Dorfes und dann rechts ab nach dem Thalgrunde gehen, so finden
wir an dessen Hange einen verlassenen Bruch; in dem der dünnplattige Labiatussandstein
von dem ünterlagernden Carinatensandstein durch eine l 1 /* m mächtige Thonsandschicht
getrennt wird und die Schichten flach nach dem Elbthale zu einfallen. Zur Straße zurück-
gekehrt, wenden wir uns links und wandern westwärts das tiefe Thal begleitend, welches
in das Rotiiegende eingewaschen ist. Über dieser Formation lagert der Unterquader,
in welchem zwei rechts befindliche, verlassene Brüche angesetzt sind, welche dieselben
Lagerungs'verh'ältnisse offenbaren wie der Aufschluß bei Goppeln. Auch am jenseitigen Thal-
hange, unterhalb Golberode, sind Anbrüche des Quaders mit gleichen Lagerungsverhältnissen
erkennbar. Auf der Straße fortwaridernd passieren wir Rippien und den Beharrlichkeits-
schacht, durch dessen Kohlenfeld die Verwerfungen des roten Ochsen und des Beckerschachtes
hindurchsetzen, 6 ) die das Absinken der hangenden Schichten nordwärts zur Folge hatten.
*) Sekt. Dresden, Seite 98.
s ) Sekt. Dresden, Seite 95.
8 ) Sekt. Dresden, Seite 95.
4 ) Hausse: Profile, Seite 36.
5 ) Sekt. Dresden, Seite 64; Sekt. Kreischa, Seite 77.
Hausse: Profile, Seite 37 ff. Profil XIII.
22
Der rote Ochse weist fünf Sprünge auf und eine Gesamtsprunghöhe von 120 m. 1 ) Im Süden,
jenseits der Thalmulde, erhebt sich der Wilisch und im Sattel der Lugberg, während süd-
ostwärts, oberhalb der die Umgebung beherrschenden Babisnauer Pappel, der lange Rücken
des aus Brongniartiquader aufgebauten Schneeberges den Horizont begrenzt. In der flachen
Mulde vor uns, in welcher das Rotliegende auf den Feldern mit seiner charakteristischen
Farbe allerorten hervortritt, bemerken wir die Anlagen des Becker- und des Berglustschachtes.
Bald geht rechts ab ein Fahrweg in einen mit Birkengehölz bewachsenen Steinbruch,
in dem der über der Thonsandbank lagernde Labiatussandstein stark eisenschüssig ist und
drei mürbe Lagen aufweist, die rotbraune bis bläulich-braune, meist hohle Nieren von Braun-
eisen in großer Zahl enthalten. Auch die Thonsandbank ist reich an solchen Bildungen.
Der Thonsand erwies sich nach dem Aufweichen und Abschlämmen der thonigen
Trübe aus kleinen, fast staubähnlichen Quarzkörnern bestehend, untermischt mit zarten,
weißen Glimmerblättchen.
Aus dem Bruche führt uns eine Kirschallee auf den Weg nach der goldenen Höhe,
man kann aber auch zur Straße zurückkehren und nach etwa 300 m rechts abgehen nach
einem Aufschluß im Felde, wo 1897 noch der letzte Rest des zum Ausstrich kommenden
Rotliegenden in Gestalt von Gneis -Porphyr -Konglomeraten sichtbar war. 2 ) Hier greift die
mit 5 — 7 0 nach Nordost einfallende Quaderdecke diskordant auf das Rotliegende über, welches
in der Tiefe aus arkoseartigem Sandstein besteht und eine vom Beharrlichkeitsschacht mit
8 m Mächtigkeit durchstoßene Quarzporphyrdecke 8 ) zwischengeschaltet enthält. Möglicher-
weise hat diese Decke mit der des, vom Glückaufschachte durchteuften, Quarzporphyrs von
Kleinnaundorf einst in Zusammenhang gestanden.
Wir gewinnen nunmehr den Weg, welcher zur goldenen Höhe hinaufführt und ge-
nießen von dort, bei klarem Wetter, eine herrliche Rundsicht nach der Elbe zu auf das
sich sanft abdachende Gehänge, wie vor allem auf die Tafelberge der sächsischen Schweiz,
vom Lilienstein bis zu dem langgezogenen hohen Schneeberge. Auch südwärts bietet das
Landschaftsbild vielfache Abwechslung.
Wir gehen südwärts, um das Gasthaus herum und steigen über mit Birken bewachsene
Schutthalden hinab in den langgestreckten Bruch von Mirus und Müller. Bei der bedeutenden
Länge des durch den Aufschluß gebotenen Profiles (ca. 600 m) kann man in seltener Deut-
lichkeit das mit 5—7° stattfindende Einfallen der Sandsteinbänke nach dem Elbthale zu
erkennen, ebenso wie die Gliederung des durch die Thonsandschicht in zwei Horizonte
geschiedenen Quadergebirges.
Was zunächst den oberen Labiatussandstein anbetrifft, so lagert er unter einer dünnen
Lehmdecke zunächst als zerrüttetes Gestein oder „Knacken“, dann folgen der Ober-, Mittel-
und Unterstem. Dieser Komplex enthält drei mürbe, eisenschüssige Zonen mit sandigen
Höhlungen. In der Thonsandbank sitzen, wie schon anderwärts beobachtet, Brauneisenstein-
nieren. Der Carinatensandstein beginnt mit einem mürben Material, dem „wilden Stein“,
dann folgen Ober-, Mittel- und Unterstein, nach unten zu immer dickbankiger werdend und
an der Sohle des Bruches von einer massenhafte Muschelreste enthaltenden Schicht durch-
zogen, welche zumeist aus Steinkernen von j Exogyra columba Lam. besteht und daher kurz
Exogyrenbank 4 ) genannt wird. Namentlich in der Mitte des Bruches, wo man tiefer gearbeitet
hatte und sich jetzt ein viereckiges Wasserloch befindet, ist diese den Charakter einer
Leitschicht besitzende Muschelbank, fast 1 m mächtig, vorzüglich aufgeschlossen.
Von fossilen Resten fand ich in dieser 'Schicht neben Exogyra noch Ostrea carinata Lam.
und Vola aequicostata Lam. (Elbth. I. S. 200. T. 45.) Aus dem unteren Teile der Werksteinbank,
deren Material durch Hohlmachen der Wände gewonnen wird, konnte ich folgende Fossilien
sammeln :
Mytilus Neptuni Golf., die „Herzmuschel“ der Steinbrecher. (Elbth. I. S. 213. T. 47.)
Jnoceramus striatus Mant. (Elbth. I. S. 210 T. 46. II; S. 31. T. 13.)
Nautilus elegans Sow. (Elbth. I. S. 277. T. 61; II. S. 181. T. 32.)
Vola longicauda d’Orb. (Elbth. I. S. 202. T. 45.)
. Terebratula phaseolina Lam. (Elbth. I. S. 153. T. 35.)
Bhynchonella compressa Lam. (Elbth. I. S. 163. T. 36.)
Ferner ein Zweigende, vermutlich von Sequoia Beichenbachi Gein.
*) Sekt. Kreischa, Seite 46; Hausse: Profile, Seite 43.
*) Sekt. Kreischa, Seite 36.
8 ) Naumann-Cotta, a. a. O., Seite 232 , 233; Hausse: Profile, Seite 36, 41. Profil XI und XIII. Sekt.
Kreischa, Seite 36.
*) Sekt. Kreischa, Seite 73.
23
Wir verlassen den Bruch am Nordende und wandern auf der Strafte weiter bis
Welschhufe, wo rechts, bei der rechtwinkligen Biegung der Strafse, der Fuftweg nach der
goldenen Höhe aufwärts führt, von welchem links sich der. Steinbruch von Lehmann befindet.
Die Bruchverhältnisse sind hier die gleichen, wie an der goldenen Höhe, die Exogyrenbank
mit Exogyra columba L., Ostrea carinata L. und Vota aequicostata L. ist gleichfalls aufgeschlossen,
nur- bleibt das" Vorkommen von Acmthoceras Mantelli Sow. in 2 Exemplaren besonders er-
wähnenswert. Nachdem wir die Strafte wieder aufgesucht haben, wandern wir nochmals
aufwärts zur goldenen Höhe, bis rechts die Kohlenstrafte abgeht, die uns unter der Kohlenbahn
hinweg nach dem Glückaufschachte bringt, kurz vor welchem rechts wir in den Fahrweg
zum Bruche von Schleinitz einbiegen. Der Bruch bietet nichts Neues, was die Lagerungs-
verhältnisse anbetrifft, nur ist bemerkenswert, daft beim Hohlmachen der Steinwände auf
den Blockflächen sich oft die als Spongia saxonica beschriebenen Wülste einstellen und daft
sich in den, in der Werksteinbank auffallenden Höhlungen, ’) nach Aussage des Bruchmeisters
zerbrochene Schalen von Seeigeln finden sollen. Brauneisensteinnieren und schöne traubige
Aggregate dieses Minerals 2 ) stellen sich nicht selten im Mittelstem ein. Im Thonsand sollen
auch Ammoniten Vorkommen.
Nachdem wir den Bruch verlassen und uns im Lindengarten des Gasthauses zur
Prinzenhöhe erfrischt haben, statten wir den beiden, hinter dem Gasthause gelegenen, ver-
lassenen Brüchen einen Besuch ab, von denen der nördlichste eine sehr mächtige Thon-
sandbank und in der Werksteinbank eine Reihe von leeren Serpula -Höhlen aufweist. Im
vordersten Bruche sind die im mürben Labiatussandstein vorhandenen Höhlungen mit
lockerem oder zusammengesintertem Sande erfüllt, aus welchem sich die wunderlich ver-
schlungenen, verkieselten Röhren von Serpula gordialis Schloth. (Elbtb. I, S. 282. T. 63; II.
T. 37) herauswaschen lassen. Auch Serpula septemsulcata Reich, und Cotta wurde vereinzelt
gefunden. (Elbth. I. S. 237. T. 63.)
Wir wandern nunmehr auf der Strafte nach Boderitz weiter, kreuzen die Kohlen-
bahn und kommen am Marienschacht vorüber, der, am Nordrande des abbauwürdigen Kohlen-
feldes abgeteuft, nach den mir von der Direktion der Freiherrlich von Burgker Werke gütigst
gemachten Mitteilungen 8 m Schwemmland, 8 m Quadersandstein und das Kohlenflöz in
536,5 m Teufe mit 5,5 m Mächtigkeit durchsank. Angetroffen wurden ferner zahlreiche, zum
Spaltenzug des roten Ochsen gehörige Verwerfungen, s ) deren bedeutendste 45,50 und 120 m
Sprunghöhe aufwiesen. Die Quarzporphyrdecke des Glückaufschachtes fehlt im Profil des
Marienschachtes, dagegen wurde das der Schieferlettenstufe des Mittelrotliegenden zwischen-
geschaltete Kalksteinflöz*) in 290,7 m Teufe mit 0,5 m Mächtigkeit durchstoßen. Mit dem
200 m nördlich von Boderitz geschlagenen Bohrloche ist man auf Syenit getroffen, ohne das
Steinkohlengebirge erschürft zu haben.
Wir wandern weiter nordwärts und biegen kurz vor dem Hohlwege an der Wegsäule
links ab nach Alt-Cunnersdorf, kommen an der Schule vorüber und gehen den zweiten Weg
rechts am Brunnen hinab in den Steinbruch von Rudolf. Dort trennt Labiatus- und Carinaten-
sandstein eine fast 2 m mächtige Thonsandschicht, deren Material, wie auch anderwärts, als
Formsand für Eisengießereien Verwendung findet. Aus der Labiatusstufe sammelte ich das
Leitfossil Inoceramus labiatus Schloth,. Vom Carinatensandstein ist nur der Mittelstein ent-
wickelt, der ohne Exogyrenbank direkt auf dem Rotliegenden, hier den Breccientuffen auf-
lagert, die 1 m unter Bruchsohle vom Bohrer erreicht werden und von denen Proben am
Nordeingange des Bruches links umherliegen.
Zum Abstieg in den Kaitzgrund benutzen wir den die Straftenbiegung abschneiden-
den Fuftweg. Unten im Grunde links fand 1897 die Abteufung eines Senkbrunnens für das
Cunnersdorfer Wasserwerk statt, wobei die graugrünen und rotbraunen Schieferletten auf-
geschlossen wurden.
Nunmehr passieren wir den Bach, gehen die Strafte aufwärts bis zu dem oben links
am Hange im Sommer 1897 wieder in Betrieb genommenen Plänersandsteinbruche von Maul.
Die den Labiatussandstein von den Carinatenschichten trennende Thonsandbank ist auf
0,65 m Mächtigkeit zusammengeschrumpft, die Schichten fallen deutlich nach dem Elbthale
*) Serpula-Höhlen, so genannt nach den an anderen Orten im losen Sande derselben vorkornmenden
Wurmröhren von Serpula gordialis Schloth.
a ) Sekt. Kreischa, Seite 75.
8 ) Vergl. Hausse: Profil Nr. XI. .
4 ) Hausse: Profile Seite 36; Sekt. Kreischa, Seite 31.
24
ein. An Petrefakten sammelte ich Inoceramus labiatus Schloth. über der Thonbank und stark
verdrückte Seeigel unter derselben. (Hemiaster sublacunosus Gein.J
Der zwischen dem Sandsteinbruch von Rudolf und diesem Anschnitt liegende Kaitz-
grund ist in die Quaderdecke und weiter in das Rotliegende eingeschnitten. Wenn wir auf
der Strafte nach Coschütz fortgehen, erinnern wir uns daran, daft nunmehr die Plänersand-
steine in echte Pläner übergehen. Kurz vor dem Friedhofe schlagen wir rechts den Koh'len-
weg ein, der uns nochmals bei ostwärts gerichteter Wanderung den sanften Anstieg des
Geländes vom Elbthal bis zur goldenen Höhe, entsprechend dem Einfallen der Pläner und
Sandsteinbänke, vor Augen führt und uns im Osten zwischen dem Lausitzer Hochplateau
und dem Elbthalgebirge einen Blick auf das Erosionsgebiet der sächsischen Schweiz eröffnet.
Am alten Chausseehause mündet der Kohlenweg in die Strafte, die über das Schlachtfeld
vom 27. August 1813 mit dem Moreaudenkmal und der Franzenshöhe nach Räcknitz und
Dresden führt.
6. Leutewitz -Cotta.
Das links der Weifteritz in ungestörter Lagerung befindliche Plänergebiet lernen wir
am besten kennen durch eine Exkursion nach Leutewitz, wo in mehreren, tief hinabreichenden
Brüchen beide Pläner des Gebietes, geschieden durch eine Mergelschicht, aufgeschlossen sind.
Wir nehmen unsern Weg vom Postplatz nach Wölfnitz. Dabei kommen wir in Löbtau auf
der Tharandter Strafte über die Weifteritz, die hier noch im alten Bette flieftt, wenig ab-
wärts aber in das im Bogen nach Westen abbiegende, neue Fluftbett geleitet ist. Auf dieser
Strecke waren nach der Hochflut von 1897 die schlimmsten Verwüstungen erkennbar, Auf
der von der Weifteritzbrücke sanft ansteigenden Strafte kommen wir am Annenfriedho.fe
vorüber und bemerken gleich hinter demselben, links der Strafte, einen , von fächerförmig
gestellten Basaltsäulen umgebenen Denkstein mit der Aufschrift: „Zu Werners Andenken“.
Derselbe ist gesetzt an der Stelle, wo am 2. Juli 1817 die Leiche des verewigten Altmeisters
der Geologie von seinen getreuen Freibergern zur „letzten Fahrt“ übernommen wurde. 1 )
Von der Endstelle der Straftenbahn hinter dem Gasthofe zu Wölfnitz verfolgen wir
zunächst die Strafte weiter und gelangen nach etwa 4 Minuten an eine rechts nach Brieftnitz
führende Kirschallee (Wegsäule). Die Strafte ist in Gehängelehm eingeschnitten, der hier
in einer Mächtigkeit bis zu 10 m den Labiatuspläner bedeckt. 2 ) Obwohl wir hier nur
etwa 50 m über der Alluvialebene des Elbstromes uns befinden, haben wir dennoch einen
schönen Blick auf das Thal sowohl , wie auf die an dasselbe heran tretende Hochfläche im
Norden, Die zahlreichen, samt und sonders nach Nordost abführenden Entwässerungsgräben
der Wiesen lassen den Pläner in der Tiefe vermuten, dessen feiner Thonschlamm vor Zeiten
die Sumpfmergel von Cotta geliefert hat. Ein Hohlweg führt links hinab in den Steinbruch
von Möbius, der die beiden Pläner vorzüglich aufgeschlossen und flach nach Nordost ein-
fallend zeigt. Fossile Reste sind nicht allzu häufig. Im Labiatuspläner, dort „Oberstrich“
genannt, sitzen dieselben namentlich in den als „Keilstück“ bekannten Lagen, aus denen
man die würfeligen Steine für Mosaikpflaster schlägt. An Fossilien sammelte ich einen nicht
näher bestimmbaren Haifischzahn und 2 Exemplare von Inoceramus labiatus Schloth., während
ich aus dem Carinatenpläner 3 Exemplare von Nautilus sublaevigatus d’Orb. (Elbth. I. S. 227 ; II.
S. 182. T. 32) und Ostrea lateralis Nilss. (Elbth. I. S. 179. T. 41) erhielt.
Zur Strafte zurückgekehrt, erreichen wir nach 1 'h Minuten eine Wegkreuzung und
schlagen den Weg links aufwärts zur Leutewitzer Windmühle ein. Bald erscheint der vor-
her besuchte Bruch wieder und dahinter ein zweiter. Es sei hier bemerkt, daft der Carinaten-
pläner, besonders die unteren, „rasigen“ Bänke als Bausteine sich eignen, während der dünn-
schichtige Labiatuspläner mehr zum Ausfüllen der Mauerlücken als „Zwickpläner“ Ver-
wendung findet.
Rechts .vom Wege hat man früher den Pläner gleichfalls abgebaut, wie die Terrain-
verhältnisse erraten lassen, jetzt aber alles wieder eingeebnet und den Boden der Feldwirt-
schaft zurückgegeben. Nur unterhalb der Leutewitzer Windmühle ist noch ein verlassener,
ziemlich tiefer Bruch, in dem die Mergelschicht bis zu 1 m Mächtigkeit anschwillt. Von
der Leutewitzer Windmühle bietet sich dem Auge ein liebliches Bild. Uns aber fesselt nicht
nur die lachende Landschaft, sondern viel mehr beim Ausschauen nach Osten ein interessantes,
natürliches Profil von Nord nach Süd, quer durch das Elbthal. Zur Linken fällt das Lausitzer
b Frisch: Lebensbeschreibung Abraham Gottlob Werners. Leipzig 1825, Seite 267.
ä ) Sekt. Dresden: Profil 51, Seite 100.
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Plateau mit dem scharf hervortretenden Porsberg schroff nach dem Elbthale ab, und in dieses
selbst ragen die Tafelberge des Elbsandsteingebirges unvermittelt herein. Weiter nach Süden
zu hebt sich das Gelände ganz allmählich bis zu der deutlich sichtbaren goldenen Höhe.
Unmittelbar vor uns breitet sich in einem flachen Becken Cotta aus.
Es mag hier noch erwähnt werden, daß gerade unter der Leutewitzer Windmühle
der vom Oppelschachte von Zaukerode herüberkommende tiefe Elbstollen hinführt und daß
dieser die im Liegenden des Carinatenpläners auftretenden .Grünsandsteine und Syenitkon-
glomerate durchfahren hat. 1 )
Von der Windmühle aus gehen wir auf der Straße weiter, bis wir dort, wo der Weg
nach Burgstädtel abzweigt, einen großen, halb verlassenen Steinbruch 2 ) im Pläner antreffen,
jetzt d em Ziegeleibesitzer Grün gehörig. Unter einer 2 — 3 m mächtigen Decke von Gehänge-
löß, der hier abgetrieben und in der benachbarten Ziegelei verarbeitet wird, lagern die durch
eine Mergelschicht getrennten Pläner und darunter wieder Mergel, bis zu welchem der Stein-
bruchsbetrieb gewöhnlich hinabgeht, da sich dann die wasserführenden Grtinsandsteine und
Konglomerate einstellen, welche direkt auf dem Grundgebirge, hier dem Syenit, auf lagern.
In den Grünsandsteinen zirkulieren die Wasser, so daß nach Durchstoßung der Pläner-
bedeckung erfolgreich artesische Brunnen angelegt werden können.
Aus dem Keilstück des Labiatuspläners erhielt ich Inoceramus labiatus Schloth., aus
dem Carinatenpläner Nautilus sublaevigatus d’Orb., ein Bruchstück von Ammonites Woolgari
Mant., Ostrea lateralis Nilss. und einen schlecht erhaltenen Fischzahn.
Auf dem Wege nach Leutewitz weiter wandernd, passieren wir in 5 Minuten die
„Restauration zur Zusammenkunft“. Gleich rechts befindet sich am Wege nach Cotta die
Ziegelei von Möbius, wo unter einem mächtigen Lehmlager Labiatuspläner ansteht. In
10 Minuten erreichen wir Cotta. Am Ende der Straße biegen wir vor dem hohen Rangier-
damm links ab in die Brießnitzer Straße, gehen nach dem Hofbrauhaus und dann nach der
Elbe, wo wenige Schritte unterhalb der Dampfschiff haltesteile der tiefe Elbstollen in den
Strom mündet. Stromabwärts ragt die hohe Stützmauer der Eisenbahn empor. Früher ging
hier der Labiatuspläner in einer hohen Terrasse zu Tage aus und schuf für den Elbstrom,
der hier aus seiner westlichen Richtung in eine nordwestliche gedrängt wurde, eine Prall-
stelle. Auch im Strome stand bei Niedrigwasser der Pläner an, an dem die Ruderstangen
der Schiffer abglitten, daher diese Stelle „eiserne Furt“ 8 ) genannt wurde. Dieser Pläner ent-
hielt zahlreiche fossile Reste, namentlich in schönen Exemplaren den charakteristischen
Inoceramus labiatus Schloth., ferner Inoceramus latus Mant. und Ammonites Woolgari Mant., die
früher auch elbabwärts, am rechtsseitigen Heger, als Flußgeschiebe gesammelt werden konnten.
Der Cottaer Moormergel, der Absatz eines Wasserbeckens, in welches die vom Pläner-
gebiet herabkommenden Wasserläufe ihren Thonschlamm absetzten und einer Land- und
Südwasserschnecken -Fauna das Grab bereiteten, ist nur gelegentlich bei Grundgrabungen
aufgeschlossen. Er ist zu oberst von brauner Farbe und mooriger Beschaffenheit, im
Liegenden grau und schließt ab und zu Kalktuffpartien und Characeen- Reste ein. 4 )
Den Rückweg nehmen wir am zerstörten Schusterhause vorüber nach der Schäfer-
straße in Friedrichstadt, wo die Centralmarkthalle auf dem ausgefüllten, alten Weißeritz-
bette steht.
7. Der Zsehoner Grund.
Von der Bahnstation Kemnitz gehen wir wenige Schritte rückwärts, überschreiten
den Schienenweg und schlagen die Straße nach dem Zsehoner Grunde ein, die am linken
Ufer des Baches hinführt. Nach etwa 7 Minuten kreuzen wir die Straße nach Brießnitz
und wandern, an der „Welte-Mühle“ vorüberkommend, rechts aufwärts nach Merbitz, welches
wir in etwa Va Stunde erreichen. Wir lernen so das Gebiet erst auf der Höhe kennen,
welches wir später in der Tiefe durchlaufen .und haben von hier zugleich einen schönen
Blick auf die breite Inundationsebene des Elbstromes und die freundliche Villenkolonie der
Lößnitz. Vielfach fallen uns tiefe Einfurchungen und Seitenthäler des Geländes auf, die in
den Zsehoner Grund ausmünden und Erosionsrinnen der diluvialen Gewässer darstellen.
Am Gasthof vorübergehend biegen wir links ab und folgen der Straße, die im Bogen durch
Dorf Merbitz nach dem Grunde führt. Sobald wir dieses passiert haben, fällt der sanfte
*) Sekt. Dresden, Seite 62.
s ) Sekt. Dresden: Profil 37, Seite 98.
s ) W. G. Becker II.. a. a. 0., Seite 6.
4 ) Sekt. Dresden, Seite 80.
4
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Abfall des Terrains nach dem Elbthale zu in die Augen. Wir stehen hier auf dem Pläner-
rücken der unten bei Brießnitz mit der hübschen Kirche zum Ausstrich kommt. Bald senkt
sich die Straße hinab zum Grunde. Zur Linken haben wir eine herrliche Kirschbaumpflanzung,
wohl mit die schönste zur Zeit der Baumblüte. Der Ausblick auf den nach dem Elbthale
sich öffnenden Grund ist ein außerordentlich lieblicher, namentlich von dort, wo sich die
Straße energisch nach der Tiefe wendet. Vor uns in der Straßenrichtüng liegt auf der
Höhe Podemus, und am oberen Thalhange links davon erkennen wir schon jetzt einen
Plänerbruch, dem wir alsbald einen Besuch abstatten werden.
Bald ist die einsam gelegene Zschoner-Mühle erreicht. Wir überschreiten den Bach
und wenden uns, der Straße folgend, am rechten Thalhange aufwärts bis zu dem vorhin,
erwähnten Plänerbruch, dem Baumeister Weickert in Cotta gehörig. Der Aufschluß bietet
einen interessanten Einblick in die Lagerungsverhältnisse und die Beschaffenheit des Carmaten-
oläners. Die Schichten fallen insgesamt flach nach Nordosten ein, wie besonders im April
1897 zu erkennen war, als man westwärts gearbeitet hatte, um zu dem tiefer liegenden
Werkstein zu gelangen. . ,,
Zu oberst steht dünnplattiger, zerrütteter Pläner an, es folgen dickbankige Schichten,
unter denen eine ganz dünnblättrige Lage von mergeliger Beschaffenheit sich einstellt. Dann
erscheint ein dickbankiger Komplex, in dem sich im vorderen Teile des Bruches kavernöse
Struktur Höhlungen mit rostbraunem Sande erfüllt, finden. Im hinteren Teile des Auf-
schlusses ist diese Bank frischer und enthält hier rundliche und elliptische Ballen und Knollen,
die sich durch dunkelgraue Farbe von dem umgebenden Gesteine abheben. Es sind dies
Kalkknollen, die versuchsweise sogar gebrannt worden sind und einen guten Kalk geliefert
haben Vorn sind diese Bildungen ausgelaugt. ') Die Arbeiter nennen diese Bank die „räudige
oder rasige“ Bank. Unter dieser folgt dickbankiger, blaugrauer Pläner, die eigentliche
Werksteinbank, deren Material zu Bausteinen verwendet wird, und in welcher nicht selten
Fossilien sich finden. Im Liegenden traf man einen blaugrauen Mergel an, der s, Z. in
großen Haufen im Bruche lag und nach Aussage der Arbeiter eine Zeit lang zur Herstellung
von Blumentöpfen Verwendung fand. Er ist sehr knlkreich. Unter dem Mergel soll 5 durch
Bohrung nachgewiesen, wieder Pläner und dann Syenit sich einstellen.
Aus der Werksteinbank gewann ich folgende Petrefakten:
Ammomtes Mdntelli Sow. (Elbth. I. S. 279. T. 62); Ammomtes Geslmmms d Orb. (Elbth I.
S. 280. T. 62); Nautilus sublaevigatus d’Orb. (Elbth. 1, S. 277; II. S. 182. T. 32); lo/a notabihs
Mün (Elbth I. S. 202. T. 45); Lima pseudocardium Beuss. (Elbth. I. S. 204. T. 42); Inoceramus
striatus Mant. (Elbth. I. S. 210. T. 46); Beeten membranaceus Nilss. (Elbth. L S. 191. . T. 43);
Area GalUemd d’Orb. (Elbth. I. S. 220. T. 48); Steinkerne von Turritella ■ Belemmtetta plena
Blainw. (Elbth. I. S. 277. T. 61; II. S. 180. T. 31); Cidans vesiculosa Goldf., Stacheln (Elbth. I,
S. 65. T. 14); Serpula septem sulcata Beich. und Cotta (Elbth I. S. 287. T. 63.)
Wer den Brüchen bei Ockerwitz noch einen Besuch widmen will, geht aufwärts und
dann rechts; wir kehren zur Zschoner-Mühle zurück und folgen dem im Grunde vor führenden,
angenehmen Wege. Etwa 200 Schritte von der Mühle steht links am Hange m einem Schürf
Syenit an. Dort, wo nach kurzer Wanderung der Bach eine deutliche Biegung nach Westen
macht kommen wir in das Gebiet der groben Konglomerate des Elbthalrotliegenden, 2 ) welches
vom Döhlener Rotliegenden durch den Syenitkeil des Meißner Massivs geschieden wird.
Am linken Hange, drüben am Wiesensaum, treffen wir die ersten Aufschlüsse, _ 2 kleine Schürfe.
Tm Bache selbst stehen die Konglomerate an, , die vorwiegend aus Syenitgeschieben sich
zusammensetzen An der Stelle, wo der Bach wieder nach Osten umbiegt, tritt rechts an
ihn heran eine hohe Felswand, welche die grobstückigen Konglomerate in schönem Anschnitt
und in großer Mächtigkeit erkennen läßt. Der Aufschluß reicht bis zu dem am unteren
Hange ausmündenden, halb verschütteten Stollenmundloch, wo auch die Konglomerate als
grobe, festgepackte Syenitgeschiebe mit spärlichem Bindemittel in die Erscheinung treten.
’ Am Stollenmundloch geht der Grund in ein breites Wiesenthal über mit deutlicher
Terrassenbildung am linksseitigen Hange. Dasselbe bietet, mit den hochaufstrebenden Erlen
und Eschen an dem sich hinschlängelnden Bache, mit den schön bewaldeten Thalhängen
einen- ungemein anziehenden Anblick, besonders zur Zeit der Laubfärbung, wenn im Thale
die Herbstnebel fluten. Bald geht der Wiesenpfad in eine Straße über. Terrassenbildungen
beobachten wir aufsteigend namentlich an der rechten Thalseite.. Enger zieht sich nunmehr
‘) Sekt. Wilsdruff, Seite 51, 52. • _
») Sekt. Wilsdruff, Seite 45, 46; Naumann -Cotta, a. a. O., Seite 270 ff.
27 ... —
der Grund zusammen, an dessen rechtem Hange noch ein leider unzugänglicher Plänerbruch
erscheint. Wir erreichen eine Kirschallee auf dem Plateau, biegen nach wenigen Schritten
links ab in eine andere Allee. Hier verweilen wir einen Augenblick und überschauen die
liebliche Lößnitz und den Elbthalhang bis zur goldenen Höhe und den hoch liegenden
Kohlenschachtgebäuden.. Der Baumallee folgend, gelangen wir nach Brießnitz und, zwischen
der aus Pläner gebauten, hübschen Kirche und Schule hindurchgehend und dann links um-
biegend, zur Dampfschiffhaltestelle.
8. Verwerfung von Niederwartha.
Den Anmarsch nehmen wir ausnahmsweise von Kötzschenbroda aus. Wir wandern
von dort, am besten zur Zeit der Baumblüte, nach der Niederwarthaer Elbbrücke, wobei
die bezaubernde Schönheit des im Blütenschnee schimmernden, linken Elbthalhanges uns
überwältigend entgegentritt. „Ja, schön ist, Mutter Natur, Deiner Erfindung Pracht auf die
Fluren verstreut!“ Aber nicht allein der liebliche Schmuck des lachenden Geländes hält
unser Sinnen befangen, auch ein fesselndes Problem der dynamischen Geologie wird uns
hierselbst beschäftigen.
Mit den interessanten tektonischen Verhältnissen des uns entgegenstehenden Thalhanges
sollen uns kurze Seitentouren in die rechtwinklig zur Längserstreckung eingeschnittenen
Thalrinnen bekannt machen. Zunächst lassen wir noch vom rechten Ufer aus den Blick
schweifen über die beträchtliche Erhöhung des linken Elbufers, die bei der Brießnitzer
Kirche im Osten beginnt, im Osterberg ihr Maximum erreicht, um sich nach Westen zu
allmählich, wieder zu verflachen. Die Pläner, welche' sonst den sanften Geländeabfall decken,
erkennen wir unschwer, mindestens mit dem Fernglas, unten am Fuße des Hanges, ober-
halb der Bahnlinie an der grauen Farbe des anstehenden Gesteins.
Nach Passierung der Brücke steigen wir hinab vom hohen Damme, gehen durch die
Unterführung auf der Straße elbabwärts, etwa bis zur Dampfsehiffhaltestelle. Links sehen
wir dabei die vollkommen horizontal lagernden Labiatuspläner anstehend eine Terrasse
bilden, die sich an der Bahn entlang hinzieht über Cossebaude bis Kemnitz. 1 ) Wir kehren
auf .demselben Wege zurück und biegen, die Untermühle passierend, in den schönen Tännigt-
grund ein, den wir benutzen bis zur Obermühle. Von dort folgen wir, nach eingeholter Er-
laubnis, dem der Abfuhr des Syenitbruchmaterials aus den hinteren Brüchen des Tännigt-
grundes dienenden Geleise etwa 100 Schritt bergabwärts bis zum ersten Wehrbecken, an
dessen westlicher' Wand die entblößten Plänerschichten seltsamerweise steil nach dem Elb-
thale zu einfallen. Am zweiten Wehrbecken liegen dieselben Pläner schon fast horizontal
und sind in dieser Lage auch im Bache anstehend erkennbar. 2 ) Wir kehren zur Obermühle
zurück und treffen nach etwa 40 Schritt am buschigen Hange der Straße nach Oberwartha
rechts einen auflässigen Plänerbruch, in dem die Plänerschiohten ganz anormal fast, saiger
stehen, im unteren Teile des Bruches sogar überkippt erscheinen und nach dem hinteren
Grunde zu einfallen. Diese sonderbaren Lagerungs Verhältnisse, welche eineganz auffällige
Störung der sonst fast horizontal geschichteten Pläner verraten, verdanken ihre Entstehung
dem Emporsteigen des Gneis-Syenitrückens, den wir alsbald kennen lernen werden, wodurch
die sonst das Grundgebirge deckenden Plänerbänke von ihrer Unterlage abglitten und, am
langsam emporsteigenden Felsrücken absinkend, eine Schleppung erfuhren, welche ihren
Ausdruck in einer allmählich nach der Gneisgrenze zu steiler werdenden Lagerung der
Schichten fand. 8 )
Wir passieren mit Erlaubnis des Besitzers die Obermühle und treffen nach wenigen
Minuten erst einen kleinen', dann am Teiche einen großen Steinbruch im Augengneis, der
grobflaserig und reich an Feldspaten (vergl. Bruch gegenüber Liebenecke im Cossebauder
Grund) und von stark eisenschüssigen SchründeD durchsetzt ist. An der Nordseite fallen
viele Löcher in der Felsart auf, wie von Geschoßeinschlägen herrührend, die durch Heraus-
fallen der Feldspate aus dem durch Verwitterung gelockerten Gesteinsgefüge entstanden
sind. 4 ) Diese Feldspate liegen zahlreich im Verwitterungsschutt der Halde und sind viel-
fach nach dem Karlsbader Gesetz verzwillingt.
*) Naumann -Cotta, a. a. 0., Seite 343; Sekt. Wilsdruff, Seite 64.
ä ) Sekt. Wilsdruff, Seite 55.
8 ) Naumann -Cotta, a. a. 0., Seite 343, 344, Sekt. WilB&ruff, Seite 55; Teil I dieser Arbeit, Seite 12.
*) Sekt. Wilsdruff, Seite 7.
4 *
Wir wandern im herrlichen Grunde weiter und passieren eine von links herab-
kommende Seitenschlucht, wo die Gesteinsgrenze zwischen Gneis und Syenit durchzieht.
Lesesteine, am Hange aufgesucht, beweisen das. Den Syenit finden wir nach etwa 100 Schritt
links in einem Bruche aufgeschlossen. Das auch von Gleitflächen durchzogene Gestein ist
normal ausgebildet, enthält häufig Felsitbänder und auf Klüften und Hohlräumen Oalcit-
aggregate.
Wir haben nun den Syenit, den Gneis und die am Gneis abstoßende Plänerterrasse
kennen gelernt und suchen die Obermühle wieder auf, ,um dann von dort rechts auf-
wärts auf der Straße nach Oberwartha zu wandeln. Bald gehen wir links ab auf dem
Wege nach Cossebaude weiter, der uns in etwa 15 Minuten nach dem Eingänge des Amsel-
grundes bringt. Die mit Lößlehm bedeckte Plänerterrasse, auf welcher wir hingehen, trägt
Obstbaumpflanzungen, südwärts ragt das Gneisgebiet auf, welches von Laubwald bedeckt,
ist. Bei der neu angelegten „Wilhelmsburg“ biegen wir in den Amselgrund ein, sehen im'
tiefen Bachgrunde erst Gneis, dann Syenit anstehen und erreichen das Plateau des Oster-
berges, das allgemeine Stelldichein der Freunde der Baumblüte, welche aus „der Straßen
quetschender Enge“ hinauseilen, um sich an einem jener herrlichen Landschaftsbilder und
bezaubernden Ausblicke zu erquicken, um die man uns Dresdner so vielfach beneidet.
Geologisch interessant ist der Blick nach Westen, wo man das enge Durchbruchsthal der
Elbe im Meißner Granit -Syenit -Massiv und das isolierte Spaargebirge deutlich erkennt.
Vom Osterberge gelangen wir in wenigen Minuten nach der Liebenecke, deren Unter-
grund von Gneis gebildet wird und deren Aussicht die des Osterberges ergänzt. Wir steigen
den üblichen Promenaden weg an der aus Augengneis gebauten Mauer hinab und erreichen
bei dem Thalrestaurant den Oossebauder Grund. Wir verfolgen denselben südwärts und
bemerken schon hinter dem Haus Nr. 70 den Gneis, bald wieder dasselbe Gestein bei dem
Gasthause zur Turnhalle, bis 1 - wir gegenüber von Liebenecke am östlichen Thalhange den
Steinbruch von Julius Bährisch antreffen. 1 ) Der hier gebrochene, typische Augengneis ent-
hält große Feldspatlinsen, die von den braunen und weißen Glimmerhäuten umschmiegt
und umwoben werden, und wird nach einem gesetzlich geschützten Verfahren zu Grotten-
anlagen und Kunststeinverzierungen verarbeitet. (Vergl. Gneis aus dem Tännigtgrunde.)
Inmitten des Bruches zieht sich in fast vertikaler Richtung durch die Felswand eine eisen-
schüssige, durch Gebirgsdruck entstandene Quetschzone, die nach oben zu als Kluft verläuft.
Wandern wir im Grunde weiter, so finden wir hinter dem Hause mit der Ortstafel
über der Stützmauer des Weingeländes rechts Porphyrit anstehen, ein stockförmiges Gang-
gestein, ‘ 2 ) welches auf der Grenze zwischen Syenit und Gneis eruptiv wurde. Nach wenigen
Minuten ist am östlichen Hange auch der Syenit angebrochen.
Wir marschieren nunmehr im Grunde zurück, am Bache entlang, dessen Wasser am
tiefen Bahneinschnitt auf kunstvolle Weise in einem über einen Meter hohen Tunnel unter
den Geleisen hinweggeleitet wird, um auf der anderen Seite wieder emporzusteigen, damit
es im Unterdorfe der Gartenwirtschaft diene. Ein Teil des Bachwfissers fließt über eine
Mauer links hinab an der Bahn entlang. Wir überschreiten die Bahnbrücke, passieren das
Dorf und kommen über die breite, von Thalsand und Auelehm gebildete Eibaue nach Gohlis,
von wo wir mit dem Dampfer nach Dresden zurückkehren.
*) Sekt. Wilsdruff, Seite 7.
2 ) Sekt. Wilsdruff, Seite 17.
Oberlehrer Dr, Wilhelm Robert Nessig.